Langendorf
Mit Automat und Barriere oder doch ohne ins Migros-Parking?

Die Einführung des neuen Regimes mit der Parkgebühr bei der Migros Langendorf stösst auf absurde Gegebenheiten. Barrieren sind zwar vorhanden, sind aber nicht aktiv.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Wozu bezahlen, wenn die Barriere immer offen steht?

Wozu bezahlen, wenn die Barriere immer offen steht?

Urs Byland

Seit Montag ist das Parkieren bei der Migros Langendorf nicht mehr gratis. Umgesetzt wird die Parkplatzbewirtschaftung (wir berichteten). Doch die Umsetzung hapert noch gewaltig. Ein netter junger Man bittet beim Eingang darum, ein Flugblatt abgeben zu dürfen. Darauf steht «Parkieren einfach gemacht!». Es folgt die Anleitung, wie die Gebühr fürs Parkieren richtig bezahlt wird. Eigentlich funktioniert es wie anderswo auch, beispielsweise beim Solomarkt in Solothurn. Man tippt die Parkplatznummer ein und zahlt. Nur wird der Migros-Kunde gewaltig irritiert, schliesslich stehen bei der Einfahrt und bei der Ausfahrt nach wie vor Barrieren, und diese bewegen sich um keinen Zentimeter. Sie bleiben immer offen und sind sinnlos.

«Ja, das stimmt. Die Barrieren dürfen wir nicht entfernen. Diese müssen laut Behörden dort stehen bleiben, für den Fall, dass wir zu einer anderen Lösung in der Parkplatzbewirtschaftung kommen sollten», erklärt Thomas Bornhauser, Leiter Kommunikation + Kulturelles bei der Genossenschaft Migros Aare. «Auch wenn dies zur Verwirrung der Kunden beiträgt», schiebt er nach. Zudem sei die Migros von der Behörde dazu angehalten, die Bezahlung der Parkgebühr der 593 Parkplätze zu kontrollieren. «Das werden wir auch tun.» Vielsagend dann die Antwort auf die Frage, wie streng die Kontrollen der Migros durchgeführt werden. Bornhauser wiederholt einzig: «Wir sind dazu angehalten ...»

Hintertürchen bleibt offen

Die Behörde vertritt beispielsweise Langendorfs Baukommission. Deren Präsident Hansruedi Trachsel bestätigt die Aussagen von Bornhauser. Mit dem Stehenlassen der Barrierenanlage lasse man sich ein Hintertürchen offen, falls die von der Migros beabsichtigte Parkplatzbewirtschaftung nicht funktioniere. Und eine Kontrolle der Migros-Kontrolle sei vorgesehen. «Wir erhalten die Anzahl der Fahrten zur Migros und die Summe der Einnahmen mit der Parkplatzbewirtschaftung.» Ein Vergleich zeige schnell, ob die Kontrollen der Migros wirken. Die Behörde habe immer noch eine Antwort in der Hinterhand, falls die Bewirtschaftung nicht funktioniert. «Dann werden wir veranlassen, dass die Barriere eingesetzt wird, was die Kunden verärgern könnte, denn bei Versuchen haben sich teilweise lange Kolonnen gebildet.» Und ihre Kunden verärgern wolle die Migros auch wieder nicht, sagt Trachsel.

Benachteiligung Parkgebühr

Migros-Sprecher Thomas Bornhauser wird deutlicher, wenn seiner Firma die Ernsthaftigkeit der Bemühungen infrage gestellt wird: «Warum soll jemand, der mit dem Auto sein Harass Mineral einkaufen geht, gegenüber jemandem, der mit dem öffentlichen Verkehr kommt, benachteiligt werden.» Gemeint ist mit der Benachteiligung die Parkplatzgebühr, mit deren Erträge die Migros ihr auferlegte Verbesserungen des öffentlichen Verkehrs mitfinanzieren muss. So wurden die Regionalzüge Olten-Solothurn bis Langendorf verlängert und der Viertelstundentakt der BSU-Linie 1 im Abschnitt Derendingen–Oberdorf auf die Ladenöffnungszeiten ausgedehnt. Nur, so Bornhauser, dem Kunden sei es vollkommen egal, ob vor der Migros ein Bus alle 30 Sekunden fahren würde. «Entscheidend ist doch, wie nahe der Kunde bei einer öV-Haltestelle wohnt.»

Die Migros führt mehrere Parkplätze. In der kleinen Parkhalle Konzertsaal gilt eine andere Parkbewirtschaftung. Dort müssen beim Automaten Parktickets gekauft und anschliessend im Auto hinterlegt werden. Ein Parkplatz kostet aber überall 50 Rappen die Stunde. Dieser Tarif gilt für die ersten vier Stunden. Für jede weitere Stunde werden vier Franken berechnet.

Der nette junge Mann macht Pause. Der Parkautomat auch. Mit Ausnahme des grossen Plakates bei den Barrieren, das auf die Pflicht, eine Parkgebühr zu entrichten, hinweist, deutet nichts auf die neue Regelung hin. Und das Plakat steht gleich neben der immer offenen Barriere. Also was solls. Der junge Mann hat wieder seinen Posten beim Eingang bezogen und verteilt mit netten Worten den Handzettel. «Wenn Sie Zeit haben, schauen Sie, welche Parknummer Sie haben und zahlen beim Automaten die Gebühr», erklärt er den nach Hause strebenden Kunden. Beim Einkaufen haben nur wenige Zeit.