Ich hatte selten so viele Engagements wie derzeit.» Darüber freut sich einer, der eine Kunst ausübt, von der man heutzutage nicht mehr so viel hört. Er ist einer der letzten Schweizer Chansonniers, Liedermacher: Ruedi Stuber, ausgebildeter Lehrer, Heimweh-Balsthaler, wohnhaft in Riedholz, derzeit mit der Gitarre unterwegs zwischen St.  Gallen und Solothurn. «Dieser Stress ist wohltuend, das Publikum motiviert mich, die Kunst bereichert mein Leben – es ist der Motor für alles.» Der 60-Jährige strahlt.

Er hat tatsächlich auch allen Grund, so freudig und optimistisch zu sein. Ruedi Stuber kann in wenigen Wochen den Preis für Literatur des Kantons Solothurn in Olten entgegennehmen. «Es freut mich sehr, dass ich den Preis für meine Texte erhalte und weniger für die Musik. Denn Musiker bin ich keiner. Ich kann bis heute nicht richtig Noten lesen», sagt er lachend. «Bei meinen Chansons ist der Text wichtig, die Musik ist lediglich das Transportmittel.» Die Kunst des Dichtens, der sinnvollen und sinnreichen Reime, beherrscht er wie kein anderer. Angefangen hat es mit heimlichem Radio-Hören. «Als Kind habe ich Mani Matter gehört und sagte mir: Das mache ich auch einmal.» Als begeisterter Pfadfinder gab es genügend «Auftrittsmöglichkeiten». 1971 stand er zum ersten Mal mit einem selbst verfassten Lied auf einer Bühne: Im «Rössli»-Saal in Balsthal, gefolgt von Auftritten im «Kronen»-Keller in Oensingen beim Zibelimäret.

1972 wurde Stuber von den Berner Chansonniers angefragt, bei ihnen mitzumachen. Welche Ehre für den jungen Thaler, in diesem erlauchten Kreis mit dabei zu sein. «Ich habe zunächst versucht, meine Lieder auf Berndeutsch zu singen. Das ging aber ziemlich daneben», erzählt er heute. Die Solothurner Mundart ist eben sein Markenzeichen – bis heute.

Zehn Jahre war Stuber bei den Chansonniers mit dabei, daneben hat er aber immer unterrichtet. Gedanken an eine Profi-Musikerkarriere hatte er nie. 1982 hörte Stuber auf mit den Chansons. «Alles tönte gleich, ich dachte mir: Dieses Kapitel ist nun beendet.» Bis 1990 – da wurde in Solothurn das Kulturzentrum Besenval eröffnet und Ruedi Stuber angefragt, ob er nicht ein Lied zur Eröffnung über Monsieur de Besenval schreiben könnte. «Das reizte mich dann schon, doch ich wollte Begleitmusiker dabei haben.» Er fand den ehemaligen Balsthaler Pfadi-Kollegen Kurt Meyer, der Banjo spielt. Als Bassist konnte Martin Albrecht gewonnen werden. Diese Begleitband, zu der auch noch Kurt Studer zählt, der abwechslungsweise mit Albrecht auftritt, nennt sich «Die schweigende Mehrheit» und ist seit jenem Neustart mit Stuber bei jedem Auftritt dabei.

Stuber und die Schweigende Mehrheit sind seither wohl auf den meisten Bühnen im Kanton Solothurn und der angrenzenden Region gestanden. Vier CDs haben sie seitdem auf den Markt gebracht. Insgesamt hat Ruedi Stuber in den vergangenen 40 Jahren etwa 150 Lieder geschrieben. «Meistens ist das Neueste jeweils auch mein Lieblingslied», sagt er. Reich sei er mit seinen Liedern auf jeden Fall nicht geworden. «Wenn ich die Produktionskosten wieder hereinholen kann, bin ich glücklich.»

Könnte er nicht noch erfolgreicher sein, mit einem neuen, etwas poppigeren Sound? Stuber wehrt ab. «Ich bin ein grosser Georges-Brassens-Fan, auch wenn das heute nicht mehr so im Trend ist. Das kann und will ich nicht verleugnen. Ich denke, es braucht ein gewisses Alter, um Freude an meinen Liedern zu haben. So freut es mich immer ganz besonders, wenn ehemalige Schüler nach einem Konzert zu mir kommen und mir sagen, dass es ihnen gefallen hat.»

Heute SonntagAbend präsentiert Stuber im Kofmehl in Solothurn Lieder aus seiner neuesten CD «Stück für Stück Solothurn» – alles Lieder, die den Kanton Solothurn und seine Bewohner zum Thema haben (Türöffnung 19 Uhr; Konzert 19.30 Uhr). Stuber sagt: «Auslöser für diese CD war das Buchprojekt ‹PanoramaLiteratur›, welches der Kanton Solothurn zum Olma-Auftritt herausgegeben hat.» Dort hat er auch einen Text beigesteuert. Die offizielle CD-Taufe findet am kommenden Donnerstag, 24. Oktober, 19 Uhr bei Bücher Lüthy in Solothurn statt. Premiere des Programms «Stück für Stück Solothurn» ist traditionsgemäss im Kulturkeller Gerlafingen, und zwar am 10. Januar 2014 um 20.15 Uhr.