Remise Bühni Jegenstorf
Mit Hedda Gabler in den Abgrund

Das Ensemble der Remise Bühni Jegenstorf wagt sich an den Ibsen-Klassiker «Hedda Gabler».

Fränzi Zwahlen-Saner
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Eilert Lövborg (Simon Heiniger) und Hedda Gabler (Rebekka Psota).

Eilert Lövborg (Simon Heiniger) und Hedda Gabler (Rebekka Psota).

zvg

Tragische, scheiternde Frauenschicksale gehören immer wieder ins Theaterrepertoire der Remise Bühni Jegenstorf. Seien es «Effi Briest», «Die Mordsfrauen» oder Sonja aus «Onkel Wanja» – immer leben die Aufführungen dieser bemerkenswerten Laienbühne von den schauspielerischen Leistungen ihrer weiblichen Mitglieder. Dieses Jahr ist es Rebekka Psota in der Titelrolle als Ibsens «Hedda Gabler», die das ganze Schauspieler-Ensemble zusammenhält und mit ihrem schnörkellosen Spiel antreibt.

Zur Geschichte: Generalstochter Hedda Gabler langweilt sich in ihrer Ehe mit Jörg(li) Tesman (Michael Schoch) zu Tode. Sie heiratete aus Berechnung den bücherbesessenen Kulturwissenschafter und findet sich nun nach einer langweiligen und ernüchternden Hochzeitsreise wieder zu Hause in einem Leben bürgerlicher Konventionen. Bereits künden sich auch erste Finanzprobleme an.

Unzufriedene wird Intrigantin

Einziger Lichtblick könnte jetzt noch der soziale Aufstieg sein, soll doch ihr Mann bald zum Professor ernannt werden. Doch Heddas Wunsch will nicht in Erfüllung gehen, denn Eilert Lövborg (Simon Heiniger), Tesmans Schulfreund und ewiger Konkurrent, ist seit Kurzem in der Stadt. Er – so hört man sagen – hat seine Alkoholsucht überwunden. Er habe jetzt ein bahnbrechendes Buch geschrieben und wird nun ebenfalls als möglicher Kandidat für die Professur gehandelt.

Auch Hedda kennt Lövborg, denn sie war einst fasziniert von dem unangepassten Leben des genialen Gelehrten, wies seine Avancen jedoch stets zurück – aus Angst vor einem Skandal. Die stolze Hedda Gabler wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, mit einstigen Wünschen. Hedda beginnt, eine Intrige zu spinnen, und reisst innerhalb weniger Stunden sich selbst und alle, die ihr nahe sind, in den Abgrund. 1891 hatte «Hedda Gabler» im Münchner Residenztheater seine Uraufführung erlebt – in Anwesenheit des Autors Henrik Ibsen. Gleich darauf wurde das Stück in Stockholm, Kopenhagen, Oslo, Berlin, Paris und London aufgeführt und bis heute ist es – auch in modernistischen Inszenierungen – immer wieder auf Spielplänen zu finden.

Skandinavische Namen

Regisseur Andreas Berger übersetzt das Stück ins Schweizerdeutsche, setzt etwas Lokalkolorit hinzu und reichert die tragische Geschichte mit etwas Komik an. Besonders Michael Schoch lässt als schusseliger Tesman Komiker-Qualitäten aufblitzen. Eigentümlich wirken in Mundart die skandinavischen Namen und eigentümlich aus einer fremden Zeit, scheint jene Hedda Gabler zu sein. Heute, wo jede Frau ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen leben kann; das gar von der Gesellschaft gefordert wird. Es ist deshalb kein schlechter Schachzug, das Stück in die Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts zu verorten, die Kostüme und Frisuren (Hedy Leu und Theres Turla) zeigen es.

Alle anderen Akteure, die verzweifelte Freundin Thea (Isabelle Steiner), der am Leben immer wieder scheiternde Eilert Lövborg (Simon Heiniger), der süffisant-sarkastische Richter Brack (Beda Affolter) sowie die Tante Tesman (Esther Weidmann) und Bertha, die Haushälterin (Rosmarie Gilgen) zeigen solide schauspielerische Leistungen. Das Stück bleibt im Gedächtnis, besonders mit dem Schockmoment am Schluss.

Mehrere Aufführungen bis 6. Juni.

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