Kleinkultur boomt ausserhalb der Städte. Diese Feststellung gilt zumindest für die Anbieter. Beinahe in jeder zweiten Gemeinde organisieren Kulturverrückte, von der Gemeinde unterstützte Kulturgruppen oder kommerziell ausgerichtete Anbieter Jahres- oder Saisonprogramme. Was sagen die Anbieter zur These: Kleinkultur boomt auf dem Lande? Wir haben uns umgehört.

Seit 2007 organisiert in Biberist Kultur in der Kirche ein Jahresprogramm. Mitinitiatorin Susanne Sturzenegger berichtet von jeweils zwischen 90 und 130 Besuchern. Kultur auf dem Lande liege im Trend, sagt sie.

«Man muss nicht weit reisen, es kostet wenig und die Anlässe haben sich zu Treffpunkten gewandelt. Damit trifft man heute das Bedürfnis vieler Einwohner. Ich kenne Leute, die kommen immer, egal was angeboten wird, einfach weil sie den Anlass als Treffpunkt schätzen.»

Seit 1986 wird in Lohn-Ammannsegg Kultur angeboten, heute unter dem Namen «LaKultur». «Wir sind eine Kulturgruppe, handeln aber im Auftrag der Gemeinde», berichtet Sandra Bühler.

La bezieht sich im übrigen auf Lohn-Ammannsegg. Bis zu zehn Veranstaltungen werden jährlich angeboten. Die 120 Plätze seien oft ausverkauft. «Es sind intime Anlässe, man ist nahe am Künstler», begründet sie das rege Interesse des Publikums.

Als Organisator überlastet

Wirklich bestätigen mag Markus Flury den Trend nicht. Denn: «Wir haben Tradition.» Schon über dreissig Jahre bietet der Kulturverein Deitingen ein Programm an. «Auch wenn vielleicht Kultur auf dem Lande publikumsmässig boomt, sind wir als Organisatoren chronisch überlastet und suchen ständig neue Helfer.»

Es sei erstaunlich so der Präsident des Kulturvereins, dass das Interesse an den Anlässen hoch bleibe, obwohl die Vielfalt der Produktionen wachse. Und trotzdem will Markus Flury den Trend nicht nur bestätigen.

Ein kleiner Player, aber seit Jahren aktiv ist Urs König, der Konzerte in Messen organisiert. Drei, vier Veranstaltungen sind es jährlich. Seine Absicht habe sich bewahrheitet: «Musikalische Anlässe in der Region zu verwurzeln.» Heute würde das Publikum teilweise von weit anreisen. «Wir haben einen sehr guten Zulauf.»

«Idealismus stirbt aus»

«Wir arbeiten fest daran», berichtet Veronika Fluri von der Kulturkommission Rüttenen. Eben, dass Kultur auf dem Lande boomt. Seit 2005 organisiert die Kulturkommission 6 bis 8 «gut besuchte» Anlässe.

Einen Trend sehe sie aber eher in einer anderen Richtung. «Die Vereine serbeln und können oft nicht mehr das bisherige Kulturangebot aufrechterhalten.» Individualismus und Egoismus prägten die Gesellschaft. «Idealismus stirbt aus.»

Auch deshalb versuche die Kulturkommission den Begegnungen im Dorf eine Plattform zu geben und sehe sich als Trendsetter, der eben dem Kulturabbau entgegenwirke. «Wir versuchen mit den altansässigen Vereinen zusammenzuarbeiten etwa am Dorffest 2015.»

«Der Markt ist übersättigt»

Einer, der kommerziell von der Kultur zu profitieren hofft, ist Anton Meister, Geschäftsführer des Erlebnisgasthofes «Bühni» Chrütz in Aeschi. Ein- bis zweimal monatlich wird seit November 2013 eine Veranstaltung mit Essen angeboten.

«Das Interesse ist steigend.» Andreas Thiel habe 60 Besucher angelockt. Meister rechnet mit ausverkauftem Haus an den kommenden Anlässen. «Die Leute wollen Unterhaltung und etwas erleben.» Er kenne nichts anderes.

Im Dorf nebenan organisiert seit 2001 «estri.ch» im Dachstock des Gemeindehauses von Winistorf (Drei Höfe) Konzerte und etwas Comedy, wie Michael Frei berichtet. Für ihn ist der Boom vorbei.

«Der Markt ist eher übersättigt.» Deshalb habe sein Team die Anzahl der Anlässe von 15 auf 10 bis 12 pro Jahr heruntergefahren. «Wir haben weniger Bands, dafür etwas bekanntere.»

Teilweise in Konkurrenz zu «estri.ch» steht das Konzertangebot von Urs Bucher im Pisoni-Keller, Kriegstetten. «Sicher ist es ungünstig, wenn die gleiche Band in kurzem Abstand an beiden Orten auftritt.» Der Pisoni-Keller laufe ausgezeichnet.

«In der Saison bieten wir im Wochentakt Konzerte an.» Entscheidend sei eine gute Hand bei der Auswahl der Bands, denn diese sorgen mit ihren Fans dafür, dass der Keller gut besucht werde.

«Kultur interessiert immer mehr»

Rolf Baumberger steigt zuerst von der Leiter, bevor der Gartenfachmann und Präsident der Kulturkommission Oberdorf über «Kultur i dr Kächschür» berichtet. Sein persönliches Interesse an der Kleinkunst war 2012 die Triebfeder, regelmässig Kulturanlässe im Dorf zu organisieren.

«Die anderen in der Kulturkommission waren gottenfroh, dass jemand am Karren reisst.» Noch schwanken die Zuschauerzahlen zwischen 40 und 130. Aber ein Stammpublikum zeichne sich ab und zur These sagt Baumberg: «Doch Kultur interessiert immer mehr Leute. Aber vielleicht scheuen sie auch einfach den Weg in die Stadt.»

Doyen der Anbieter auf dem Lande ist der Kulturausschuss Gerlafingen, der seit 42 Jahren ein Programm auf die Beine stellt. «Wir können uns nicht beklagen», berichtet Vreni Bürki. Gemeint sind die Zuschauerzahlen. Bei 100 Plätzen seien immer mindestens 70 Plätze besetzt.

Den Trend spüre sie schon. Kultur auf dem Land boomt, zumindest bei den Veranstaltern, was die traditionsreicheren Anbieter jeweils zu spüren bekommen, wenn ein neuer Player auftritt.

«Terminmässig kommt man sich oft in die Quere.» Aber nichtsdestotrotz mag sie die Kulturarbeit nicht missen. «Es ist eine schöne Arbeit. Wir haben Freude, wenn die Leute Freude haben.»