Fachhochschule

Luterbacher Student bringt Zürcher Elektroflitzer auf die richtige Spur

Der Monotracer ist das angeblich energieeffizienteste Fahrzeug der Welt. Thomas Dreier aus Luterbach hat sein Fahrverhalten untersucht. ZVG

Der Monotracer ist das angeblich energieeffizienteste Fahrzeug der Welt. Thomas Dreier aus Luterbach hat sein Fahrverhalten untersucht. ZVG

Der Elektroflitzer der Firma Peraves hat einen kleinen Makel. Bei langsamer Geschwindigkeit und freihändiger Fahrt beginnt er zu schlingern. In seiner Diplomarbeit zeigt der Luterbacher Thomas Dreier, wie das Problem gelöst werden kann.

Es ist das angeblich energieeffizienteste Fahrzeug der Welt und stammt aus der Schweiz: der Monotracer aus dem zürcherischen Uster. Er sieht aus wie ein Töff, aber die Kabine ist verschalt. An Kreuzungen lässt der Fahrer Stützräder herunter. Bis zu 300 Kilometer weit kommt das Gefährt mit seiner Lithium-Ionen-Batterie. Auch 240 Stundenkilometer soll das Fahrzeug erreichen.

Der Luterbacher Thomas Dreier hat mit der Herstellerfirma Peraves eigentlich nichts zu tun. Trotzdem wird der angehende Systemingenieur in ein paar Jahren vielleicht zurückblicken und sagen können, dass er das Projekt ein Stück vorangebracht hat. Denn der 24-Jährige hat sich in seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz ein Jahr lang intensiv mit dem Fahrzeug auseinandergesetzt. Seine Bachelorarbeit zeigt exemplarisch, wie die Wirtschaft von der Fachhochschule profitiert – und umgekehrt.

Videosimulation des Fahrverhaltens

Die Zusammenarbeit zwischen Firma und Schule kam zustande, weil das Gefährt ein Problem hat: Wenn der Fahrer bei langsamer Geschwindigkeit das Steuerrad des Monotracers loslässt, entstehen Pendelbewegungen. «Normale Töffs sind bei 30 Stundenkilometern ziemlich stabil», sagt Dreier. Also hat die Firma bei der Fachhochschule angeklopft. Thomas Dreier hat daraufhin eine Videoanalyse des Fahrverhaltens gemacht.

Peraves Monotracer

Am Computer hat er das Fahrverhalten simuliert und versucht aufzuzeigen, wie man die Pendelbewegungen beheben kann. Grundsätzlich kam Dreier zum Schluss, dass das Projekt auf gutem Weg ist. Er schlägt aber grössere oder schwerere Räder vor. Ob die Firma dies umsetzt, weiss Dreier nicht. «Es liegt jetzt an der Firma, den Kompromiss zu finden.» Denn: Je stabiler der Geradeauslauf, umso weniger wendig wird das Fahrzeug. «Es wird schwieriger, in die Kurve zu liegen.»

Support für kleine Firma

«Als kleine Firma sind wir um jede Hilfe froh», sagt Felix Wagner von der Herstellerfirma Peraves. «Die Hilfe bei einer Ingenieurfirma zu suchen, könnten wir uns nicht leisten.» Zum zweiten Mal hat die Firma bei der Fachhochschule eine Studie machen lassen. «Die erste war nicht ergiebig», sagt Wagner. Bei der zweiten habe man zwar nicht grundlegend neue Erkenntnisse erhalten. Aber durch die Simulation sei aus «dem Bauchgefühl» nun Gewissheit geworden. «Wir haben ganz konkret gesehen, dass wir am richtigen Ort stehen. Das bringt uns etwas. Als kleine Bude sind wir um jeden Support froh.» Wagners Fazit: «Nicht matchentscheidend für das Projekt, aber ein wichtiger Mosaikstein.»

«Durchaus lukrativ»

1500 Franken hat die Firma für die Studie bezahlt, die Ergebnisse erhält sie exklusiv. Dieser Unkostenbeitrag ist fix für alle Firmen, wenn Studenten ihre Projekte bearbeiten. «Es kann für Firmen durchaus lukrativ sein», sagt Peter Zysset, Professor an der Fachhochschule. Die Kosten für die Betreuung werden damit nicht reingeholt. «Neben der Ausbildung gehören auch die Forschung und Entwicklung zum Leistungsauftrag der Fachhochschule», so Zysset. Und die Schule profitiert auch davon: «Auftraggeber und Umfeld sind real, wir können die Studenten in industriellen Verhältnissen ausbilden», sagt Zysset. «Ein grosser Vorteil ist, dass die Firmen Absolventen kennen lernen können. Es kommt immer wieder vor, dass Studenten direkt ab Platz angestellt werden.»

Wenn nicht Studenten, sondern Mitarbeiter der Fachhochschule für Firmen forschen, ist der Preis um ein Vielfaches höher. Und in jedem Fall tragen die Firmen das Risiko, dass eine Arbeit nicht zustande kommt.

Begehrte Studienabgänger

21 Systemingenieure haben gestern Freitag ihr Diplom erhalten. «Wir könnten in Systemtechnik ruhig doppelt so viele Studierende ausbilden. Die Nachfrage ist da», sagt Peter Zysset, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Und Thomas Dreier ergänzt: «Wer will, findet als Systemingenieur zu fast 100 Prozent einen Job.» Er wird bald bei einer Schaltanlagefirma in der Region arbeiten. Gelernt hat der 24-jährige Elektromonteur. Als «Stromer mit Berufsmatura» ist er an die Fachhochschule gegangen.

50 Monotracer sind bereits gebaut worden. Pro Kilometer benötigt der Fahrer gemäss Hersteller Wagner weniger Strom als ein SBB-Passagier. Dass das futuristische Gefährt, über das Dreier geforscht hat, wenig bekannt ist, dürfte vor allem am hohen Preis liegen, der rund 80 000 Euro beträgt.

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