Mühletag
Mahlen wie anno dazumal: Mühletag lockte viele Besucher an

Im Rahmen des Mühlentags können jeweils am Samstag nach Auffahrt alte Mühlen, Schmieden und Ölen im ganzen Land besichtigt werden. So auch die Ölmühlen in Mühledorf und Schnottwil, die beide über zwei Jahrhunderte alt sind.

Lea Reimann
Drucken
Teilen
Impressionen vom Mühletag in Schnottwil und Mühledorf
12 Bilder
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil.
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil
Zu Besuch in der Oeli in Mühledort
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil
Zu Besuch in der Oeli in Mühledort
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil
Zu Besuch in der alten Öli in Schnottwil

Impressionen vom Mühletag in Schnottwil und Mühledorf

Hanspeter Bärtschi

Ein feiner Duft nach heissem Nussbrei strömt einem entgegen, wenn man die „Öli" in Mühledorf betritt. Die Nüsse wurden bereits gemahlen, nun wird der Brei erhitzt und anschliessend auf ein grobes Tuch geschoben. Damit wird der schwere Packen in die Keilpresse im mächtigen Eichenholzbett gestellt und mit den Brettern seitlich fest verrammelt. Mit einem langen Balken, der in regelmässigen Abständen auf den Keil prallt, wird das Öl durch seitlichen Druck aus dem Breipaket gepresst und fliesst schon bald in die bereitgestellte Kanne. Das alles funktioniert rein mechanisch, angetrieben durch Wasserkraft - noch fast genauso wie im Jahr 1774, als die Mühle gebaut wurde.

Max Lätt, Besitzer der „Öli" ist mit seinen 88 Jahren eifrig an der Arbeit. Er kennt den Prozess ganz genau, obwohl die Mühle seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch einmal pro Jahr - nämlich am Mühlentag - in Betrieb ist. Unterstützt wird er dabei vor allem von seinem Grossneffen Stefan Lätt. „Aus zehn Kilogramm Nüssen gibt es rund fünf Liter Nussöl", erklärt dieser. Dieses gibt es natürlich auch gleich zu kaufen. „Lätts Nussöl" steht fein säuberlich auf den kleinen Fläschchen geschrieben. Neben dem Baumnussöl wird heuer erstmals auch Haselnussöl hergestellt. Immer beliebt ist das Nuss-Mehl. Aus diesem wurde das Öl zuerst herausgepresst und danach nochmals gemahlen. „Damit können Sie „Öli-Brot" oder Nusskuchen machen", erklärt Lätts Schwager, der hinter dem Verkaufstisch steht. Das Nussöl hingegen eignet sich zum Beispiel, um die Salatsauce oder den Fisch zu parfümieren.

„Während dem Zweiten Weltkrieg wurde hier sehr viel Öl hergestellt", weiss Bruno Stuber, ebenfalls Grossneffe des Besitzers. Als einzige Mühle im Kanton Solothurn habe diese hier die Bewilligung zum Ölen gehabt und sei deshalb auch in die Pflicht genommen worden. Damals wurde alles gepresst, was Öl hergab: Raps, Buchennüsschen aber auch Mohn. „Innerhalb von zwei Jahren wurden hier über 20 000 Liter Öl hergestellt, die Mühle lief Tag und Nacht", so Stuber. Schon vorher, nämlich 1918, wurde das Wasserrad durch eine Pelton-Turbine ersetzt. In den achtziger Jahren hat man dann weitere kleine Sanierungen vorgenommen.

Wer einen Blick auf den Nussbrei erhaschen will, muss sich auf die Zehenspitzen stellen. Der Besucherandrang ist gross. Viele Interessierte haben gleich mehrere Mühlen auf dem Programm, die sie im Rahmen des Mühlentages besichtigen wollen. „Ich finde die alte Technik hochinteressant!", sagt etwa der Langenthaler Walter Hodel, der früher selbst in einer Sägerei mit Wasserrad gearbeitet hat.

Eine andere Ölmühle, die im Rahmen des Mühlentages besichtigt werden konnte, ist die „alti Öli" in Schnottwil, die wahrscheinlich schon im 17. Jahrhundert entstanden war. Hier wurde früher nicht nur Öl produziert, auch Knochen wurden gestampft, erklärt Besitzer Thomas Aebi und fügt an: „Die gestampften Knochen wurden dann als Dünger auf die Felder gegeben und kamen so in den Kreislauf zurück." Mahlen kann man in der „alten Öli" nicht mehr, aber der Kollergang ist noch immer ausgestellt und das Wasserrad sogar noch in Betrieb. Dieses hat noch immer eine Funktion. Durch ein Antriebsrad wird die Wasserkraft über einen Transmissionsriemen auf ein kleines Wasserkraftwerk übertragen. So kann bis zu einer ganzen Kilowattstunde produziert werden, die in das Netz der Elektra Bucheggberg eingespeist wird. Und zwar nicht nur am Mühlentag, sondern das ganze Jahr über.

Aktuelle Nachrichten