Road Trip
Mit dem Traktor von Bellach nach Island und zurück

Reiner Huttasch aus Bellach war fünf Monate mit seinem Traktor in den Norden unterwegs. Über 11 000 Kilometer hat der 65-Jährige mit seinem Bührer MS 12 zurückgelegt. Jetzt wurde er offiziell empfangen.

Simon Wyss
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Reiner Huttasch auf seinem Traktor.

Reiner Huttasch auf seinem Traktor.

Tele M1

Am letzten Freitag um 17 Uhr ist Reiner Huttasch zurück gekehrt. Über 11 000 Kilometer hat er mit seinem Bührer MS 12 zurückgelegt. Letzten Mai startete er mit der Traktor-Safari. Diese führte ihn nach Polen, Deutschland, Dänemark, Norwegen, die Färöerinseln, Island, England und Frankreich.

Am Dienstagabend wurde er offiziell in Bellach empfangen. Viele Leute fanden sich ein, um das Gefährt zu begutachten und den Erzählungen dessen Fahrers zu lauschen. Wer meinte, an diesem Abend alles von ihm erfahren zu können, hat sich getäuscht. «Wenn ich euch alles berichten würde, sässen wir am Sonntag noch hier», sagte Huttasch und lachte. Ein paar Anekdoten gab er trotzdem zum besten.

Reiner Huttasch gibt am offilziellen Empfang TeleM1 ein Interview.
12 Bilder
Für Reiner Huttasch wurde ein kleines Begrüssungsfest organisiert.
Mit diesem Gefährt reiste er fünf Monate herum.
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island
Impressionen von Reiner Huttaschs Reise nach Island

Reiner Huttasch gibt am offilziellen Empfang TeleM1 ein Interview.

Simon Wyss

Panne mitten in der Steinwüste

Bis nach Island verlief die lange Reise pannenfrei. Ausgerechnet mitten in der Steinwüste sei plötzlich eine weisse Rauchwolke beim Motor hochgestiegen. Sein Freund Kurt Menth, der ihm bei der Modernisierung des Gefährts geholfen hatte, war zu dieser Zeit in Griechenland. «Er instruierte mich per Telefon, wie ich die Reparatur zu tätigen hatte. Für den Ersatz der durchgebrannten Kabel habe ich kurzerhand meine Kabelrolle aufgeopfert, die ich ursprünglich für den Strom im Wagen gebraucht hatte.» Der Rest der Reise sei dann ohne Zwischenfälle verlaufen.

Tolle Gastfreundschaft

Auch an die Erlebnisse in den Gastfamilien wird sich Huttasch wohl noch lange erinnern. «Eine Familie wollte gerade in Urlaub fahren, als ich ankam.» Diese habe ihm spontan ihr Haus zum Wohnen überlassen. Ganz begeistert erwähnt er auch den Aufenthalt in einem Restaurant. «An der Tür war das Schild ‹Heute geschlossen› angebracht.» Trotzdem habe ihn der Wirt herein gebeten. «Im Lokal drückte er mir die Speisekarte in die Hand und fragte, was ich essen wolle. «Das, was Sie mir kochen», habe er geantwortet. «Ich koche, was Du essen möchtest», habe der Wirt geantwortet. «Ich wählte dann also doch selber aus», gesteht der Jungrentner. Am Schluss sei die ganze Familie am Tisch gesessen. Auch das Zahlen sei ihm am Schluss vom Wirt untersagt worden. «Hast Du nicht gesehen, dass wir heute geschlossen haben? Das heisst, dass heute auch der Kassenschrank geschlossen bleibt». «So etwas wäre in der Schweiz wohl nie denkbar«, erklärte der 65-Jährige. Neben der tollen Gastfreundschaft habe ihn die Natur fasziniert.

Gewöhnungsbedürftige Speisen

Huttasch hat auf der Reise oft selber in seinem Anhänger gekocht. Wenn nicht, habe er sich den kulinarischen Gegebenheiten angepasst. «Meinen Spaghetti-Vorrat habe ich gar nicht aufgebraucht. Die isländischen Gerichte waren aber schon gewöhnungsbedürftig.» Dabei erwähnt er vor allem den fermentierten Hai. «Da der Hai seine Gifte nicht ausscheidet, lagern sich diese im Fleisch ab. Eigentlich ist das Haifischfleisch ungeniessbar. Die Isländer vergraben es in ihren Gärten und lassen es verderben. Danach essen sie es.» Viel Fisch und Gemüse sei auf dem Speiseplan gestanden. Auf der gesamten Reise hat der Reisende 21 Kilogramm abgenommen.

Grosses mediales Interesse

Die Traktor-Safari stiess auf internationales Interesse. Der englische Fernsehsender BBC und das isländische Staatsfernsehen verlangten ein Interview von ihm. Noch jetzt ist der unternehmungslustige Neurentner überwältigt vom Ausmass des Echos. «Das war unglaublich. Die Leute kamen auf mich zu und sprachen mich mit meinem Namen an.» Bei einer Tankstelle sei ein Autofahrer wieder umgekehrt, als er ihn erkannt habe. Während der Reise mit dem Traktor hat Reiner Huttasch jede Menge Bilder geschossen. Im kommenden Winter möchte er im Turbensaal Bellach einen Vortrag halten und dabei seine Erinnerungen Revue passieren lassen. Ausschliessen will der Bellacher zudem nicht, ein Buch zu schreiben. Eine weitere Reise plant der selbst ernannte Nordland-Fan im Moment nicht. «Ich glaube, dass ich das Erlebte zuerst verarbeiten muss», so der frisch Pensionierte. «Die Reise war so gut, dass ich wahrscheinlich enttäuscht wäre, wenn ich eine weitere planen und machen würde.

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