Wären elektromagnetische Strahlen für Menschen sichtbar – wir wären umschwärmt davon. Ausgehend von Mobilfunkantennen, von drahtlosen Internetstationen (WLAN), kabellosen Telefonen, aber auch von Hochspannungs- und Eisenbahnleitungen machen sie unser modernes Leben einfacher.

Doch die unsichtbaren Wellen machen vielen Menschen Angst oder flössen zumindest Respekt ein. Mit der zunehmenden Verbreitung von Handys und Laptops nimmt auch die Anzahl Mobilfunkantennen zu. Der Elektrosmog wird dichter.

Viele Menschen sind überzeugt dass die Strahlen, im Fachjargon «nicht ionisierende Strahlen» (NIS) genannt, schädlich sind für die Gesundheit – oft werden Kopfschmerzen und Schlafstörungen als Symptome genannt. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es bisher indes nicht.

Strahlenjäger im Einsatz

Markus Gugler weiss exakt, wie dicht der Elektrosmog an bestimmten Orten ist. Mit seiner Firma NED-TECH GmbH misst er die Strahlen und wertet sie aus. «Lärm, Ozon, Asbest – vieles wird heute gemessen. Dabei geht die immer mehr verbreitete hochfrequente, nicht ionisierende Strahlung etwas vergessen.» Gugler ist im Auftrag von Firmen, Behörden oder Privatpersonen in der ganzen Schweiz unterwegs und misst die NIS. Derzeit läuft eine Kampagne in waadtländischen Schulen, wo der Dosimeter, ein handliches Gerät, auf Lehrer- und Schülerpulten oder neben Computern die Belastung misst.

Derzeit ist der Strahlenjäger im Auftrag der Gemeinde Deitingen unterwegs. In einem Klassenzimmer des Schulhauses Zweien stellt er ein Dreibein auf – aus Holz, damit die Messung nicht beeinflusst wird. Darauf montiert er den Dosimeter und schliesst ihn an einem Tablet-Computer an. «So kann ich die Strahlen visualisieren, das ist sehr wichtig.»

Kaum ist das Gerät eingeschaltet, leuchten auf dem Bildschirm Kurven. Sichtbar sind Frequenzen von Radiosendern, Fernsehprogrammen, Mobiltelefonen, WLAN oder Polizeifunk. Gleichmässig strömen die Kurven über den Bildschirm – bis Gugler sein iPhone aus der Tasche fischt und eine Nummer wählt. Einen Moment später schlägt die entsprechende Frequenz auf dem Bildschirm aus. «Sehen sie, das Gerät registriert die Strahlung sofort.»

Ein Paradies für Elektrosensible?

Während einiger Wochen wird nun die Strahlungsintensität in Deitingen gemessen. Die Resultate werden täglich ausgewertet und im Internet publiziert. Auf der Homepage können Interessierte das Monitoring einsehen.

Die Gründe für die Messungen sind sehr unterschiedlich. «Meine Kundschaft ist breit aufgestellt. Sie reicht von schwangeren Frauen über Menschen mit Schlafstörungen bis zu Firmen, die die Belastung in Büros messen wollen.» In Guttet-Feschel VS reagierten die Behörden, weil viele Menschen wegen einer Sendeantenne gesundheitliche Bedenken äusserten.

Für Deitingen könnte das Monitoring, je nach Ergebnis, ein Standortvorteil sein, wie Gemeinderat Daniel Schreier sagt. Im bewohnten Dorfteil gibt es gerade einmal eine Mobilfunkantenne beim Bahnhof. «Wenn sich die Vermutung der tiefen Strahlenbelastung bestätigt, ist Deitingen für elektrosensible Menschen ein bevorzugter Wohnort», sagt Schreier.

«Damit können wir uns von anderen Gemeinden abheben.» Neben der Schule werden die Messungen im Schachen oder im neu erbauten Dorfzentrum durchgeführt. Die Ergebnisse des Monitorings werden an einem Anlass, voraussichtlich zwischen Frühlings- und Sommerferien, präsentiert.

Doch wie stellt sich der Strahlenjäger selbst zur Gefahr von Elektrosmog? «Dies festzustellen ist nicht meine Aufgabe», sagt Markus Gugler. Er glaubt aber, dass es sensible Menschen gibt, die durch die Strahlung beeinträchtigt sind. Als Symptombekämpfung kämen dort etwa Vorhänge mit eingewobenen Metallfäden infrage.

Diese halten NIS wirksam fern. Andererseits kennt Gugler Menschen, die nach der Installation einer Sendeantenne in der Nähe sofort angeschlagen waren – obwohl diese noch gar nicht in Betrieb war. «Oft ist das Problem psychologischer Natur.» Mit
verschiedenen Messmethoden will Gugler nun einen seriösen Weg beschreiten und sich von Elektrobiologen absetzen.

Bei Nichtgebrauch ausschalten

Am besten halte man sich den Elektrosmog vom Leib, wenn strahlende Geräte wenn immer möglich ausgeschaltet werden – zum Beispiel das WLAN oder das Schnurlostelefon. «Diese weisen eine massiv höhere Strahlung auf als externe Quellen», so Gugler. Er schaltet das WLAN nur ein, wenn es benötigt wird und über Nacht aus. Das Handy hält er beim Rufaufbau vom Ohr fern. Dann besteht die höchste Strahlungsintensität. Sein Drahtlostelefon fährt die Leistung herunter, wenn es inaktiv ist.

«Der allergrösste Teil der Strahlen ist hausgemacht», bilanziert Gugler. Oft reiche es, stationierte Geräte von sensiblen Orten wie dem Bett oder einem Tisch fernzuhalten. Das biete wirksamen Schutz. Entkommen kann man dem Elektrosmog aber nicht.