Kestenholz

Milan mit Schrotladung in Kestenholz vom Himmel geholt

Glück im Unglück hatte ein Rotmilan, welcher in Kestenholz im Gebiet «Chienisacker» von einem unbekannten Schützen mit einer Schrotladung vom Himmel geholt wurde. 12 Wochen später konnte er dank menschlicher Hilfe wieder in die Freiheit fliegen.

Der Rotmilan wurde zwar nicht lebensgefährlich getroffen, verlor aber vier wichtige Federn am linken Flügel. Auch die beiden äussersten Federn des Schwanzes waren nahe am Körper des Vogels abgeschossen worden.

Gefunden wurde der Vogel am 21. April von einem Landwirt. Arno Bürgi aus Kestenholz vermittelte das Tier an den erfahrenen Falkner Daniel Peier aus Oensingen. Der flugunfähige, praktisch wehrlose Vogel habe grosses Glück gehabt, dass er nicht von einem Fuchs oder Marder erwischt worden sei, so Peier.

Zweistündige Operation

Tierärztin Ulrike Cyrus von der Stiftung Wildstation Landshut in Utzenstorf hat dem Rotmilan in einer zweistündigen Operation insgesamt vier Schrotkugeln entfernt: Zwei der 3 Millimeter grossen Kugeln im Bereich der unteren Bauchhöhle, eine im Ellbogengelenk sowie eine unter der Haut neben dem Radius der Speiche des Unterarms.

Die Genesung des Rotmilans verlief sehr erfreulich. Die Operationswunden heilten, und das Tier legte Tag für Tag an Gewicht zu. Noch nicht gelöst war indessen das Problem der zerschossenen Handschwingen am linken Flügel und der Federn am Schwanz. Ohne diese wichtigen Federn blieb der Rotmilan flugunfähig.

Falkner Daniel Peier hatte eine Lösung parat: Die Reparatur der Federn, im Fachjargon Schiften genannt. Diese Technik hat Peier bei der Schweizerischen Falkner-Vereinigung gelernt. Ein Implantat wird in den hohlen Kiel der abgebrochenen Feder eingeschoben, um sie danach mit einem neuen Teil einer anderen Feder zu verbinden.

Bambusstäbchen als Implantat

Als Implantat verwendet Peier Bambusstäbchen, welche er mit einem schnell härtenden Zweikomponenten-Epoxidharz im Kiel fixiert. Die verwendeten Federn stammten von einem toten Rotmilan, den die Wildstation für die Herstellung eines Präparates in der Tiefkühltruhe gelagert hatte.

Beim Schiften wird der Greifvogel übrigens nicht betäubt. Zur Beruhigung wird ihm lediglich eine Haube aus Leder über den Kopf gestülpt. Um das Tier möglichst wenig zu ängstigen, werden die anzusetzenden Federstücke vorher ausgemessen. Die «Montage» der Federn ist dann nur noch eine kurze Sache.

Noch am selben Tag konnte der Greifvogel wieder in die Freiheit entlassen werden. Nach einigen Flügelschlägen war klar: Der Rotmilan ist gerettet. Die Freude war bei allen Beteiligten riesengross.
Wurde mehrmals geschossen?

Die Angst bleibt

Es bleibt die Angst, dass der hinterhältige Schütze wieder seine Flinte packt, um den stolzen Greifvögeln nachzustellen. Es gebe Indizien, dass der Unbekannte bereits mehrmals auf Vögel geschossen habe. «Ein Ornithologe hat in der Zeit, als der Rotmilan angeschossen wurde, auf einem Feld einen toten Greifvogel gefunden», bestätigt Arno Bürgi.

Den Kadaver habe der Mann danach unter einen Busch gelegt. Am Tag darauf sei der tote Vogel verschwunden gewesen. «Ein Fuchs wird ihn sich geschnappt haben», mutmasst Bürgi. Eine weitere Beobachtung eines anderen Landwirts nährt den Verdacht, dass der Unbekannte noch andere Vögel vom Himmel geholt haben könnte.

«Der Bauer hat einen offenbar flugunfähigen Vogel auf seinem Feld herumhumpeln sehen. Am nächsten Morgen war das Tier verschwunden.» Ob er eine Beute von Fuchs oder Marder wurde, lässt sich nicht mehr feststellen.

Fall noch nicht abgeschlossen

Für Daniel Peier ist es unerträglich, dass auf Greifvögel geschossen wird. Deshalb hatte er nach dem Abschuss des Milans auch die Polizei eingeschaltet. Erst jetzt publik gemacht hat Peier den Fall auf Anraten der Polizei. Der verantwortliche Schütze konnte bis heute nicht ausfindig gemacht werden, wie Polizeisprecher Bruno Gribi auf Anfrage erklärt. Der Fall sei aber nicht abgeschlossen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1