Horriwil

Millionenbauernhaus geht an die Bank

Notar Gerhard Winistörfer vom Betreibungsamt Region Solothurn konnte am Dienstag noch lange in die Runde blicken. Die Steigerung des luxuriös ausgebauten Bauernhauses in Horriwil hat keine kaufwilligen Interessenten angelockt.

Einzig einige Bauhandwerkunternehmer aus der Region kamen und verfolgten das Prozedere. Auf insgesamt gut 800 000 Franken lauten ihre Forderungen an den bisherigen Immobilienbesitzer, der pleiteging.

Der Besitzer verzichtete aus verständlichen Gründen auf ein Erscheinen. Blieb noch die Bank, die alles finanzierte, die Notenstein Privatbank AG, die vorrangige Forderungen in der Höhe von zirka 2,2 Millionen Franken geltend machte. Die Bank reiste mit drei Vertretern und einer Vertreterin aus St. Gallen an.

Gerhard Winistörfer reizte noch etwas, schliesslich sei ein Schnäppchen (mit hohen Hypotheken belastet) zu kaufen. Als dann jedem klar war, dass niemand bieten wird, erbarmte sich Peter Stump, zuständig für Kredite bei der Raiffeisentochter Notenstein und nannte den Preis, den die Bank offenbar als Untergrenze festgelegt hatte.

«2,155 Millionen Franken.» Winistörfer zauderte nicht lange, zählte auf drei und schlug den Holzhammer bei der Zahl drei auf die Holzplatte. «Verkauft für 2,155 Mio. Franken.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Damit war eigentlich klar, dass die Bauhandwerker aus der Region die weiteren Forderungen in der Höhe von 800 000 Franken vergessen können. «Nein, ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben», sagt einer der anwesenden Kleinunternehmer, der nicht genannt werden will.

Er sei weiterhin im Gespräch mit Konrad Hummler, dem vormaligen Besitzer der Notenstein Privatbank, die vor dem Notverkauf an die Raiffeisen Bank Wegelin hiess und die noch unter dem alten Regime den Umbau des Bauernhauses finanzierte.

«Man darf auch nicht vergessen, dass die Raiffeisenbank, heute die Besitzerin der Wegelin-Nachfolgerin, eigentlich eine KMU-Bank ist. Ich hoffe auf eine kulante Lösung. Natürlich ist mir klar, dass auch wir Handwerker auf einen Teil der Forderungen verzichten müssen.»

Auch den Pleitier hat der Bauunternehmer nicht aus den Augen verloren. «Er soll wieder im Rotlicht-Milieu tätig sein, in Biel.»

Geld vom Spezi aus der Bankenwelt

Wieder im Milieu tätig, weil dies ab 2009, als er von seinem Bankberater Geld erhielt, ein Argument für die Geldvergabe der Bank Wegelin war. Der Bankberater, der mit dem weitgehend mittellosen Besitzer des Horriwiler Bauernhauses die Grundschule besuchte («Der Sonntag» berichtete), ist heute bei der Bank Notenstein weit oben im Organigramm als Geschäftsleiter Leiter Privatkunden Schweiz zu finden.

Dank seinem Freund aus der Bankenwelt habe der Pleitier zuerst 1 Million Franken zum Kauf des Bauernhauses, später weitere 600 000 und dann nochmals 400 000 für den luxuriösen Umbau erhalten, wobei dann noch eine Kostenüberschreitung von 690 000 Franken dazukam.

Da zog die Bank Wegelin die Notbremse und stoppte die Bezahlung der Handwerkerrechnungen. Laut Recherchen von «Der Sonntag» in diesem Frühjahr habe der Pleitier die Millionenhypotheken bei einem steuerbaren Einkommen von 36 000 Franken und einem Salär von 84 000 Franken zugesprochen bekommen.

Damals sei in offiziellen Wegelin-Protokollen zu lesen gewesen, dass der Pleitier «über weitere Einkünfte aus Deutschland» verfüge. Dabei soll es sich um ein Sex-Etablissement in Nürnberg handeln.

Gegenüber «Der Sonntag» nahmen weder die Bank Notenstein noch ihre Mutter Raiffeisen Schweiz und auch nicht die alte Bank Wegelin Stellung dazu. Der Pleitier erklärte damals, es handle sich um eine Notlüge, um Zeit zu gewinnen.

Die geprellten Handwerker aus der Region Solothurn werden hartes Brot essen. Peter Stump gab keinen Kommentar zur Frage, ob nun die Handwerker mit einer teilweisen Befriedigung ihrer Forderungen rechnen dürfen.

Und auch die Bank hat nun ein Objekt im Portefeuille, das sie kaum zum ersteigerten Preis verkaufen kann.

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