Projekt Riverside
Markus Graf zum Verkauf des Widi: «Es ist einfach der Preis, der hier gilt»

Der Feldbrunner CEO der Oltner Swiss Prime Site Markus Graf erklärt das Projekt Riverside und das Interesse seiner Firma am 30 000 Quadratmeter grossen Widi in Zuchwil.

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Im Foyer des «Ramada» in Solothurn erklärt Markus Graf das Engagement von Swiss Prime Site in Zuchwil.

Im Foyer des «Ramada» in Solothurn erklärt Markus Graf das Engagement von Swiss Prime Site in Zuchwil.

Hansjörg Sahli

Markus Graf, wir sitzen hier im Foyer des Hotels Ramada in Solothurn – auch ein Werk von Ihnen. Was ist das für ein Gefühl?

Markus Graf: Anfangs hatten das Projekt und die damit verbundene Seminarmeile viele Gegner. Man sagte, es sei utopisch, der Standort ungeeignet. Heute reden wir von einer schönen Entwicklung in Solothurn, die eine der wenigen noch aufstrebenden Städte ist.

Sie wohnen gegenüber dem Sportzentrum in Feldbrunnen mit Sicht auf das Sulzer-Areal und haben sicher an einem sonnigen Morgen auf dem Balkon gedacht: Dort muss noch ein Turm hin?

Nein, kein Turm, aber ich jogge immer rund um die Aare und kenne das Gebiet bestens. Die Industrieansicht beim Sulzer-Areal hat mich schon immer gestört.

Zur Person: Markus Graf

Markus Graf (1949) lebt in Feldbrunnen. Er hatte bis vor zwei Jahren zwei Arbeitsplätze. 18 Jahre lang war er bei der Credit Suisse und baute dort den Bereich Real Estate Asset Management auf. In den
18 Jahren investierte er für die Bank zirka 32 Mrd. Franken in Immobilien – darunter das Perron 1 beim Bahnhof Solothurn. Vor 15 Jahren war er die treibende Kraft zur Gründung von Swiss Prime Site (SPS) mit Sitz in Olten. Markus Graf hilft als Privatperson mit beim Relaunch der Hotels «Krone» in Solothurn. Mit dem Projekt Riverside sind 400 bis 500 Wohnungen geplant. Investiert werden sollen 200 bis 300 Mio. Franken. (uby)

Etwas chaotisch ist doch auch schön?

Ja, aber nicht in Stadtnähe. Ich wohne seit 60 Jahren in diesem Dreieck Luterbach-Feldbrunnen-Solothurn und kenne das Sulzer-Areal bestens, das Swiss Prime Site vor zwei Jahren gekauft hat.

Warum?

Auslöser waren eigentlich Solothurn und Zuchwil, die das Gelände verändern wollten. Die vormalige Besitzerin, eine englische Firma, wollte nicht mit Zuchwil kooperieren. Wir wurden angefragt.

Was bei Swiss Prime Site Begeisterung auslöste?

Als ich zum ersten Mal im Verwaltungsrat von dieser Brache berichtete, sprach ich noch von Zuchwil-Solothurn. Die anfängliche Skepsis gegenüber einer Investition von 90 Mio. Franken in dieser Region war gross, legte sich dann aber schnell. Der Vorteil war, dass Sulzer-Areal vermietet war und eine Rendite erzielt wurde. Und es besitzt Potenzial.

Potenzial, das Sie mit dem Projekt Riverside abrufen wollen. Wie erklärt sich der Name des Projekts?

Das Projekt Wasserstadt hat mich inspiriert. Ein interessantes, allerdings sehr langfristiges Projekt. Ich dachte sofort, hier auf dem Sulzer-Areal lässt sich ebenfalls etwas in Kombination mit Wasser machen, aber schneller.

Aber beim Sulzer-Areal besteht doch noch ein öffentlicher Gehweg?

Man kann nicht direkt ans Wasser bauen, aber man kann Wasser im Gelände integrieren.

Im Westen Solothurns ist neben der «Wasserstadt» mit «Weitblick» ein weiteres Wohnbauprojekt geplant. Besteht nicht die Gefahr, Wohnraum auf Halde zu bauen?

