Schloss Vorder-Bleichenberg
Künstler zeigen Gesichts- und reale Landschaften

Michael Medici und Ueli Studer zeigen ihre Arbeiten im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist. Die Ausstellung ist noch bis am 25.März für Besucher geöffnet.

Eva Buhrfeind
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Ulrich Studer: «Fliessformen 1-2-3». Fotos: Hanspeter Bärtschi

Ulrich Studer: «Fliessformen 1-2-3». Fotos: Hanspeter Bärtschi

Gesichter. Gesichter in allen Variationen, Farben, Mienen und jeder Mimik. Immer frontal den Betrachter anblickend. Michael Medici, 1965 in Solothurn geboren und inzwischen wieder in Nidau lebend, zeigt eine Auswahl Ölbilder auf Leinwand und zum Teil auf Papier, die sich intensiv mit dem menschlichen Gesicht auseinandersetzen. «Gring» nennt er sie, und es sind wahrhaftig ganz eigene und individuelle Porträts.

Mit heftiger bis wilder Geste und expressivem Pinselstrich gemalt, sind sie zu melancholischen Gesichtslandschaften geformt, eingebettet in ebenso bewegte Hintergründe. Mit traurigen oder fragenden Augen, lebhafter Farbpalette scheinen viele der Gesichter trotz des expressiven Ausdrucks vertraut, treten hier an wie eine Ahnengalerie des täglichen Erlebens, wie Ansprechpartner einsamer Atelierstunden.

Ruhe und Gelassenheit

Daneben gibt es auch kleinere Formate, in denen die Gesichter im monochrom wirkenden Hintergrund dem Gegenüber mit einer gewissen Ruhe und Gelassenheit begegnen. Die Bodeninstallation inszeniert eine bunte Palette menschlicher Gesichtsformen und Gefühlsmomente zu einer seltsamen Besammlung. Exzessiv nacheinander auf das Papier gebannt, zu loser Besammlung formiert, tragen sie all die Begegnungen des Künstlers, seine Mitmenschen, anonyme wie vertraute in sich.

Poetische Stimmung

Vier Monate hat Michael Medici in Berlin verbracht. Seine «Berliner Blätter» in Acryl auf Papier im Obergeschoss zeugen von diesen Einrücken und Erlebnissen. Malerisch verdichtet und vom Figurativen gelöst überlagern und durchdringen sich Situationen, Menschen, Stimmungen zur informellen, Persönliches verschlüsselnden Geste. Die Installation im Altarraum aus Bambusstäben und in rot verkleideten Lichtern lässt eine poetische Stimmung aufkommen.

Spektakulär wie legendär sind Ulrich Studers Lichtinstallationen, mit denen er in die Landschaft eingreift: das Land-Art-Projekt in der Verena-Schlucht bei Rüttenen, die magische «Viniterra» an den Rebmauern der linken Bielerseeseite, die metaphorische Beleuchtung der Lawinenverbauung des Schiahorns bei Davos oder auch das «Lichtzeichen» zwischen Herbetswil und Welschenrohr. Landschaftsinterventionen, die als landschaftliche Monumente die Betrachter Teil des Landschaftsspektakels werden lassen. «Ich bin Teil der Landschaft – sie ist ein Teil von mir», sagte der Künstler einst.

Kein Landschaftsmaler

Der 1955 geborene Ueli Studer ist kein Landschaftsmaler. Er beobachtet, erforscht und erspürt das landschaftliche Wesen auch als Frage der Wahrnehmung, ihrer Entstehung aus Zeit und Geschehen, als sein Blick auf innere und äussere Spuren. Seine bildnerischen Arbeiten sind die Ergebnisse einer schon philosophischen Auseinandersetzung. Ob im Jura, in Davos, im Tessin, in Steinbrüchen oder vulkanischen Gebieten, er sammelt Informationen aus dem Stein, erforscht die Signaturen der Landschaft, die Sedimente und Bruchzonen, die Materialität der Erdentwicklung.

Stets lässt sich der Künstler mit Atelier in Rüttenen und Twann vom Wesen des Ortes inspirieren, nimmt Vertiefungen, Erhebungen, die Eigenarten des jeweiligen Gesteins, prägt diese ins Papier, in Vlies, nimmt Linien und Konturen auf, um dann im Ateliers diese wissenschaftlich beobachteten landschaftlichen Dimension und Erosionszeichen zu vertiefen und zu erweitern.

Plastische Urlandschaft

Mit den kleinen und mittleren Reisereliefs aus zart farbigen Papierverformungen verwandelt er Abdrücke vulkanischer Böden beziehungsweise die geologischen Muster alpiner Geländelinien zur plastischen Urlandschaft. Im «Caput mortuum» zeichnet das rote Liniengeflecht innere Kraftlinien und äussere Signaturen des Juragesteins als Ausdruck tieferer Geschehen. Hinein wachsen seine inneren Bilder, Farbklänge als der Klang der Landschaft und ihrer Schichtungen. Oder er zeigt mit Venedig die untergründigen Spuren und Bewegungen einer Stadt auf vielfältigem Sediment gebaut.

Je grösser das Bild ist, umso mikrokosmischer ist die Fokussierung des Ausschnitts, der dann nur ein punktueller Teil eines Ganzen ist wie die Fliessformen, die sich als organartige Makrokosmen anbieten. Während er das Bild des kleinen Regentropfens, der auf der Erde gefässartig zerspringt, mit dem rötlichen Pigment zu sinnbildhaften «Quellgebieten» steigert. Eine Filmcollage lässt zudem die Landschafts-Lichtinstallationen nacherleben.

Bis 25. März. Mi/Do 16–19 Uhr, Sa/So 14–18 Uhr.