Matzendorf
Metallgiesserei Matzendorf AG hat Erfolg mit einem archaischen Handwerk

Ganz vorne mischt die Metallgiesserei Matzendorf AG im Schweizer Markt mit. Das auf das Giessen von Aluminium-Werkstücken spezialisierte Familienunternehmen blickt auf das beste Geschäftsjahr in der Geschichte zurück.

Franz Schaible
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Ulrich und Marianne Lüscher sind mit ihrer Metallgiesserei erfolgreich unterwegs.

Ulrich und Marianne Lüscher sind mit ihrer Metallgiesserei erfolgreich unterwegs.

Hansjörg Sahli

Der Besucher sieht sich beim Besuch der Metallgiesserei Matzendorf AG um einige Jahrzehnte zurückversetzt. In der Werkhalle dampft es, offene Feuer sorgen für Wärme, Gasbrenner zischen, die Arbeiter schwitzen bei ihrer harten Arbeit.

Sie füllen die Formen mit oben liegendem Einguss, den so genannten Kokillen, mit dem auf 790 bis 820 Grad erhitzten und flüssigen Aluminium. Die Halle besitzt den archaischen Charme der alten Handwerkskunst.

«Das Giessen ist trotz neuer Technologien reine Handarbeit geblieben», bestätigt Geschäftsführer Ulrich Lüscher den Befund. In der Giesserei stehen sechs elektrische Schmelzöfen und zwei Vorschmelzöfen.

Entsprechend hoch ist der Energiebedarf (siehe Kasten). Der Betrieb sei nicht auf Grossserien ausgerichtet, die jeweilige Stückzahl der hergestellten Aluminiumteile bewege sich zwischen 20 und 300. «Serien von 1000 Stück sind da eher Ausnahmen.»

Alles aus einer Hand

Doch bevor die verschiedensten Teile gegossen werden können, ist das Know-how der Werkzeugbauer in der benachbarten Halle gefragt. Auf Bearbeitungszentren stellen sie nämlich die Formen, eben die Kokillen, aus Grauguss her.

«Das ist eine unserer Stärken. Wir können alles aus einer Hand anbieten – vom Formenbau über den Rohguss bis hin zur anschliessenden Bearbeitung auf modernsten CNC-Maschinen», berichtet der Unternehmer auf dem Rundgang.

Man erhalte die Daten für das zu produzierende Werkstück in der Regel elektronisch; diese Daten werden intern aufbereitet, anschliessend gelangen sie direkt auf die Bearbeitungsmaschinen, um die Kokillen herzustellen.

Insgesamt verarbeitet die Metallgiesserei jährlich rund 200 Tonnen Aluminium in vier verschiedenen Legierungen. Die jeweils verarbeitete Legierung hänge ab von der geforderten Festigkeit oder vom Einsatzort.

Wenn die Teile mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, ist eine spezielle Legierung gefragt. Die Alugussteile werden benötigt etwa im Maschinenbau, in der Gebäudetechnik, im Kabinenbau für Seilbahnen und zunehmend im Bereich Medizinaltechnologie. «Dort stellen wir beispielsweise die Tragkonstruktion für Operationstische her.»

Insgesamt zähle der Betrieb rund 120 regelmässige Kunden und deren 150, die stetig, aber in grösseren Abständen Gussteile bestellten. «Die Ausrichtung auf mehrere Branchen und die breite Diversifikation der Kunden verringern die Konjunkturabhängigkeit», erläutert Lüscher die Geschäftsphilosophie.

Unter Druck

Diese Strategie hat sich offenbar bewährt. So kam der Thaler Betrieb in der jüngsten Rezession böse unter Druck. «Unser Umsatz ist um ein Viertel eingebrochen. Bei der Ausrichtung auf nur eine Branche wäre der Taucher sicherlich deutlich tiefer ausgefallen», blickt Lüscher zurück.

Man habe zwar Kurzarbeit einführen müssen, aber es sei zu keinen Entlassungen gekommen. Inzwischen habe sich die Nachfrage wieder erholt und das Geschäftsjahr 2011 «ist das beste in unserer Firmengeschichte».

Auch das laufende Jahr sei sehr gut angelaufen und von einer erneuten Abschwächung der Konjunktur sei noch nichts zu spüren. Die Metallgiesserei beschäftigt 24 Angestellte und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 4 Millionen Franken.

Die Marktstellung in der Schweiz umschreibt Lüscher so: «Es hat viele kleinere Giessereien. In unserer Sparte, dem Kokillenguss, sind wir ganz vorne mit dabei.»

Rund 15 Prozent des Umsatzes erzielt der Familienbetrieb direkt im Export, hauptsächlich in Frankreich, Deutschland, Schweden und Finnland. Wie kann ein kleiner Betrieb mit Produktionsstandort Schweiz preislich mithalten? Lüscher nennt dazu eine typisch schweizerische Tugend: «Unsere Angestellten leisten einen grossen Einsatz und besitzen ein sehr grosses technisches Know-how.

Gerade bei aufwändigen und komplexen Werkstücken können wir – trotz starkem Franken – mithalten.» Kürzlich sei es gar gelungen, einen Schweizer Auftrag für Teile zu erhalten, die zuvor im Ausland hergestellt wurden. «Da spielten die geografische Nähe und unsere hohe Flexibilität eine wichtige Rolle. So können wir beispielsweise Vorlieferungen anbieten.»

Betrieb zu zweit geführt

Den Schritt in die Selbstständigkeit haben Ulrich und Marianne Lüscher noch nie bereut. Die von Fritz Schenk und August Meister 1969 gegründete Giesserei hat das Ehepaar 1991 im Rahmen einer Nachfolgeregelung übernommen.

Der 57-jährige Ulrich Lüscher leitet das Unternehmen, seine 56-jährige Frau ist für die Administration und die Finanzen zuständig. «Wir haben den Betrieb mitten in der Rezession übernommen.

Trotzdem haben wir in den Maschinenpark investiert und prompt einen Grossauftrag eines Seilbahnherstellers gewonnen», erinnert sich Lüscher. Zudem habe er habe rasch erkannt, dass der Kunde gerne alles aus einer Hand wünsche.

«Deshalb haben wir den Formenbau und die Giesserei um die Bearbeitung der Teile ergänzt.» Zwar sei die Nachfolgeregelung noch nicht akut, aber man habe bei den zwei Kindern schon «vorsondiert». «Sie haben noch nie Nein gesagt», sagt Lüscher lachend.