In der alten Turnhalle des Pisoni-Schulhauses herrscht entspannte Betriebsamkeit. Stühle werden in den Raum gebracht, Orchesterplätze eingerichtet und die technischen Anlagen startklar gemacht. Und dann legen sie los. Es ist ein Moment, in dem nicht wichtig ist, auf welchem Niveau ein Schüler musiziert – und auch nicht, ob er Gitarre, Geige oder Trompete spielt.

Die Kleinen lachen und sind vor allem eines: Musikanten mit Herzblut. «Eine feine Sache», sagt Heinz Schoenenberger. Der Leiter der Zuchwiler Musikschule hat zusammen mit der Primarschule Zuchwil ein wahrscheinlich schweizweit einmaliges Projekt ins Leben gerufen: einen Musikcampus für Primarschüler. «Früher haben wir Puzzles mit 200 Teilen gebaut, jetzt haben wir uns an solche mit 1000 Teilen gewagt», sagt Schoenenberger.

Gemeinderat steht dahinter

Das Konzept hinter dem Musikcampus ist denkbar einfach: Alle Schüler zwischen der vierten und der sechsten Klasse, die ein Instrument spielen, besuchen in einer regulären Lehrplan-Musiklektion ein Ensemble – getrennt nach Klassenstufen, aber unabhängig von Instrument und Erfahrung. Schüler, die kein Instrument spielen, singen derweil im Chor.

Das Ziel: Musikschüler sollen ihr Instrument regelmässig einsetzen und diesem während der gesamten Schulzeit treu bleiben. Denn, so Schoenenberger: «Wir haben festgestellt, dass die meisten Musikschüler nach dem dritten Unterrichtsjahr den Instrumentalunterricht aufgeben.» Oft fehlten Gruppen, in denen die Musikschüler mit anderen musizieren und ihr Können auch mal vor Publikum präsentieren könnten. Der Musikschulleiter erklärt sich diese Entwicklung auch mit der stetig wachsenden Zahl der Schullektionen an der Primarschule. Dies habe nachweislich dazu geführt, dass Schüler die Musikangebote in ihrer Freizeit kaum mehr genutzt haben.

Im April 2013 hat der Zuchwiler Gemeinderat einem zweijährigen Versuch zugestimmt. Den Musikcampus-Initianten kamen dabei auch die Legislaturziele des Gemeinderats zugute. Demnach soll mindestens die Hälfte der Zuchwiler Schüler die Musikschule besuchen. Finanziert wird das Projekt von den Gemeindeschulen und der Musikschule. Die örtliche Blasmusik spendet Notenmappen, Ordner und Taschen für die Musikschüler.

Herausforderung für alle

Im Frühling wurden die Ensembles und Chöre zu veritablen Orchestern zusammengeführt. In diesen Tagen werden die Früchte monatelanger Arbeit endlich geerntet. Heute Abend stehen in der alten Turnhalle des Pisoni-Schulhauses vor allem Schüler aus den Schulhäusern Unterfeld und Blumenfeld auf der Bühne, morgen Abend vornehmlich jene aus dem Pisoni-Schulhaus. An einstündigen Konzerten präsentieren die Schüler eine Werkauswahl. Beschrieben wird eine Pause an der Schule in Zuchwil, der «Znüni-Song» dient als roter Faden in verschiedensten Interpretationen – auch mit Schauspieleinlagen und Choreografien.

Heinz Schoenenberger spricht gerne vom «gelebten Modell einer integrativen Schule», wenn er auf die vergangenen Monate zurückblickt. Alle seien mit unbekannten Herausforderungen konfrontiert worden. Die Musiklehrer hatten in den Ensemble-Proben auch mit Schülern ihnen bisher fremder Instrumente zu tun. «Für mich als Blasmusikant war es bereichernd, Gitarristen zu unterrichten», nennt Schoenenberger ein Beispiel. Die Lehrer der Primarschule waren mit dem Aufbau der Chöre vertraut, die zweite Lehrplan-Musiklektion gestalteten sie weiterhin frei. Im Laufe des Jahres habe sich unter den Musikschülern ein neues Selbstverständnis entwickelt, sagt Michael Vescovi, der musikalische Leiter des Musikcampus. «Für die meisten Kinder gehört es heute einfach dazu, mit dem Instrument in die Schule zu kommen.»

Kurz vor Ende des Schuljahrs ziehen die Verantwortlichen des Musikcampus eine positive Bilanz – auch wenn es vorerst nicht gelungen ist, die Zahl der Musikschulabbrecher zu reduzieren. Doch Heinz Schoenenberger freut vor allem, dass sich im nächsten Schuljahr fast alle Musikschüler für das Ensemble-Angebot entschieden haben. «Obwohl dieses künftig freiwillig sein wird», wie der Musikschulleiter stolz anmerkt.

Konzerte Am Mittwoch und morgen Donnerstag, jeweils 19 Uhr. Alte Turnhalle, Schulhaus Pisoni.