«Soso, du hast auch so ein Hühnerhäuschen gekauft.» Diesen Spruch musste sich Fredi Anken manches Mal anhören, nachdem er sich anno 1983 entschlossen hatte, eines der 15 Häuser zu kaufen, die in der Blumenmatte von Kestenholz im Entstehen waren.

«Ich habe es nie bereut, mir und allen anderen, die hier wohnen, ist es bis heute sehr wohl.» In der Tat war die Skepsis zu Beginn sehr gross. Mehrfamilienhäuser gabs damals nur wenige, Einfamilienhäuser mit Garten, dazu mehr oder weniger grosser Umschwung, waren die Regel.

Sparsamer Umgang mit Landressourcen war zwar bereits ein Thema, wurde aber nicht als sehr dringend erachtet. Und jetzt sollten also auf jeweils rund fünf Aren grossen Parzellen in Serie 15 Einfamilienhäuser gebaut werden, die erst noch alle gleich aussehen. Das gebe, so wurde spöttisch bemerkt, eine Ansammlung von Hühner- oder Kaninchenhäuschen.

Für 320000 Franken zu haben

Doch die seinerzeitige Baufirma Meier und Jäggi mit Sitz in Balsthal und Breitenbach hatte mit dieser Art, Einfamilienhäuser verdichtet aufzustellen, andere Erfahrungen gemacht, indem sie in Duggingen und Breitenbach kleine Quartiere entstehen liess – mit Erfolg.

In Kestenholz war die Firma Teil eines Konsortiums, die das Areal Blumenmatte einem Architekten abgekauft hatte. Dieser wiederum hatte das Land von den Erben des Viktor Meier-Ingold, seinerzeit Wirt und Inhaber des Gasthofs Eintracht, erworben, um Mehrfamilienhäuser darauf zu bauen, scheiterte aber. Und weil es auch im Konsortium nicht weiterging, holte die genannte Baufirma von den Teilhabern die Kompetenz, die Überbauung durchzuziehen.

Erschwinglich sollen die Häuser sein, es gab auf Wunsch auch fix fertige inklusive einer minimalen Inneneinrichtung für rund 320000 Franken zu haben. Käufer konnten aber auch mit Eigenleistung zur Finanzierung beitragen. Stirnrunzeln löst heute aus, was man damals unter sparsamen Energieverbrauch verstand: Mit 1500 bis 2000 Liter Heizöl pro Haus und Jahr könne man durchkommen.

Vorurteile bestätigt – am Anfang

Im September 1982 war Baubeginn in der Blumenmatte, die Häuser waren schnell verkauft. Jedoch nicht an die skeptischen «Ur»-Kestenholzer. Diese bekamen sogar Recht mit ihren Vorurteilen – zumindest in der ersten Phase. Das Quartier bekam den Namen «Klein Kriegstetten», da es kräftig Streit gab.

Nach einigen Bewohnerwechseln legte sich das dann aber relativ schnell. Es kamen Leute, die bewusst ein kleines Eigenheim mit etwas Umschwung suchten. Und sich vor allem darauf einstellten, wie sich das Leben in einem Quartier wie diesem abspielt, wenn das Wort Nachbar stärker zutrifft als in einem herkömmlichen Einfamilienhausquartier.

«Die Stimmung ist locker, offen und freundlich. So ist es gut und stimmt für alle», sagt Fredi Anken, der zu den ersten Bewohnern gehörte. Das funktioniere, ohne dass man mit Quartierfesten nachhelfen müsse. Es blieb das einzige Quartier dieser Art in Kestenholz.

Nach und nach wurden dann doch grössere Überbauungen geplant, aber nicht alle realisiert. So jene im Rütteli, nahe der Blumenmatte. Dagegen formte sich ein ganzes Komitee und brachte die Pläne zu Fall. Derzeit wird in exponierten Hanglagen gebaut, so wie etwa innerhalb der Haarnadelkurve an der Strasse Richtung Wolfwil.