Auch ein kleines Schiff kann grosse Wellen schlagen: Die polizeiliche Verfügung gegen die Bauernfamilie Antener auf dem Aareinseli hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, der nun gegen die Verursacher zurückbläst.

Anteners Fähre, die das Festland bei Nennigkofen mit dem bewirtschafteten Aareinseli verbindet, darf laut Kantonsbehörden nicht mehr fahren (wir berichteten). Ab sofort verboten ist der Personen-, ab 31. Januar der Materialtransport – Existenzgrundlage des insulanischen Landwirtschaftbetriebs.

Auf einmal ist ie Fähre zu gefährlich: Bauernfamilie Antener darf sie nicht mehr brauchen

Auf einmal ist die Fähre zu gefährlich: Bauernfamilie Antener darf sie nicht mehr brauchen.

Grund: Das seit 33 Jahren zwischenfallfrei fahrende Boot verfüge nicht über vorgeschriebene Luftkammern, was die Kantonspolizei per Zufall entdeckt habe. Für die Umsetzung der Verfügung haben Anteners nun noch gut zwei Wochen.

Bis zu 300'000 Franken könnte ein neues Boot kosten. Zeitlich und finanziell für die Anteners ein kaum realisierbares Vorhaben.

Naturschutzzone auf der Insel?

Unter dem Namen «Pro Inselibuur – contra Amtsschimmel» wurde gestern kurz vor Mittag eine Facebook-Gruppe gegründet, die bereits um 16 Uhr rund 1'800 Mitgliedern zählte. Der Entscheid des Kantons erntet aber auch sonst online Unverständnis: «Dieses Verbot stinkt nach Neid und Willkür» so eine der Reaktionen.

«Eine schikanöse Verfügung gegen rechtschaffene Bürger.» Oder: «Ich kann es nicht verstehen, dass einer Familie solche Steine in den Weg gelegt werden.» Als «realitätsfremd» wird es angesehen, die Paragrafen über das existenzielle Schicksal der Anteners zu stellen.

Zum Teil wurden noch offensivere Töne angeschlagen. Von gelangweilten «Schreibtischtätern» mit zu viel Zeit ist die Rede: «Ich hoffe, dass diese Beamten möglichst bald befördert werden, nämlich an die frische Luft.»

Auch dass die Unzulässigkeit der Fähre nach 33 Jahren tadellosem Betrieb «per Zufall» entdeckt worden sei, wollen einige Leser nicht glauben. Ein Kommentierer stellt die Vermutung in den Raum, dass jemand mit der Insel eigene Pläne habe; nämlich eine Naturschutzzone zu errichten.

Viele Solidaritätsbekundungen

Die Grünliberalen Sektion Solothurn und Umgebung reagierten in einer Medienmitteilung bereits mit «Unverständnis und Empörung auf die Posse» und vertrauen ihrerseits auf die Eigenverantwortung der Anteners.

Die GLP fordert eine realistische Frist und «gesunden Menschenverstand» bei der Lösungsfindung. Prominente Bauernvertreter machen sich dafür stark, dass Regierungsrat und Vorsteher des Departements des Innern Peter Gomm die Angelegenheit zur Chefsache erklärt.

Gomm selbst äusserte sich selbst gestern noch nicht substanziell zur Inselgeschichte: «Das Departement wird die Angelegenheit ohne Verzug prüfen», kündigte er aber an.

«Einen Grossteil der Zeit verbrachten wir am Telefon», fasst der betroffene Landwirt Simon Antener die letzten beiden Tage zusammen – «viele bekunden, dass sie auf unserer Seite stehen.»

Auch Urs Schläfli, CVP-Nationalrat und Vorstandsmitglied des kantonalen Bauernverbands, signalisierte Bereitschaft, zusammen mit Simon und Vreni Antener eine Lösung zu finden: «Gerade ein Betrieb mit Milch kann seine Produktion so kurzfristig nicht einfach einfrieren.»

Als Zwischenlösung schlägt er vor, bei den Pontonniers der Schweizer Armee um ein Boot anzufragen. Ein Silberstreif am Horizont zeigt sich allenfalls auch via Neue Medien. Aus der «Pro Inselibuur»-Gruppe zeichnet sich eine Spendenaktion für eine neue Fähre ab.