Langendorf
Langendorfer Feuerwehr verkauft Feuerspritze auf Ricardo

Das ist schon fast ein Schildbürgerstreich: Die Langendorfer Feuerwehrkommission hat die alte Feuerspritze aus dem Jahr 1868, die nicht mehr gebraucht wird, verkauft. Dies, obwohl sie dazu eigentlich gar nicht berechtigt ist.

Rahel Meier
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Momentan steht die alte Feuerspritze im Feuerwehrmagazin herum.

Momentan steht die alte Feuerspritze im Feuerwehrmagazin herum.

Hanspeter Bärtschi

Am meisten Emotionen waren am Montagabend im Gemeinderat Langendorf beim Traktandum «Verschiedenes» zu spüren. Gemeindepräsident Hans-Peter Berger (SP) informierte seine Ratskollegen darüber, dass die Feuerwehrkommission die alte Feuerspritze mittels einer Steigerung bei Ricardo (Internet-Auktionsplattform) verkauft hat.

Warum aber die Emotionen? Tatsache ist, dass die Feuerspritze Eigentum der Einwohnergemeinde Langendorf ist. Die Feuerwehrkommission hat demzufolge keinerlei Befugnisse, einen Verkauf zu beschliessen. Darum waren sich alle Gemeinderäte darin einig, dass die Kommission offiziell gerügt werden müsse. «So geht das einfach nicht», meinte Berger. Wer sich in der Runde umsah, bemerkte aber auch, dass die meisten der Gemeinderäte gleichzeitig ein bisschen schmunzelten.

Was anfangen damit?

Tatsache ist, dass die Feuerspritze schon nicht mehr gebraucht wird und niemand weiss, was damit anzufangen ist. So gesehen hat die Feuerwehrkommission der Gemeinde einen guten Dienst geleistet. Was natürlich keiner der Gemeinderäte so gesagt hat. «Ist dieser Verkauf überhaupt rechtens?», fragte man sich. Und: «Was machen wir mit den 3000 Franken, die die Feuerspritze bei der Versteigerung via Ricardo eingebracht hat?»

Diese Fragen stellen sich auch die zehn Langendörfer, die die Feuerspritze ersteigert haben. «Für uns war klar, dass wir die Spritze im Dorf behalten möchten», meint einer der Mitbietenden. Auf Ricardo haben nämlich auch Interessenten aus der Ostschweiz mitgeboten. Langendorf sei nicht gerade mit Kulturgütern gesegnet. Nun sei aber nicht nur der Standort umstritten, sondern auch die Frage, ob der Erwerb rechtmässig ist. «Wir haben zwar gesteigert, wissen aber nicht, ob die Spritze uns jetzt auch gehört.»

Historisches Kulturgut

Die Feuerspritze wurde 1868 mit «grossem finanziellem Aufwand» angeschafft. Dies, nachdem 1863 eine Feuersbrunst in Lommiswil fünf Häuser und drei Speicher zerstört hatte und der Regierungsrat die Gemeinde Langendorf ultimativ dazu aufforderte, eine Feuerspritze anzuschaffen. Aber erst nachdem es im Jahr 1866 auch in Oberdorf brannte und fünf Strohhäuser zerstört wurden, sah der Gemeinderat die Notwendigkeit der Anschaffung ein. Am 26.Dezember wurde bei Mechaniker Kulli in Solothurn eine Feuerspritze nach Modell Nr.6 zum Preis von 1800 Franken bestellt. Rund ein Jahr dauerte die Herstellung und schon 1868 bewährte sich die Feuerspritze ein erstes Mal bei einem Brand in der Glättimühle am Wildbach.

Als die Spritze fertig war, konnte man sich in Langendorf lange Zeit nicht einig werden, wo das Utensil nun untergebracht werden sollte. Nach einigem Hin und Her wurde dann ein Spritzenhaus beim Schulhaus errichtet. Schliesslich wurde auch die Geldfrage gelöst: Markus Käch, ein wohlhabender Bürger, schenkte der Gemeinde das Geld.

Quelle Dorf- und Schulgeschichte Langendorf (Johann Mösch, 1951)