Bettlach
Massenexodus im Astrada-Werkhof: Arbeiter wechseln zu Marti AG

Die ganze Belegschaft der Baufirma Astrada aus Bettlach wechselte zur Konkurrenz. Zwischen 40 und 50 Personen haben bei der Marti AG aus Solothurn angefangen.

Andreas Toggweiler
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Astrada-Niederlassung in Bettlach.

Astrada-Niederlassung in Bettlach.

Hansjörg Sahli

So etwas kennt man bisher nur aus der Investmentbanker-Szene in Zürich. Ganze Abteilungen mit Dutzenden Mitarbeitern wechseln zur Konkurrenz. Jetzt geschieht das auch im Baugewerbe. Die ganze Belegschaft der Astrada-Niederlassung in Bettlach hat bei der Konkurrenz von Marti AG in Solothurn angeheuert. Das sind zwischen 40 und 50 Personen.

Als Letzter hat jetzt auch noch Werkhofleiter Markus Jetzer bei Marti unterschrieben, wie Christoph Müller, Geschäftsführer bei Marti AG Solothurn, bestätigt. Markus Jetzer selber gibt sich zugeknöpft und will zum Massenexodus nichts Näheres sagen.

Gesuchte Fachleute

Die Gründe kann man sich aber zusammenreimen. Die Bonanza im Baugewerbe macht Bauarbeiter, insbesondere Fachleute, zu gesuchten Personen. Wenn jemand mit seinen Arbeitsbedingungen nicht mehr zufrieden ist, findet er schnell einen neuen Job. «Die Firma Marti hat uns einen Grossteil des Kaders in Bettlach abgeworben, die meisten Angestellten sind ihnen danach gefolgt», sagt Daniel Althaus, Direktionsleiter Stab Schweiz bei der Astrada-Besitzerin Strabag.

Man bedaure dies zwar sehr, sei aber laufend daran, die Abgänge zu ersetzen. «Der Standort Bettlach wird vorerst weitergeführt. Das Akquisitionsgebiet im Mittelland soll sogar noch ausgebaut werden», betont Althaus. Strabag wolle Arbeitsplätze schaffen, nicht ab-
bauen.

Teil eines globalen Konzerns

Die Astrada mit sieben Standorten in den Kantonen Solothurn und Bern wurde im vergangenen März von der österreichischen Strabag-Gruppe übernommen, was zu Umstrukturierungen führte. Die vorher eher patronal geführte Firma mit 340 Angestellten ist jetzt Teil eines globalen Konzerns, der allein in der Schweiz 2400 Mitarbeiter hat. Die Umstrukturierungen werden von Althaus bestätigt. Dass die Abgänge in Bettlach etwas damit zu tun haben, sei nur teilweise der Fall.

Viel mehr sieht Althaus die Ursache in der Eigendynamik eines kleinen Teams begründet. «Wenn man als Gruppe in fast familiärer Atmosphäre zusammenarbeitet, werden Wechsel von Führungspersonen automatisch weitere nach sich ziehen», meint er. Insofern sei auch in Bettlach «nichts wirklich Dramatisches» passiert.

Hochbauabteilung aufbauen

Die genauen Gründe des Stellenwechsels kennen nur die einzelnen Mitarbeiter. Tatsache ist aber, dass die Marti AG Solothurn, die vor allem Tiefbauaktivitäten betreibt, auch expandieren und eine Hochbau-Abteilung aufbauen wollte. Dies bestätigt Marti-Geschäftsführer Christoph Müller.

Die Bettlacher Astrada-Niederlassung betreibt Hochbau. Der Massen-Exodus in Bettlach kommt für die Marti AG Solothurn deshalb gelegen. «Ich bin über diese Entwicklung natürlich nicht unglücklich», gibt Müller unumwunden zu. Der Aufbau der neuen Abteilung werde enorm erleichtert, wenn der Grundstock mit einer eingespielten Seilschaft gelegt werden kann. Über die Gründe des Massenwechsels wolle er hingegen nicht spekulieren. Dass das Bettlacher Team mit den neuen Strabag-Strukturen nicht warm wurde, scheint auch ihm zumindest plausibel.

Auch 2012 grosses Bauvolumen

Die Marti-Belegschaft im Werkhof Bellach steigt jetzt auf 220 Personen an. Dazu kommen rund 30 weitere in der Spezialtiefbau-Abteilung. Arbeit für die Bauleute gibt es 2012 genug. Müller schätzt, dass die gute Auslastung auch für 2012 andauern wird. Danach zeichne sich aber eine Abschwächung ab.