Pro Natura hat gegen die Sanierung der Entwässerungen (Drainagen) in der Gemeinde Bolken eingesprochen. «Beim vorliegenden Projekt handelt es sich um ein rein technisches Projekt, mit dem die Leitungen saniert, und der Status quo wiederhergestellt werden soll», erklärt Ariane Hausammann (Geschäftsführerin Pro Natura Solothurn). «Wir sehen dabei aber auch eine Chance, dass der Natur gewisse Flächen zurückgegeben werden könnten.» Denn im betroffenen Gebiet gebe es noch Torfböden und Feuchtgebiete. «Wir würden gerne ein Gesamtkonzept sehen. Überlegungen, ob es nicht möglich wäre, Vernässungen gezielt zuzulassen.» Denn gerade Feuchtgebiete seien wichtig für seltene Pflanzenarten. Die Drainagen in Bolken wurden laut Hausammann zu einer Zeit erstellt, in der in der Landwirtschaft eine möglichst grosse Produktivität im Vordergrund stand. Heute sei dies aber anders. «Wir haben neue Vorgaben und Gesetze. Nachhaltigkeit und Biodiversität sind Stichworte dazu.»

Möglichkeit vertan

Für Ariane Hausammann ist klar, wenn die Drainagen in Bolken saniert werden, wie es zurzeit vorgesehen ist, dann werden Renaturierungen in diesem Gebiet für die nächsten Jahrzehnte verunmöglicht. Neben den Torfböden, die durch eine intensive Bewirtschaftung komplett verschwinden würden, würde auch eine Renaturierung des Dägenmoosbächli unmöglich. «Die Drainagenleitung liegt genau entlang des Bachlaufes.»

Unklar ist für Pro Natura auch, inwiefern das Projekt mit dem Sanierungskonzept des Kantons für den Inkwilersee koordiniert ist. Immerhin seien die Nährstoffe aus der Landwirtschaft genau eines der Probleme, weswegen der See verlande. Und die Drainagen würden auch nach der Sanierung weiterhin in den See geleitet.

Gemeinsam Lösungen gesucht

Bei einem Bau-Projekt für Bodenverbesserungen in der Landwirtschaftszone wird von Gesetzes wegen das Amt für Landwirtschaft informiert. Norbert Emch hat das Verfahren koordiniert. Verschiedene Amtsstellen im Kanton haben sich zum Projekt geäussert. So beispielsweise das Amt für Raumplanung oder das Amt für Umwelt.

«Nachdem alle Stellungnahmen vorlagen, haben wir gemeinsam nach Lösungen gesucht, um möglichst vielen Anliegen gerecht zu werden», so Emch. Insbesondere sei die Sanierung der Drainagen mit den laufenden Sanierungsmassnahmen für den Inkwilersee koordiniert worden. Die Drainagen in Bolken seien teilweise 40 bis 50 Jahre alt. Grundsätzlich bestehe von Gesetzes wegen eine Unterhaltspflicht. «Selbstverständlich haben wir auch Diskussionen zum Landschaftsschutz geführt und es gab auch Anpassungen des Projektes», erklärt Emch. Vor allem rund um den Inkwilersee gebe es bereits jetzt extensive Flächen, die erhalten bleiben. Auf der anderen Seite stehe die Vorgabe, dass die Fruchtfolgefläche erhalten werden müsse.

Land ist kostbar

«Das Land kann sich nicht vermehren», so Emch. Die Landwirtschaft verliere täglich Boden. Viel Land sei in den letzten Jahren überbaut worden. «Und jetzt kommen die Forderungen nach Renaturierungen», so Emch. Auch dieses Land müsse ein Grundeigentümer zur Verfügung stellen. Es liege in der Eigenverantwortung der Landwirte, wie sie auf ihrem Betrieb produzieren.

Es gebe Bauern, die eher auf Produktivität ausgerichtet seien, andere, die eher extensiv bewirtschaften würden und auch offener seien für eine Anpassung der Bewirtschaftung gewisser Flächen. Dies aber immer im Rahmen des pro Betrieb zu erfüllenden ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN). «Wir haben im Kanton Solothurn Vernetzungsprojekte und auch das Landschaftsqualitätsprojekt ist angelaufen. Aber wir können und wollen die Landwirte nicht dazu zwingen mitzumachen», so Emch.

Grundsätzlich sieht Emch keine Möglichkeit, eine Fläche im Projektgebiet wieder vernässen zu lassen. «Dazu müsste man ein Stück Land in einer Landumlegung umzonen.» Zudem gebe es von Gesetzes wegen keine Verpflichtung bei einer Drainagen-Sanierung Ersatzmassnahmen zugunsten der Natur vorzusehen.