Deitingen

Mit dem Bau der Krippenlandschaft ist er das ganze Jahr über beschäftigt

Die Krippe in der Kirche nimmt unter den Händen von Irene Zuber und Ferdinand Kofmel Form an.

Die Krippe in der Kirche nimmt unter den Händen von Irene Zuber und Ferdinand Kofmel Form an.

Knochenarbeit für Ferdinand Kofmel und Irene Zuber: Sie haben mit dem Aufbau der Krippe in der Kirche Deitingen begonnen. Die Materialien besorgt Kofmel jeweils zeitig im Wald. Der Bau begleitet ihn damit von Januar bis Dezember.

Ausser den Krippenfiguren, den Jurasteinen für den Weg und den Brunnen, sowie den Nadelbäumen aus dem Föhrenpark Oensingen stammt die ganze Krippenlandschaft aus dem Wald: Moos, «Schwümm», Farn, Baumrinde und verschiedene Pflanzen. Gaben der Natur, die Ferdinand Kofmel zusammengetragen und mit denen er am Fusse der Seitenaltäre der Kirche Deitingen ein wahres Paradies für Hirten, Schafe und andere Tiere geschaffen hat.

Die Weihnachtsgeschichte, genauer die Krippenlandschaft, begleitet Ferdinand Kofmel seid zwanzig Jahren – von Januar bis Dezember. Auch wenn sie erst in der Adventszeit entsteht, so hortet er deren Materialien schon lange an den Depots im Wald. Er weiss genau, wo er die schönsten Pilze findet, das dichteste Moos wächst und wo das Farnkraut spriesst. Er kennt den Wald wie seine Hosentasche und geht mit seinem Gaben sorgsam um. «Die Bäume werden nicht gefällt, sondern ausgegraben. «So lassen sie sich nach dem Dreikönigstag wieder in einem Garten einpflanzen.»

Nach dem zweiten Adventssonntag hat er sich ans Werk gemacht und angefangen, die Weiden und Hügel rund um die mit Heu und Stroh ausgelegte Krippe zu bauen. Bis auf die Heilige Familie sind alle Figuren an ihrem Platz. Einzig die drei Könige machen sich erst in der Geburtsnacht auf den Weg um den Messias zu suchen. «Eigentlich baut er ständig an und um», berichtet Sakristanin Irene Zuber und lacht. Sie geht ihm zur Hand und sorgt mit der Giesskanne dafür, dass das üppige Grün nicht austrocknet.

Die Maus und der Engel

Bei Ferdinand Kofmels Krippe findet sich nichts Getrocknetes. In der Kirche schwebt der erdige Geruch des Nadelwaldes, vermischt mit dem herben Duft der Pilze. Man riecht die fruchtige Frische vom Moos. Diese Krippenlandschaft weckt alle Sinne. Klar, dass sich auch Kleingetier darin wohlfühlt. «Zumindest die Maus, die einmal hervorschoss und die Chordamen beim Proben erschreckte», erinnern sich der Krippenbauer und seine Helferin.

Ferdinand Kofmels Gedanken schweifen zurück. Als er zusammen mit seinem Bruder Guido die Aufgabe übernahm, für den Advents- und Weihnachtsschmuck zu sorgen, fand er den grossen Engel nicht mehr. «Ich habe von der Pfarrscheune über das Pfarrhaus und die Kirche jeden Winkel nach dem Himmelsboten abgesucht. Ohne Erfolg. Als ich auf dem Estrich nochmals das Unterste zuoberst kehrte – wieder nichts», erzählt er.

Da habe er den heiligen Antonius gebeten, ihm zu helfen. Eigentlich wollte er den Dachboden wieder verlassen. Da habe er in einer Ritze eine Schachtel mit alten Gebetsbüchern entdeckt. «Da habe ich wohl eine Eingebung gehabt. Unter den Büchern kam der Engel zum Vorschein.» Das Erlebnis lässt den Mann, der siebenunddreissig Jahre bei der Kantonspolizei Dienst tat und sechzehn Jahre als Vormundschaftspräsident wirkte, noch heute erschauern.

Erst an Heiligabend vollständig

Einen mystischen Zauber umgibt auch Heiligabend, wenn Maria und Josef den Stall beziehen und das Jesuskind in die Krippe gelegt wird. «Viele Leute können nicht verstehen, dass sie darauf warten müssen. Aber der liturgische Ablauf muss stimmen», erläutert Irene Zuber. Die Krippe ist jedoch bereits jetzt eine Augenweide und kann besichtigt werden.

Einzig die Steintreppe, die etwas steiler geworden ist, kann nicht begangen werden. «Ansonsten ist alles gleich wie immer und doch in Details stets wieder anders», lächelt Ferdinand Kofmel, der bis zum Abbau im Januar ständig an seiner Krippe weiterbaut und dann schon bald wieder auf die Pirsch geht, um neues Sammelgut zu erkunden. Weihnachten ist im Dezember – Krippenzeit für ihn das ganze Jahr über.

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