Ich betrachte einen Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren und gehe davon aus, dass die Bevölkerung in der Region weiterwachsen wird. Riverside wird etappenweise entstehen. Wenn es gut gemacht wird, wofür der Studienwettbewerb mit fünf Teams sorgen soll, und wir ein gutes Projekt erhalten, so nahe beim Hauptbahnhof, so nahe der Autobahn hat Riverside ebenso gute Voraussetzungen wie «Weitblick». Ich glaube, 40 bis 50 Wohnungen im Jahr würden vom Markt aufgenommen.

Sie propagieren, in der Stadt arbeiten, auf dem Land wohnen. Braucht es raumplanerisch nicht ein Umdenken: In der Stadt arbeiten und dort auch wohnen?

Im Grundsatz schon. Ich bin seit 40 Jahren in diesem Geschäft und habe viele Veränderungen mitgemacht. Vor 20 Jahren hiess es in Zürich, ab aufs Land wohnen gehen, und alle gingen. Die Agglomeration ist unheimlich gewachsen, etwa zwischen Winterthur und Zürich. Jetzt geht der Trend zurück.

Verdichtetes Wohnen wird zum Trend.

Ja, aber die Behörden bremsen bereits wieder. Wir konnten den Prime Tower bauen, mussten aber zusätzlich daneben Gelände schaffen für einen Park. Das ist nicht verdichtetes Bauen. Zurück zum Thema: Ich bin Pendler und nicht der einzige. In Zürich arbeiten und in Solothurn wohnen ist eine sehr attraktive Kombination. Ich will das Pendeln nicht fördern, aber es existiert und ist manchmal notwendig.

Haben Sie Kontakt mit hiesigen Unternehmen, beispielsweise mit der Synthes, und werden von diesen animiert, Wohnraum zu schaffen?

Der Synthes-Chef Schweiz wohnt gerade neben mir. Ja, ich wurde von lokalen Unternehmen kontaktiert. Aber das war nicht der Auslöser für das Projekt Riverside.

Umgekehrt: Was bietet das Projekt Riverside? Ein Luxus-Resort für angehende Millionäre?

Nein, das ist eben nicht die Idee. Gesucht wird eine gute Durchmischung. Wir bauen nicht super teure Wohnungen oder Häuser. Das Industrieareal bleibt ja erhalten. Wir wollen dieses öffnen, ohne die bisherigen Mieter zu vertreiben.

Immobilien: Swiss Prime Site AG

Swiss Prime Site AG ist die grösste kotierte Immobilieninvestmentgesellschaft der Schweiz mit Sitz in Olten. Die Immobilienanlagen bilden zusammen mit den Immobiliendienstleistungen der Tochtergesellschaft Wincasa AG das Segment Immobilien. Das Segment Retail und Gastro besteht aus dem Warenhaus Jelmoli und dem Restaurant Clouds im Prime Tower, Zürich. Im Segment Leben und Wohnen im Alter werden die Wohn- und Pflegeangebote der Tertianum-Gruppe zusammengefasst. Swiss Prime Site AG wurde 1999 gegründet und im April 2000 an der SIX Swiss Exchange kotiert. Das Immobilienportfolio hatte damals einen Wert von rund 740 Mio. Franken. Heute umfasst es rund 200 Objekte und Projekte im Wert von 9,6 Mrd. Franken. Der Aufbau erfolgte durch den Erwerb von einzelnen Immobilien, Portfolios und Immobiliengesellschaften wie Maag Holding AG (2004), Jelmoli Holding AG (2009) und der Tertianum-Gruppe (2013) sowie durch die Entwicklung von Projekten. Wichtige Projektentwicklungen waren der Messeturm Basel 2003, Sihlcity in Zürich 2007 (Anteil 24.2%), die Postfinance-Arena in Bern 2009, der Prime Tower mit dem Restaurant Clouds in Zürich oder SkyKey, der neue Sitz der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG in Zürich Nord mit rund 2400 Arbeitsplätzen. (mgt/uby)

Auch architektonisch öffnen?

Ja, die Idee ist es, das Areal zu öffnen, eine Verbindung von Arbeiten, Wohnen und schönen Freiflächen in Harmonie mit dem Aareufer zu schaffen. Man soll in das Areal reingezogen werden. Die Barriere am Eingang und die Umzäunung werden fallen, ebenso das Wärterhäuschen. So erhalten wir plötzlich einen grossen freien Raum, in den auch das Wasser einbezogen wird.

