Burgäschi
Mit «Frau Luna» präsentiert die Bühne Burgäschi ein buntes Sommermärchen

Für die Umsetzung der Berliner Operette Frau Luna» von Paul Lincke wurde keine Mühe gescheut. So bietet die detailverliebt und vielfarbig umgesetzte Produktion ein sommerliches Seh- und Hörvergnügen.

Gundi Klemm
Drucken
Teilen
Geglückte Ballonfahrt an der Hauptprobe der Sommer-Operette Frau Luna.

Geglückte Ballonfahrt an der Hauptprobe der Sommer-Operette Frau Luna.

Hanspeter Bärtschi

Wie eine hölzerne Wunderkiste ist die Landwirtschaftshalle in Burgäschi mit Bühnenlandschaft und ansteigenden Sitzreihen zu einem sommerlichen Theaterraum umgestaltet. Wegen seiner Überdachung lässt er Wetterkapriolen völlig vergessen. Und dort angelangt, kommt sofort Vorfreude auf, wenn man die Akteure der Bühne Burgäschi erleben kann.

2014 ist ein Zwischenjahr, in dem die Bühne Burgäschi nur mit einer kleineren Produktion an sechs Abenden für sommerliches Seh- und Hörvergnügen sorgen will. In ihrer Inszenierung hat Melanie Gehrig (Regie) keinerlei Mühe gescheut und «Frau Luna» von Paul Lincke detailverliebt und vielfarbig umgesetzt.

An eine Puppenstube erinnert die auf mehreren Ebenen angelegte Bühne (Bau: Meinrad Engesser), auf der sich irdische Möchtegern-Abenteurer und Mondwesen tummeln: der Grillplatz im Vordergrund links, darüber der himmlische Schönheitssalon und die Besichtigungsplattform auf dem Erdtrabanten zuoberst. In der Bühnenmitte postiert sich der angedeutete Ballonkorb und darüber das geradezu bürgerlich anmutende Zimmer der Mondverwaltung.

Zu den ausdrucksvoll gezeichneten Charakteren passt ihre jeweilige Ausstattung, die dem Publikum noch mehr Rollenverständnis vermittelt. Apart mit verwegenen Perücken und hübschen Kostümen agieren die Einen, kenntlich auch an bunt gefärbten Ohren, eher helvetisch-deftig die Anderen.

Komisches Mondfahrer-Stück

Gemeinsam mit Renate Engesser übertrug Gehrig den im Berliner Jargon geschriebenen Text, der zu Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Paul-Lincke-Operette, ins Hier und Jetzt. Sie verliehen damit dem Mondfahrer-Stück Komik.

Aus der Berliner Luft wird die sehr beflügelnd wirkende «Burgäschi Luft», die eine originelle, Mundart sprechende Vierertruppe bestehend aus Luftfahrt-Initiator Steppke, Schneider Lämmermeier, dem Steuerbeamten Pannecke und Frau Hausbesitzerin Pusebach mittels ballonartiger «Himmelskutsche» auf dem Mond landen lässt.

«Etwas Krasses machen» und ein aufregendes «Hammerleben» führen, hatten sich Ballonfahrer wie Steppke immer gewünscht. Auf dem Mond treffen sie auf den pingeligen, Bleistift spitzenden Haushofmeister Theophil, der bereits irdische Erfahrungen hat, in seiner Gesellschaft auf die Mondelfen, die noch nie etwas von Sex gehört haben, auf den exzentrischen Prinz Sternschnuppe, der mit seinem mobilen Stratosphärenkreuzer heranrauscht, auf die schöne Stella und schliesslich auf die betörende Mondherrin «Frau Luna».

Alle Mitwirkenden sind in diesem köstlich absurden Umfeld in humorvolle Dialoge vertieft, in irgendwelchen Liebeleien miteinander verbandelt und beginnen dennoch, das Mondleben mit nüchternen Augen zu sehen. Beteiligt sind in diesem fantasievollen Sommermärchen Anna Vichery, Peter Bader, Melanie Braun, Roger Bucher, Renate Engesser, Janine Stauffiger, Tobias König, Stephan Ruch, Hermann Gehrig und der über sich selbst hinaus wachsende Chor Crescendo.

Zur Operette gehört natürlich die Musik. Reimar Walthert leitet das fünfköpfige Kammerensemble, das mit der eingängigen Salonmusik dieser Lincke-Komposition die Spielstätte bis zum letzten der 250 Sitzplätze akustisch angenehm füllt.

Alle Darstellenden singen solistisch und in mehrstimmigen Gruppen famos und lassen das Publikum fast mitsummen bei den bekannten Stücken wie «Theophil ...» oder «Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe» und das von ursprünglich «Berliner Luft» adaptierte Lied «Das macht die Burgäschi Luft, Luft, Luft», das wie ein mitreissender Schlachtruf klingt.