Die Stimmung vor der alten Brennerei gleicht einem harmonischen Familientreffen. Im Garten stehen Tische und Bänke, ein Feuer brennt, es gibt Getränke und Cervelats. Das sanft beleuchtete Gemäuer ermöglicht den Besuchern einen Anblick, der tagsüber verwehrt bleibt. Das wollen Alfred Maienfisch und Thomas Gantner für ihre Ausstellung «Art 3» nutzen. «Night - Open» stand am Freitag auf dem Programm. «Wir ermöglichen den Besuchern so eine andere Perspektive auf die Kunstobjekte», erklärt Gantner.


Sehr positive Bilanz

Dass er sich etwas mehr Besucher gewünscht hätte, gibt der Kurator ohne Umschweife zu. Am Freitag finden rund 30 Freunde den Weg nach Unterramsern, die Atmosphäre ist familiär. Aber insgesamt hätte Gantner an der «Art 3» gerne etwas mehr Personen begrüsst. Dennoch konnten er und Maienfisch, Besitzer der alten Brennerei, bereits am Freitag eine sehr positive Bilanz ziehen. Die dritte Ausführung der Ausstellung habe über die Region hinaus Anklang gefunden und werde nächstes Jahr «hundertprozentig wieder durchgeführt», wie Gantner bestätigt. Es seien genügend Kunstwerke verkauft worden, um die Unkosten zu decken. Maienfischs Erfolgsgeheimnis: «Ohne Freunde geht es nicht.»


Mit Daniel Spoerri war auch dieses Jahr wieder ein international erfolgreicher Künstler vertreten - letztes Jahr konnte HR Giger gewonnen werden. Spoerri ist vor allem für «Eat-Art» bekannt, plastische «Momentaufnahmen», die der Künstler vornimmt, indem er nach Essen das Gedeck an der Tischplatte befestigt und konserviert.


Lokale Künstler beliebt

Trotz Spoerris enormen Bekanntheitsgrades, der Kassenschlager der «Art 3» war ein gebürtiger Grenchner. «Von Marc Reist konnten wir am meisten verkaufen», so Maienfisch. Der Künstler orientiert sich an Vertrautem, etwa Hautstrukturen. Dies setzt er so gekonnt in Szene, dass dem Betrachter neue Perspektiven auf die altbekannten Strukturen eröffnet werden. Offenbar ein Konzept, das gefällt. Reist habe zusätzlich einen Heimvorteil, so Maienfisch.


Ebenfalls aus der Region ist die 35-jährige Nancy Wälti. Ihre gesellschaftskritischen Werke hinterfragen den Materialismus und blicken hinter die Kulissen von Geld und Luxus. Die Künstlerin spricht damit ein brandaktuelles Thema an und kann so auch junge Menschen erreichen. Ein wichtiger Aspekt für die Organisatoren. «Wir wollen junge Künstler unterstützen und junge Leute für die Kunst begeistern», so Gantner. Denn ihm sei in erster Linie wichtig, den Künstlern eine Plattform zu bieten.

Neu mit eigener Fluglinie

Neu wird das alte Gemäuer durch ein spannendes Accessoire von Res Ingold ergänzt. Dessen «ingold airlines» ist eine komplette Fluggesellschaft, die jedoch nie abhebt. Stattdessen reise man in Gedanken, umschreibt Gantner das Konzept. Abheben kann man ab sofort vom a(lte)b(rennerei)-Polyport aus, der im Garten der Brennerei seinen Standort gefunden hat.


Neben einheimischen waren mit Hans Schüle und Till Augustin auch deutsche Künstler vertreten. Bei beiden lässt sich eine Affinität zu aussergewöhnlichen Materialien erkennen. Während Augustin mit seinen Werken aus Industrieglas beim Betrachter eine spannende Mischung aus Faszination und Respekt hervorzurufen versteht, schafft Schüle ähnliches mithilfe diverser Metalle und Stahlrohre.


Nächste Ausstellung im Herbst

Wen sie für die nächste Auflage von «Art» im Blick haben, verraten die Veranstalter noch nicht. Die Organisation beginne aber bereits diese Woche. Und für alle Kunstliebhaber, die die «Art 3» bereits vermissen oder verpasst haben, planen Maienfisch und Gantner im Herbst eine Ausstellung, die die Zeit bis zur «Art 4» etwas verkürzen soll.