Und Einfamilienhäuser für eine halbe Million Franken oder eine Million?

Nein, eine Million ist zu teuer. Wohnungen zu einem guten Durchschnittspreis. In Zürich kostet eine Wohnung pro Quadratmeter 12 000 Franken. Hier in Solothurn rechne ich mit 6000 Franken. Also mal 100 ergibt 600 000 bis 700 000 Franken pro Wohnung oder Haus.

Welche Rolle hat das Widi, heute die Heimat von drei Sportvereinen?

Wir wurden von Zuchwil angefragt, ob nicht gemeinsam etwas zu machen wäre. In der ersten Phase war das Widi kein Thema. Wir erörterten beispielsweise die Frage einer Umzonung des Sulzer-Areals. Zuchwil sagte sich, wenn Swiss Prime Site ihr Areal entwickelt, macht es Sinn, gleichzeitig das Widi zu betrachten. Und ganz am Ende kam die Idee auf, das ganze Areal zu arrondieren. Erschliessung, öffentlicher Verkehr etc. würden massiv erleichtert. Nachbarschaftsstreitigkeiten, hier Nachtlärm und Scheinwerfer, dort Wohnnutzung, werden vermieden. Reibereien würden unweigerlich entstehen, wenn das Inseli Widi bleibt. Wir können ohne das Widi planen, aber Zuchwil hätte es dann schwerer, in Zukunft eine gute Lösung zu finden.

Wie lange könnten die Sportvereine bleiben?

Im Zusammenhang mit dem Landverkauf Widi stellt die Gemeinde den Sportvereinen eine neue Heimat zur Verfügung. Dann sind die Voraussetzungen für einen Umzug der Sportvereine gegeben. Das dauert aber noch einige Jahre.

Sie schwärmen vom Widi, bieten aber nur 6,6 Mio. Franken. Warum so wenig?

Es ist einfach der Landpreis, der in Zuchwil gilt.

220 Franken pro Quadratmeter?

Es ist nicht nur das Bauland. Dazu kommen die Erschliessung und weitere Verpflichtungen. Das in unserem Auftrag erstellte Gutachten und das im Auftrag der Gemeinde erstellte Zweitgutachten kamen auf diesen Preis. Der Landpreis liegt im Rahmen unseres Angebotes, was für unerschlossenes und noch nicht bebaubares Land einen marktgerechten Preis darstellt.

Interessanterweise war der Landpreis im Gemeinderat kein Thema. Hätten härtere Verhandlungspartner einen besseren Preis herausgeholt?

Der Preis wurde in mehreren Sitzungen ausgehandelt und mittels eines Zweitgutachtens durch die Gemeinde überprüft. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass wir uns für die Entwicklung des Gebiets engagieren, und dass die Gemeinde beim Landverkauf kein Risiko übernehmen muss.

Wie wollen Sie die Fussballer überzeugen?

Das ist eine schwierige Frage. Ich habe gehört, dass sich die Fussballer an einer Versammlung gegen einen Wegzug aussprachen. Wir hätten gerne jemanden geschickt, der über die Arealentwicklung informiert und offene Fragen beantwortet hätte. Leider war das nicht gefragt. Bleibt die Frage, wie man sich eine
Meinung bilden kann, wenn man nicht alles weiss.

Als fussballbegeisterter Mensch sollte es Ihnen ein Leichtes sein, die Fussballer auf Ihre Seite zu bringen?

Wir bieten den Fussballern beim Sportzentrum viel: Kunstrasen, neues Klubhaus und genügend Parkplätze. Der Fussball liegt uns am Herzen. Deshalb unterstützen wir zum Beispiel auch die Junioren in Solothurn.

Was unternehmen Sie?

Wir überlegen uns, nochmals eine Info-Veranstaltung für die Gemeinde zu organisieren und dort sachlich zu informieren. Ich nehme immer wieder das Beispiel Seminarmeile in Solothurn. Am Ende gab es eine Win-win-Situation: Mehr Touristen, Dienstleister und Baubetriebe profitieren. Damals haben wir es in der Gemeindeversammlung nur knapp geschafft. Heute hört man fast nur lobende Worte. Der erste Schritt ist immer der schwierigste.

Die Gemeindeversammlung Zuchwil entscheidet am 8. Dezember über den Verkauf des Widi an Swiss Prime Site.

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