Kühne + Nagel zeigte sich irritiert, das Baugesuch wurde sistiert und liegt seither auf Halde. Entlang der A1 lassen die Bauprofile indes noch immer die riesigen Ausmasse der Lagerhalle erahnen: Mit einer Fläche von 241 mal 100 Metern und 16 Meter Höhe nimmt die Halle Dimensionen ein, die von weitherum sichtbar wären.

Die Nachbargemeinden Deitingen, Subingen und Kriegstetten fürchten sich vor einer Lastwagenflut und deponierten eine Einsprache. Auch aus Derendingen gab es Widerstand, dessen Fäden beim VCS zusammenlaufen - der Verkehrsclub pocht auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung UVP.

Land ist noch immer reserviert

Nun gibt es Hinweise darauf, dass der weltweit tätige Konzern nicht länger an Derendingen festhält und sich nach anderen Standorten umsieht. Seit Monaten wartet man beim Kanton auf exakte Angaben zum Bauprojekt, etwa bezüglich der Frage, wie der Verkehr an den Stosszeiten vorbeigelenkt werden soll. Dass sich die Stellungnahme dermassen in die Länge zieht, sorgt für Irritation. Die Verantwortlichen am Hauptsitz in Schindellegi SZ geben sich indes wortkarg: «Dazu geben wir keine Auskunft», heisst es dort nach mehrfacher Anfrage.

Zwar ist das Land vorläufig noch reserviert, wie von der Grundbesitzerin Espace Real Estate zu erfahren ist. «Es gibt allerdings weitere Produktionsfirmen aus dem industriellen Sektor, die sich dafür interessieren», so CEO Theodor Kocher. Vorrang habe jedoch noch immer Kühne + Nagel.

Fakt ist: Kühne + Nagel rechnete nicht damit, dass eine UVP respektive ein Gestaltungsplan nötig ist - denn das Wissensteinfeld ist längst rechtskräftig eingezont und ausserdem im Agglomerationsprogramm als Schwerpunktgebiet Arbeit ausgewiesen. Und: Der Logistiker würde die vom Regierungsrat bewilligten Fahrten nicht ausschöpfen (siehe Text unten links).

Ohne Mehrverkehr nicht zu haben

Derendingens Gemeindepräsident Kuno Tschumi (FDP) ist primär an den Arbeitsplätzen interessiert. Bis zu 290 Jobs stehen in Aussicht; zusammen mit dem Schoeller-Areal sind es gar 600. Die niederschwelligen Stellen seien hoch willkommen. «Gerade von den Gewerkschaften erwarte ich darum Unterstützung.» Diese könnten sich auch mal für die Schaffung und nicht nur gegen den Abbau von Jobs stark machen. Ohne Mehrverkehr sei dies aber nicht zu haben.

Tschumi räumt ein, Kühne + Nagel das Projekt mit der Aussicht auf eine rasche Umsetzung zu leichtfertig schmackhaft gemacht zu haben. Doch auch wenn die Dimensionen viele Leute erschreckt hätten - eine einmalige Überbauung biete wesentliche Vorteile: Der Vekehr sei besser zu steuern, als wenn das Gelände sukzessive von Kleinfirmen in Beschlag genommen würde.

«Niemand kann dazu gezwungen werden, in Industriebrachen zu investieren.»

«Zudem ändert ein Einsprachemarathon nichts an der Verkehrssituation». Tschumi plädiert deshalb dafür, die A1 zwischen Derendingen und Subingen direkt anzuzapfen. Er sucht das Gespräch mit dem VCS, «denn das Problem wird nicht gelöst, wenn man Obstruktion macht.»

Kommende Woche wird im Kantonsrat die Interpellation der Grünen zum Baubewilligungsverfahren behandelt. Die Partei fordert unter anderem, dass bestehende Industriebrachen der grünen Wiese vorzuziehen seien. Der Regierungsrat unterstützt diese Stossrichtung, hält in seiner Antwort jedoch fest, dass diese Strategie oft scheitere. «Niemand kann dazu gezwungen werden, in Industriebrachen zu investieren.» Projekte auf unbebautem Land seien oft günstiger und mit weniger Einschränkungen verbunden.