Lohn-Ammannsegg
Muss die Gemeinde die Vereine mit einer Halle unterstützen?

Der Kredit für die neue Sporthalle ist umstritten. Die Gegner befürchten eine Erhöhung des Steuerfusses durch den Bau, der Gemeinderat sagt hingegen Ja zum Planungskredit.

Rahel Meier
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Die Einfachturnhalle könnte beim heutigen Sportplatz platziert werden.

Die Einfachturnhalle könnte beim heutigen Sportplatz platziert werden.

Rolf Bischoff

Braucht Lohn-Ammannsegg eine zusätzliche Sporthalle? Am 28. September wird über die Freigabe eines Projektierungskredites für eine Einfach-Sporthalle abgestimmt. Die Bevölkerung ist sich nicht einig. Die Motionäre machen geltend, dass die Vereine in der zur Verfügung stehenden Mehrzweckhalle nicht genügend Platz haben, um im Dorf zu trainieren und auswärts ausweichen müssen. Die Gegner meinen, dass es nicht Sache der Gemeinde sei, den Vereinen eine Halle zur Verfügung zu stellen, und dass mit dem Bau einer solchen der Steuerfuss ansteige. Zudem sei die Mitgliedschaft in den Vereinen generell rückläufig und die Vereine müssten sich untereinander arrangieren.

Update

Am 14. Juni 2013 wurde die Motion «neue Sporthalle» an der Gemeindeversammlung mit grossem Mehr erheblich erklärt. Darauf wurden erste Abklärungen getroffen und eine Machbarkeitsstudie für eine Halle in Auftrag gegeben. Am 13. Juni 2014 wurde dem Souverän an der Gemeindeversammlung ein Projektierungskredit für 195 000 Franken für eine Einfachturnhalle mit geschätzten Kosten von 3,7 Mio. Franken vorgelegt. Der Kredit wurde allerdings nicht genehmigt. Auf Antrag aus der Mitte wurde erwirkt, dass an der Urne über den Betrag abgestimmt werden soll. Die Abstimmung steht nun am 28. September an. (rm)

Der Gemeinderat vertritt eine klare Haltung: Er sagt Ja zum Planungskredit. Nur mit einer seriösen Planung könne in einem späteren Schritt entschieden werden, ob die Halle tatsächlich gebaut wird. Der Kredit für den Hallenbau würde der Gemeindeversammlung in einem späteren Zeitpunkt wieder vorgelegt. «Wir setzen uns ein für ein familienfreundliches, lebendiges und vielfältiges Dorf. Dazu gehört die Förderung eines aktiven und für Jung und Alt attraktiven Vereinslebens. Kinder und Jugendliche sollen, ebenso wie Erwachsene, in der eigenen Gemeinde sportlich aktiv sein können», schreibt der Gemeinderat in der Abstimmungsbotschaft.

Neue Halle schon ausgelastet

Der Gemeinderat hat eine Bedarfsanalyse durchgeführt, die klar aufzeigt, dass eine zweite Halle gewünscht und auch benützt würde. Alleine die drei grössten Sportvereine im Dorf (Unihockey, Damenturnverein, Geräteturnen) hätten Bedarf an mindestens 20 Stunden zusätzlicher Trainingszeit pro Woche, was die neue Sporthalle bereits an vier Abenden pro Woche auslasten würde.

Verlangt wird mit der Motion der Bau einer reinen Sporthalle (ohne Mehrzweckbereich) mit erforderlichem Mindestmass und Bodenmarkierungen für die Durchführung von Turnieren in den Bereichen Geräteturnen, Unihockey, Volleyball und Handball. Zudem sollen in die neue Anlage mindestens zwei Garderoben mit je 10 Duschen und ein Geräteraum für ergänzendes Sportmaterial eingebaut werden. Das Komitee «neue Sporthalle» spricht sich für einen Zweckbau ohne jeglichen Luxus aus.

Wie sieht es rundherum denn so aus?

In Lohn-Ammannsegg wohnen rund 2650 Personen – Tendenz steigend. Der Schule und den Vereinen steht die Mehrzweckhalle – mit einer Turnhalle – zur Verfügung.

Deitingen ist etwas kleiner und hat derzeit 2260 Einwohner. Seit 1995 steht der Schule und den Vereinen die Zweien-Halle zur Verfügung. Die Dreifach-Mehrzweckhalle bietet auch Platz für grössere Veranstaltungen jeder Art. Freie Kapazitäten sind nur wenige vorhanden. Ab und zu für Turniere oder Trainings. Die alte Turnhalle wird zusätzlich noch als Garderobe und zum Werken genutzt.

Selzach hat knapp 3200 Einwohner und zwei Turnhallen, beide sind jedoch kleiner als jede Norm. Deshalb entschloss man sich dazu, eine Halle zu opfern und eine neue Doppelturnhalle zu bauen, die die Austragung regionaler Wettkämpfe für die wichtigsten Sportarten zulässt, was ein grosser Wunsch der Vereine ist. Ab Schuljahr 2015/16 stehen also drei Hallen zur Verfügung. Die Hallen sind tagsüber durch die Schule und abends durch die Vereine belegt.

In Luterbach mit 3400 Einwohnern gibt es zwei Turnhallen. Sie sind tagsüber durch die Primarschule und nachher durch die Vereine belegt.

Den knapp 3800 Einwohnern in Langendorf stehen zwei Turnhallen zur Verfügung. Ausserdem gibt es noch den Konzertsaal – der aber für andere Veranstaltungen genützt wird. Die Turnhallen sind tagsüber wie auch am Abend sehr gut belegt. In Langendorf sind nur dorfeigene Vereine in den Hallen.

Bellach hat 5245 Einwohner und freut sich an einer Dreifach-Sporthalle in der Schulanlage Kaselfeld und einer Turnhalle in der Schulanlage Franziskanerhof. Genutzt werden die Hallen von der Schule, von den
Bellacher Vereinen und teilweise auch von auswärtigen Vereinen oder Organisationen (kostenpflichtig). Von Montag bis Freitag sind die Hallen komplett ausgelastet. Sie werden auch an Wochenende gebucht (kostenpflichtig, auch durch auswärtige Vereine).

Lohn-Ammannseggs Nachbargemeinde Biberist hat zurzeit rund 8300 Einwohner. Mit der neuen Dreifach-Sporthalle hat es nun sechs Turnhallen. Die Hallen werden zu 95 Prozent von der Schule und den einheimischen Vereinen genutzt. Auswärtige Nutzungen sind sehr selten und werden nur als Einzelanlässe bewilligt. Die Hallen sind praktisch ausgenutzt, es bestehen, wenn man von einigen wenigen Wochenenden absieht, keine freien Kapazitäten. (rm/mgt)