Made im Kanton Solothurn
Kisag AG in Bellach eroberte mit ihrem Rahmbläser die Küchen weltweit

In einer unscheinbaren Fabrik in Bellach erfunden, entwickelt und produziert, setzte in den 1960er-Jahren ein Solothurner Haushaltsprodukt zum internationalen Siegeszug an. Walter Kissling, ein typischer Tüftler und Gründer der Firma Kisag AG in Bellach, gelang mit seinem Rahmbläser ein Welterfolg.

Franz Schaible
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Kisag-Chef Urs Brüngger forciert die Produktion von Küchenhelfern aus Kunststoff

Kisag-Chef Urs Brüngger forciert die Produktion von Küchenhelfern aus Kunststoff

Hansjörg Sahli

In einer unscheinbaren Fabrik in Bellach erfunden, entwickelt und produziert, setzte in den 1960er-Jahren ein Solothurner Haushaltsprodukt zum internationalen Siegeszug an. Walter Kissling, ein typischer Tüftler und Gründer der Firma Kisag AG in Bellach, gelang mit seinem Rahmbläser ein Welterfolg. Millionenfach verkauft, erleichterte das Gerät in Haushalten und im Gastgewerbe die Herstellung von Rahm – das mühsame Schwingen war passé und der Bläser setzte spielend luftige Dessertträume in die Realität um.

Konkurrenz durch Spraydose

Ab dem Jahr 2000 zeichnete sich das Ende des Verkaufsschlagers ab. «Die neu auf den Markt gekommenen Einweg-Rahmspraydosen eroberten sofort die Küchen in der Schweiz und in den Exportmärkten», erklärt der 53-jährige Urs Brüngger, der den Familienbetrieb seit 1995 führt. Kurz vor Weihnachten 2002 wurden die letzten Rahmbläser in der Bellacher Fabrik hergestellt. «Es herrschte Friedhof-Stimmung im Betrieb», erinnert sich Brüngger. Nebst dem Nachfrage-Rückgang sorgte bereits damals der Wechselkurs für starkes Bauchweh. «Mit dem überbewerteten Franken und den kleinen Margen war eine Herstellung in der Schweiz nicht mehr möglich.» Seit damals werden die Bläser, neu aus Edelstahl statt Kunststoff, in Österreich produziert; vertrieben werden sie aber weltweit weiterhin unter dem Namen Kisag. Den heutigen Umsatzanteil der Rahmbläser bei der Kisag AG schätzt Brüngger auf etwa 30 Prozent. Mit der Verlagerung und der gleichzeitig initiierten Neuausrichtung auf andere Haushaltsprodukte sei es gelungen, die Arbeitsplätze grösstenteils in Bellach zu erhalten.

Stabmixer und Gasrechauds

Er spricht von einer Sortimentsbereinigung, um den Ausfall des einst grössten Umsatzträgers zu kompensieren. Brüngger erwähnt insbesondere den Ausbau der Produktion von Apparaten für die Gastronomie, wie etwa Stabmixer oder gasbetriebene Tischkocher. Die in Bellach hergestellten Gasrechauds seien bei Profis in Restaurants, Cateringbetrieben, Hotels sowie bei Privatpersonen im Haushalt im Einsatz.»Es ist uns gelungen, dank stetigen Innovationen auch bei den Rechauds die Marke Kisag als Synonym für Qualität zu etablieren.» Zudem sei mit dem Bereich Küchenhelfer ein neues, wichtiges Standbein entstanden. Das Spektrum ist gross und reicht vom Dosenöffner, Sparschäler über Teigschaber bis hin zu Kochlöffel aus Holz und Kunststoff. Den Grossteil kann die Kisag über Grossverteiler, Warenhäuser sowie Cash+Carry-Märkte absetzen.

Ein Jahr lang Knoblauch gepresst

Ein aktuelles Beispiel sei eine neu entwickelte Knoblauchpresse, mit der Kisag seit einigen Monaten auf dem Markt ist. «Sie musste besser sein als die bisherigen, aber nicht teurer», umschreibt Brüngger die Vorgabe. Der Presseinsatz muss entfernbar sein zum einfachen Reinigen, der Hebeldruck muss genau stimmen. «Dazu haben wir ein Jahr lang intern Knoblauch gepresst», sagt er lachend. Inzwischen habe man mit der Presse in Ländern mit hohem Knoblauchverbrauch wie Israel, Iran oder in den USA Fuss gefasst. In der Schweiz stünden die Chancen gut, dass die Knoblauchpresse in die Verkaufsregale eines Grossverteilers kommen wird.

Mit 21 Angestellten bestreitet Brüngger die Entwicklung, den Prototypenbau sowie den Vertrieb und das Marketing von Bellach aus. Kisag arbeitet mit rund 100 Zulieferern aus der Schweiz, Europa und Fernost zusammen, die Montage der Einzelteile erfolge aber in Bellach, was entscheidend sei für die Qualitätssicherung. Ausgebaut hat Brüngger in Bellach hingegen die Produktion der Küchenhelfer-Artikel aus Kunststoff. «Wir haben dementsprechend in den Maschinenpark und in ein neues Gebäude investiert.»

Hauptmarkt für Kisag ist mit 85 Prozent des Umsatzes die Schweiz. Konkrete Zahlen gibt das Familienunternehmen nicht bekannt. Nur so viel: «Der Umsatz bewegt sich im unteren zweistelligen Millionenbereich.» Trotz tiefer Exportquote drücke der starke Franken indirekt auf die Marge, weil durch vergünstigte Importprodukte auch in der Schweiz ein Preisdruck bestehe. «Die Internationalisierung ist stark vorangeschritten, die Konkurrenz durch in die Schweiz drängende Mitbewerber wird grösser», zeigt er den Mechanismus auf. In den vergangenen Jahren sei es gelungen, den Umsatz jährlich um zwei bis drei Prozent zu steigern,

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