Dornach
Museum zeigt Gemälde mit inszenierten Möchtegern-Adligen

Hans Voegtli, Präsident des Heimatmuseums Schwarzbubenland, ist in einem Dornacher Treppenhaus auf eine Trouvaille gestossen. Es ist ein Gemälde von Albert Landerer, das Möchtegern-Adlige zeigt.

Benjamin Rosch
Merken
Drucken
Teilen
Mit Stolz zeigt Hans Voegtli, der Präsident des Museums, das neue Herzstück der Sammlung: «Die (neuen) Grafen von Thierstein».BER

Mit Stolz zeigt Hans Voegtli, der Präsident des Museums, das neue Herzstück der Sammlung: «Die (neuen) Grafen von Thierstein».BER

Die goldenen Kelche schwingend, hoch zu Ross oder mit Gespielin im Arm zeigen sich vier Ritter vor ihrem Schloss. Das Bild muss im späten Mittelalter entstanden sein, denkt sowohl der Laie als auch der Fachmann. Weit gefehlt: Beim
farbenfrohen Abbild der Ritterzeit handelt es sich eigentlich um vier reiche Junggesellen aus einer steinreichen Basler Unternehmerfamilie aus den 1860er-Jahren, die sich hier nur künstlich als Adlige aufspielen.

Kleine Sensation in Dornach

Dieses Gemälde steht jetzt im Heimatmuseum Schwarzbubenland in Dornach. Wie es dazu kam, ist aussergewöhnlich für die kleine Sammlung an Zeugnissen der regionalen Historie. Im Treppenhaus eines Privathauses in Dornach hing das Bild, bis es der Besitzer als Dauerleihgabe an das Museum in der alten Kirche übergab. Das Gemälde und damit zusammenhängende Notizen erweckten das Interesse von Hans Voegtli, dem Präsidenten des Regionalmuseums. Zur Prüfung seiner Ahnung fragte er die Universität Basel an, ob das kunsthistorische Institut den Hintergrund des Fundstücks prüfen könne.

«Zum Glück», wie Voegtli heute sagt, «traf ich auf Professor Martin Gaier, der sofort Feuer und Flamme war.» Dieser startete ein Projekt mit vier Masterstudentinnen, deren Forschungsergebnisse nun an einer Infotafel neben dem auffälligen Ausstellungsobjekt nachzulesen sind. Niemand Geringerer als der bekannte Historienmaler Albert Landerer inszenierte die Möchtegern-Adligen um den Seidenfabrikanten Eduard Bischoff, wie Briefwechsel bezeugen. Bischoff hatte schon 1856 die Ruine Neu-Thierstein gekauft, wieder aufgebaut und im Schloss Ritterspiele mit ausschweifenden Gelagen gefeiert. «Alte Rechnungen vom nahe gelegenen Gasthof zeigen beispielsweise, dass die Junggesellen schon morgens vier Flaschen Weisswein bestellten», erzählt Voegtli. Auch ein Bett sei schon während der Nacht zertrümmert worden.

Das Gemälde ist aber nicht nur Beweis für die Selbstinszenierung der Basler, sondern enthält durchaus auch viel Ironie und Sarkasmus gegenüber dem Katholizismus. So ist gleich neben dem Hofnarren ein Bischof zu erkennen, der sich von den «neuen Grafen von Thierstein» abwendet.

Weitere Studien geplant

Gaier beschäftige sich deshalb weiterhin mit der Trouvaille und werde eine Publikation dazu veröffentlichen, weiss Voegtli. Voegtli mag das Bild dekadenter Städter nicht bestätigen. Vielmehr sieht er in «Die (neuen) Grafen von Thierstein», wie der offizielle Titel des Gemäldes lautet, die verklärte Sehnsucht nach Ritterromantik. Das Engagement der Uni Basel freute ihn sehr. Nun hofft das Museum, mit dem Fund mehr Besucher anzulocken. Die Sammlung in der Mauritiuskirche in Dornach steht in starker Konkurrenz zu den verschiedenen anderen Dorfmuseen.

Öffnungszeiten: Das Museum ist bis zum letzten Oktobersonntag jeweils am Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Am Bettag und an allgemeinen Feiertagen bleibt es geschlossen. Gruppenbesuche mit Führungen sind auch an Werktagen möglich. Auskunft über Telefon 061 272 75 44.