In Oensingen wurde am Kantonalen Konkursamt das Wohnhaus sowie eine weiteres kleines Stück Land von Bäcker und Confiseur Werner Rüegsegger versteigert. Dessen Einzelfirma mit diversen Bäckereifilialen in der Region, zirka 100 Angestellten und einem Umsatz von 4,8 Mio. Franken (2011) ging 2012 Konkurs. Wesentlich zur negativen Entwicklung hatte die im November 2008 erfolgte Verlagerung der Produktion von Mühledorf nach Nidau beigetragen.

Nach zwei Jahren mit tiefroten Zahlen habe sein Unternehmen seit September 2011 operativ wieder rentiert, erklärte Werner Rüegsegger 2012 gegenüber dieser Zeitung. Mit 1,4 Millionen Franken sei jedoch der Schuldenberg zu hoch gewesen. Es sei der Hauptgläubiger AHV gewesen, der das Konkursbegehren gestellt habe.

Ob dies die wenigen Interessierten im Steigerungssaal in Oensingen wussten? In Anwesenheit von Werner Rüegsegger und seiner Frau Mitsue ging das Anwesen knapp über dem Tiefstpreis der Gläubigerbank Spar- und Leihkasse Bucheggberg für 600 000 Franken über den Tisch. Käufer ist eine Privatperson aus Lohn-Ammannsegg. Auf den Käufer kommen weitere Kosten hinzu. An der Steigerung wurde bekannt gegeben, dass die Heizung saniert werden müsse. Zu erwartende Kosten: 40 000 Franken.

Kaum mehr Verwertbares

Konkursverwalter Marc Gasser erläutert zuvor auf Anfrage, warum das Anwesen in Mühledorf separat zur Versteigerung gelange. «Die Banken forderten eine Verwertung, um die auflaufenden Zinskosten stoppen zu können.» Möglich wurde die Versteigerung, weil ein Lastenverzeichnis gemacht werden konnte. Der nächste Schritt wird dann die endgültige Erarbeitung des Kollokationsplanes sein. Mit diesem werden die übrigen Forderungen aufgelistet, die von Lieferanten, ehemaligen Arbeitnehmern oder Sozialversicherungen stammen können. Für sie wird aber, wenn die Steigerung nicht einen Überschuss generiert, nur noch wenig übrig bleiben, denn substanziell wurde das meiste aus der Konkursmasse verwertet. Marc Gasser erinnert an die Notverkäufe der verschiedenen Läden. «Damit die Geschäfte mit den Arbeitnehmern weiter betrieben werden konnten.» Diese seien mit den Lagerbeständen übernommen worden. Gleichzeitig seien nach abgeschlossenem Schuldenruf die Restwaren verwertet worden.

(Zu) hohe Schätzung

Bitter ist die Versteigerung für die Familie Rüegsegger zu bewerten. Die konkursamtliche Schatzung des Gebäudes sei mit 1,51 Mio. Franken jenseits von Gut und Böse einzustufen, wie ein Insider sagte. Die Schätzung stammt aber nicht vom Konkursverwalter. Die Schätzung erfolgte von externer Stelle. Wer das Gebäude in Mühledorf gesehen hat, dürfte diesen Wert bezweifeln. Oder wie Marc Gasser es formuliert: «Hoffnung und Realität sind zwei paar Schuhe.» Es sei anzunehmen, dass weitere Interessenten durch die hohe Schätzung abgehalten worden seien, so der Insider weiter. Bitter ist das Ergebnis deshalb, weil Mitsue Rüegsegger ein Fünftel des Gebäudes gehörte. Sie habe sofort auf die konkursamtliche Grundstücksteigerung eingewilligt, erklärte der Steigerungsleiter.