Konzert
Knackeboul vor heimischen Publikum: «Dir sit aues geili Sieche!»

Rapper und Beatboxer Knackeboul fasziniert das Langenthaler Publikum beim Heimspiel. Der 30-Jährige, der inzwischen in Bern wohnt, erzählt von putzenden Frauen, fordert das Publikum auf, im Chor «putze» zu sagen – und schon ergibt sich der Sound.

Hans Mathys
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Knackeboul läuft in Langenthal zur Hochform auf.

Knackeboul läuft in Langenthal zur Hochform auf.

Hansjörg Sahli

Für einmal ist es ein völlig anderes Publikum, das sich im Langenthaler Stadttheater zum Geniessen nach hinten lehnt. Das mit dem Lehnen dauert aber nur kurz. David Lukas Kohler alias Knackeboul bezieht seine Fans gleich mit ein und klärt sie auf. Die Geräusche mit dem Mund nenne man Beatboxen, den Sprechgesang Rappen. Knackeboul zeigt, wie er mit Mund, Nase und Hals jene Geräusche erzeugt, für die er als Kind getadelt worden sei, und mit denen er heute Geld verdiene. Der 30-jährige Langenthaler, der inzwischen in Bern wohnt, erzählt von putzenden Frauen, fordert das Publikum auf, im Chor «putze» zu sagen – und schon ergibt sich der gewünschte Sound. «Hat es Frauen über 40?», fragt der geschäftige Rapper. «Jo», tönt es da und dort, «jawohl» von jener Frau in der drittletzten Reihe des mit 200 Fans besetzten Stadttheaters, die mit ihrem Mann und den zwei Kindern hier ist. Sie kommt blitzartig der Aufforderung Knackebouls «put your hands up in the air» nach – wie (fast) alle anderen im Saal auch. Ein eindrückliches Bild.

Die Stimmung ist heiss, weshalb sich der Rapper nach 24 Minuten seines Kittels entledigt. Er fordert das zumeist junge Publikum auf, drei Stichworte zu nennen, die er sogleich in einen Rap integrieren werde. «Fusspflege», wird ihm zugerufen, was Knackeboul sofort mit «ah, das ist Pflege im unteren Bereich» kommentiert und damit ein kollektives Gelächter auslöst. «Spengler» und «Bier» heissen die beiden anderen Stichworte – und Knackeboul beweist sein Talent. Er verwendet die gewünschten Worte zum Rap, entzückt seine Fans und läuft zur Hochform auf.

Nach 34 Minuten setzen Lichtblitze und Knackebouls Band «Mundartisten» neue Akzente. Das Publikum steht auf, schwenkt die Arme. «Merci vüu mou», schreit Knackeboul gerührt und zieht eine Zwischenbilanz, was das aktive Mitmachen des Publikums betrifft: «Mir hei scho vüu glehrt.» Hinter der Band illustrieren Filmsequenzen Texte des Rappers – auch zu «Sunneungergang» mit Bildern einer Trauminsel im Meer, die er mit seiner Lebensgefährtin besuchte. «I ha nes Wunger gseh», rappt Knackeboul und legt nach: «Nei, das aues isch ke Troum, s’sich würklech mini Frou.» Nun fragt der Hip-Hop-Star mit der Lust am Reimen, der im Februar mit «Moderator» den Sprung auf Platz 8 der Schweizer Albumcharts schaffte: «Hets Italiäner do?». Das «Jo» aus dem Publikum kommentiert Knackeboul mit «macht nüt». Er verabschiedet sich nach dem sentimentalen «Sunneungergang»-Rap mit einem auch vom Text her alles andere als melancholischen Titel und dem Kompliment ans Publikum: «Merci Langetau, dir sit eifach aues geili Sieche.»von

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