Langendorf
Mit den Bienen sterben auch viele Pflanzenarten aus

An dem Informationsveranstaltung «Goodbye Biene» informierten die Grünen Lebern über das Bienensterben und was man dagegen tun kann. Etwas dagegen zu unternehmen scheint nötig zu sein, denn mit einer Bienenart, stirbt oft auch eine Pflanzenart aus.

Nadine Schmid
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Wichtig für die Bestäubung: wildlebende Bienen und Insekten (Symbolbild)

Wichtig für die Bestäubung: wildlebende Bienen und Insekten (Symbolbild)

Keystone

Der Grossvater erzählt dem Enkel die Geschichte von einer Biene, die von der Umweltverschmutzung genug hat und in die Berge fliegt. Was sie nicht weiss: Dort ist die Luft genauso verschmutzt.

Die Biene stirbt. Der Animationsfilm «Vigia» von Marcel Barelli, mit dem Publikumspreis der Solothurner Filmtage ausgezeichnet, bildete den Auftakt an der Informationsveranstaltung «Goodbye Biene» im Restaurant National. Der von den Grünen Lebern organisierte Anlass war gut besucht, das Bienensterben beschäftigt.

Stirbt die Biene, stirbt die Pflanze

«Die Pflanzen lassen sich nicht alle gleich bestäuben», erklärte Felix Amiet, Bienen- und Wespenspezialist. «Sie können Selbstbestäuber sein und neben den Bienen sind auch andere Insekten für die Bestäubung verantwortlich.

Viele Pflanzen bestehen nur dank den Bienen.» In seinem Referat bot Amiet einen Einblick in das Leben der 620 Wildbienenarten in der Schweiz: «Viele von ihnen leben als Einsiedler, doch trotz dieser Gemeinsamkeit: Je nach Art bevorzugen die Bienen eine andere Pflanze.» Da eine Wildbienenart meistens die gleiche Blumenart besucht, kann sich diese Pflanze gut vermehren.

Stirbt eine Wildbienenart aus, kann allerdings auch «ihre» Pflanze nicht weiter bestehen. Das gleiche gilt für Honigbienen: Bei deren Aussterben verschwänden Pflanzen, für die einzig sie zuständig ist.

Dies sagte Max Tschumi, Stellvertretender Bieneninspektor des Kantons, der im zweiten Referat des Abends näher auf die Honigbiene einging. So gäbe es unter anderem keine Aprikosen und Kirschen mehr.

Die Bienen sind bedroht

Es erstaunt nicht nur, dass die Insekten die Artenvielfalt der Natur gewährleisten. Wildbienen beispielsweise entpuppen sich als kleine Baumeister. Die «Einsiedler» bauen ein Nest für den Nachwuchs und füllen ihn mit Pollen, damit ihr Junge genug zu Essen hat.

Die Nester werden für die Überwinterung gut abgedichtet. Es gibt Wildbienen, die aus Naturmaterial eine Art Mörtel herstellen. Andere wählen einen ausgehöhlten Ast aus und beschaffen sich Stücke von Baumblättern.

Dabei messen sie den Ast genau aus und schneiden die richtige Grösse aus dem Blatt aus. Ein Honigbienenvolk besteht aus 30 000 bis 60 000 Bienen. Der Bienenstock wird verwaltet: Wächterbienen bewachen den Stock, sodass keine Räuber Einlass finden, Wasser (Tau) muss gesammelt, Honig für den Wintervorrat erstellt und die Versorgung des Nachwuchses sichergestellt werden.

Die Varroamilbe und andere Viren bedrohen das Weiterbestehen der Honigbiene. Obschon die Varroa-Krankheit nicht auf Wildbienen übertragen werden kann, sind auch sie bedroht. Insektizide, moderne Mähtechniken und der Landverlust können für sie verheerend sein. Zudem wird es immer schwieriger, Futter zu finden.

«Jeder kann etwas tun»

Bienenspezialist Felix Amiet stellte unmissverständlich klar: «Man kann etwas gegen das Aussterben machen. Beispielsweise einheimische Pflanzen im Garten pflanzen, keine Insektizide verwenden oder Naturschutzgebiete einrichten.»

Max Tschumi, der seit rund 50 Jahren auch Imker ist, beendete sein Referat mit einem Weckruf: «Wir müssen auf unsere Umwelt achten. Mikroplastik wird durch die Luft transportiert und landet auf Pflanzen.

So kommt es in den Honig und zu uns.» Und: «Wie der Film ‹More than Honey› zeigt, sind in Teilen Chinas die Bienen ausgestorben. Deshalb müssen die Blüten dort von Menschenhand bestäubt werden. Soweit darf es bei uns nicht kommen.»