Zuchwil

Mit neuem Leitbild ein Altern in Würde ermöglichen

Die Spitex-Mitarbeiterinnen pflegen die Leute zuhause. (Symbolbild)

Die Spitex-Mitarbeiterinnen pflegen die Leute zuhause. (Symbolbild)

Die Zuchwiler Bevölkerung altert rascher als der Durchschnitt. Das betrifft sowohl die Schweizer als auch die ausländische Wohnbevölkerung. Darauf reagiert man mit einem Altersleitbild, das die Altersheime vor drei Jahren angeregt hatten.

Die Zuchwiler Bevölkerung altert rascher als der Schweizer Durchschnitt. Dies geht aus einer Prognose des kantonalen Amtes für Finanzen hervor. Demnach ist in Zuchwil die Altersgruppe der 65- bis 80-Jährigen übervertreten, wodurch der Anteil Hochbetagter in den nächsten 25 Jahren stark zunehmen wird.

Darauf reagiert man mit einem Altersleitbild, das die Altersheime vor drei Jahren angeregt hatten und dessen Bericht der Gemeinderat am Donnerstag zustimmte. Daraus geht hervor, dass im Betagtenheim Blumenfeld 75 Betten zur Verfügung stehen, weitere 52 Zuchwiler Senioren sind in auswärtigen Heimen untergebracht.

«Wir möchten künftig aber allen Zuchwilern ein Bett in der Heimatgemeinde bieten», sagte Sigrun Kuhn (FDP), die das Altersleitbild präsentierte. Der Anteil stationärer Betten müsse deshalb in Zuchwil ausgebaut werden – dies, obwohl die Bettendichte insgesamt sinken soll. Patrick Marti (SP) wies darauf hin, dass die eingeschlagene Strategie «ambulant vor stationär» einschneidende finanzielle Folgen habe. Sigrun Kuhn, die auch Präsidentin des kantonalen Spitexverbandes ist, stimmte zu. «Die Spitex kämpft dafür, dass der Kanton die Kosten für die ambulante Betreuung übernimmt».

Auch Ausländer werden älter

Eine Besonderheit in der Zuchwiler Demografie ist der hohe Ausländeranteil – bis 2035 wird der Anteil der über 80-Jährigen ohne Schweizer Pass um 400 Prozent zunehmen, nämlich von 30 auf 151 Personen. Weil sie einen Grossteil ihres Lebens in der Schweiz verbracht haben und ihre Kinder und Enkel hier leben, kehren Migranten nach der Pensionierung nicht ins Herkunftsland zurück. «In Ausländerfamilien ist das soziale Netz zwar grösser, deshalb ist die Spitex dort noch wenig engagiert», so Kuhn.

Das dürfte sich aber bis 2035 ändern. Im Rahmen des Altersleitbilds soll die Spitex ausgebaut werden. Bereits heute nimmt ein Drittel aller über 80-jährigen Zuchwiler (insgesamt gegen 500 Personen) Spitexleistungen in Anspruch. Tendenz steigend. Auch steige die Anzahl Demenzkranker und älterer behinderter Menschen stark an. Ein Problem in diesem Bereich sei der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal.

Aus dem Bericht geht hervor, dass in Zuchwil altersgerechte Wohnungen für Betagte in prekären finanziellen Verhältnissen (etwa Ergänzungsleistungsbezüger) fehlen. Nicht zuletzt ist vorgesehen, alle Quartiere mit dem öffentlichen Verkehr zu erschliessen. «Gerade im Blumenfeld ist das ein grosses Bedürfnis», so Reto Affolter (Grüne). Im Quartier mit dem Altersheim und den Seniorenwohnungen der Bürgergemeinde bestehe Nachholbedarf. Eine zusätzliche Schlaufe der Bus-Linie 6 soll Abhilfe schaffen.

Insgesamt sollen Zuchwiler dank des Altersleitbilds «unter würdigen Bedingungen in der Wohn- und Lebensform ihrer Wahl leben und sterben». Bis Ende Jahr soll geklärt sein, welche Kosten damit verbunden sind. Bis dahin kann sich auch die Bevölkerung in einer Mitwirkung beteiligen.

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