Mühledorf
Mühledörfer wehren sich gegen «Ungerechtigkeit»

Ein Komitee will den Wald rund um Mühledorf nicht einer neuen, fusionierten Gemeinde überlassen. Stattdessen soll die Bürgergemeinde reaktiviert werden. Das käme auch idellen Gründen entgegen.

Christof Ramser
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Hanspeter Studer, Rahel Moser, Thomas Lätt, Toni Zimmermann und Attilio Weibel (v.l.).

Hanspeter Studer, Rahel Moser, Thomas Lätt, Toni Zimmermann und Attilio Weibel (v.l.).

Hanspeter Bärtschi

Nach dem knappen Ja zum Eintreten auf die Gemeindefusion im unteren Bucheggberg hatte es sich abgezeichnet, nun ist es offiziell: In Mühledorf soll noch vor dem geplanten Zusammenschluss der 12 Einwohnergemeinden wieder eine Bürgergemeinde gegründet werden. Damit will ein Initiativkomitee um Anton Zimmermann und Hanspeter Studer verhindern, dass Mühledorf, nach Schnottwil der zweitgrösste Waldbesitzer im Bezirk, die wertvolle Mitgift von 89 Hektaren Wald in die Fusionsgemeinde einbringt. «Das wäre eine Ungerechtigkeit», sagt Hanspeter Studer. Insgesamt beziffert er den Wert des Forstes auf 3,5 bis 4 Millionen Franken. Neben dem Wald verfügt Mühledorf mit dem Werkhof des Forstbetriebs, einem Bauplatz und 872 Aren Bürgerland (Gegenwert 500000 Franken) über weitere Werte.

Ausser in Kyburg-Buchegg und Mühledorf gibt es in sämtlichen Gemeinden im Fusionsperimeter noch Bürgergemeinden, die ihren Wald behalten werden. «Damit wären wir mindestens gegenüber diesen 10 Gemeinden stark benachteiligt», so die Initianten. «Der Mühledörfer Wald gehört nicht in die Obhut der Fusionsgemeinen.»

Erst vor 16 Jahren aufgehoben

Ein anderer Wert, den die Initianten ins Feld führen, ist immaterieller Natur: der Verlust des Bürgerrechts. 62 stimmberechtigte Bürger gibt es derzeit im Mühledorf. «Das Label Mühledorf würde nach einer Fusion praktisch verschwinden», sagt Hanspeter Studer. Er räumt ein, dass neben der besonderen Sensibilität zum Wald vor allem auch ideelle Gründe für die Reaktivierung der Bürgergemeinde sprächen. Als langjähriger Einwohner und ehemaliger Vizegemeindepräsident hänge er eben an Mühledorf.

Dabei ist es erst 16 Jahre her, seit Mühledorf die Bürgergemeinde aufgehoben und sich für eine Einheitsgemeinde entschieden hat – notabene als Pionierin im Kanton Solothurn. Der Entscheid lag im Trend: Seit Jahren geht die Zahl der Bürgergemeinden im Kanton zurück (siehe Kontext). Auslöser für die Schaffung einer Einheitsgemeinde war die Fürsorgefunktion, die damals noch von den Bürgergemeinden wahrgenommen wurde. Aufgrund der Sozialhilfefälle wären die Mühledörfer Bürger in finanzielle Schieflage geraten. «Damals habe ich mich selbstverständlich für die Einheitsgemeinde ausgesprochen», sagt Studer.

«Möglichkeit nicht vorenthalten»

Der Einwohnergemeinderat hingegen war gegenüber der Initiative im ersten Moment nicht sehr positiv eingestellt, wie Gemeindepräsidentin Verena Meyer sagt. Weil der Wald ja vom Forstbetrieb bewirtschaftet werde, habe man den Sinn dahinter nicht gesehen. «Aber es ist klar: Der Wald war uns immer wichtig.» So sei man stolz darauf, dass mit dem Werkhof, der Holzlagerhalle und dem Büro die gesamte Infrastruktur des Forstbetriebs in Mühledorf angesiedelt ist.

An der Gemeindeversammlung sei schliesslich klar geworden, wie stark die ideelle Verbundenheit der Bürger mit dem Dorf sei, so Meyer. «Danach haben wir gehandelt und Abklärungen getroffen, wie das Bürgerrecht beibehalten werden kann.» Man wolle diese Möglichkeit niemandem vorenthalten. Prekär werde es für die Einwohnergemeinde einzig, wenn die Einwohner Ja zur Bürgergemeinde sagen und dann die Fusion bachab schicken würden. «Aufgrund des halbierten Eigenkapitals der Einwohnergemeinde müsste man die Gründung der Bürgergemeinde dann wieder zurücknehmen. Andernfalls stünde die Einwohnergemeinde vor dem finanziellen Kollaps.»

«Mit offenen Karten spielen»

So findet kommenden Dienstag, 7.August, nun eine Infoveranstaltung zum Thema statt. Einen Monat später wird die ausserordentliche Gemeindeversammlung über Eintreten auf die Gründung einer Bürgergemeinde abstimmen. Noch vor dem möglichen Inkrafttreten der Fusionsgemeinde 2014 können dann einerseits die Einwohner wie auch die 62 Bürger getrennt über das Vorhaben abstimmen.

Bernhard Jöhr, Projektleiter der Fusion im unteren Bucheggberg, glaubt nicht, dass die Initiative aus Mühledorf in den anderen Gemeinden grosse Reaktionen auslösen wird. «Wichtig ist, dass man mit offenen Karten spielt.» An der finanziellen Situation der fusionierten Gemeinde würde sich ob mit oder ohne Mühledörfer Wald nichts ändern. Einzig zusätzliches Personal für den Bürgerrat müsste rekrutiert werden – was laut den Mühledörfer Initianten um Hanspeter Studer kein Problem darstellen dürfte.

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