Seewen

Musikautomatenmuseum muss den Ausbau auf Eis legen

Das Seewner Musikautomatenmuseum ist die grosse Attraktion im 1'000-Seelen-Dorf auf dem Dorneckberg.

Das Seewner Musikautomatenmuseum ist die grosse Attraktion im 1'000-Seelen-Dorf auf dem Dorneckberg.

Der ehemalige Gemeindepräsident von Seewen schnappte dem Musikautomatenmuseum Land vor der Nase weg. Damit lässt eine Erweiterung auf sich warten.

Das Museum für Musikautomaten in Seewen will ausbauen. In den Lagern des Museums, das eine der weltweit wichtigsten Sammlungen von Musikdosen sowie Uhren und Schmuck mit Musikwerk beherbergt, befinden sich viele Trouvaillen, die man der Öffentlichkeit nicht länger vorenthalten will. Während den regelmässig stattfindenden Matinee-Konzerten am Sonntagmorgen sitzen die Zuschauerinnen und Zuschauer jeweils dicht gedrängt nebeneinander. Ein adäquater Veranstaltungsraum und ein weiterer Ausstellungsraum würden Abhilfe schaffen.

Seit vier Jahren liegt eine Studie vor, in der die Eckpfeiler einer Erweiterung des Museums festgehalten sind. «Die Studie ist derzeit in Prüfung», erklärt Museumsleiter Christoph Hänggi. Um einen ersten Ausbauschritt vollziehen zu können, hätte das Bundesamt für Bauten und Logistik kürzlich gerne eine Parzelle Land neben dem Museum für zusätzliche Parkplätze erworben. Die derzeit zur Verfügung stehenden Parkfelder stammen aus den späten 1990er-Jahren, als sie gemeinsam mit dem Neubau realisiert wurden. Aus dem angestrebten Landkauf des Bundesamts für Bauten und Logistik wurde jedoch nichts. «Bei einer Versteigerung unterlag des Bundesamt gegenüber einem Dritten», erklärt Hänggi. Man werde die neue Situation prüfen. Um wen es sich bei diesem Dritten handelt, will der Direktor des Museums für Musikautomaten aber nicht verraten.

Wiggli will nichts gewusst haben

Die bz weiss aber, wer der Käufer ist. Es handelt sich um den ehemaligen Seewner Gemeindepräsidenten und WIR-Bank-Chef Germann Wiggli. Dieser bestätigt auf Anfrage, das Land erworben zu haben. Vom Interesse des Museums an der Parzelle will er nichts gewusst haben. «Dass sich hinter dem anderen Bieter das Museum für Musikautomaten verbarg, wurde mir nicht mitgeteilt», sagt er.

Das Konkursamt Basel-Stadt habe ihn angefragt, ob er bei der internen Versteigerung einer Parzelle eines verstorbenen Seewners mitbieten möchte, sagt er. «Da mir die beiden angrenzenden Parzellen gehören und der Verstorbene ein Jugendfreund meines Vaters war, habe ich über das Konkursamt mitgeboten und den Zuschlag erhalten.» Bei der Parzelle handle es sich um Kulturland, das er künftig teilweise bewirtschaften will. Zum Museum habe er bisher immer ein gutes Verhältnis gehabt.

So war er Gemeindepräsident, als die Einrichtung einst ihre Ausstellungsfläche verdoppeln konnte. Germann Wiggli, welcher der Gemeinde im Schwarzbubenland von 1993 bis 2001 vorstand, wohnt noch immer in Seewen. Vor einigen Monaten war er in Zusammenhang mit der Submission für den Transport des Kehrichts für die Kelsag AG in die Schlagzeilen geraten. Damals erhielten Bewerber, die bereit waren, Zahlungen in WIR-Franken entgegenzunehmen, mehr Punkte bei der Auswertung. Gegen Wiggli, der zugleich als Verwaltungsratspräsident der Kelsag AG und als WIR-Bank-Chef fungiert, wurden Filzvorwürfe laut.

Der aktuelle Gemeindepräsident von Seewen, Thomas Müller, äussert sich kritisch zum Landkauf seines Vorgängers. «Ich finde das nicht gut.» Er mache sich Sorgen, dass sich das Museum für Musikautomaten nun einen Wegzug überlegen könnte. «Das Museum ist für unsere Gemeinde sehr wichtig. Es ist die Attraktion in unserem Dorf.» Dank der von Heinrich Weiss, Sammler und Mitentwickler des Barcodes, gegründeten Institution sei die Ortschaft im ganzen Raum Basel bekannt. Im vergangenen Jahr besuchten 33'044 Menschen das Musikautomatenmuseum.

Weitere Landreserven

Trotz des kürzlichen Rückschlags sind die Ausbauabsichten des Museums für Musikautomaten intakt. «Rund um das Museum gibt es einige Landreserven, die uns gehören und die wir nutzen könnten», sagt Museumsleiter Christoph Hänggi. Auch wenn die Erweiterung auf sich warten lässt, hat Hänggi bereits Ideen, was man künftig noch ausstellen könnte. «Viele unserer Phonographen und Grammophone können wir derzeit nicht zeigen.» Und auch das Herz der Sammlung, die Schweizer Musikdosen, könnten in einem Anbau besser zur Geltung kommen.

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