Die Kindergarten- und Schuleinteilung hat einige Eltern auf dem falschen Fuss erwischt. Über 130 Um- und Neueinteilungen nahm die Schulleitung vor. Zwölf Beschwerden wurden eingereicht (wir berichteten). Sieben davon betrafen den neuen 6. Kindergarten, der im Schulhaus Steinmatt eingerichtet werden soll.

Allesamt wurden sie vom Gemeinderat abgewiesen. Besonders gross ist der Unmut bei einigen betroffenen Eltern, die im Oberdorf wohnen. Statt um die Ecke sollen ihre Kinder künftig bis zu einer halben Stunde pro Weg laufen müssen.

Beispielsweise Levin: der 5-jährige Kindergärtler von der Maisfeldstrasse 11 rutschte letztes Jahr als einer der Jüngsten in den Kindergarten. Nach einem Jahr im Kindergarten Mitteldorf soll nun der weiter entfernte Kindergarten Steinmatt Levins neuer Schulort sein. Sein Vater Oliver Kaufmann erklärt auf Anfrage, wie der Entscheid begründet wurde. Er sei ein Schweizer Kind, das keine Probleme verursache, aus intakter Familie komme und deshalb sozial verträglich (Ergänzung des Vaters: «Somit hilfreich für die Statistik»).

Als der Bub von der Umeinteilung vernahm, habe er mit gesundheitlichen Beschwerden reagiert. «Seither will er nachts immer bei mir schlafen. Es beschäftigt ihn sehr, nicht mehr in der gewohnten Umgebung und mit seinen bisherigen Freunden sein zu dürfen. Auch wird seine 1½ Jahre ältere Schwester weiterhin im Mitteldorf zur Schule gehen.» Im Gemeinderat wurde ihre Beschwerde abgewiesen, wie alle anderen auch. «Wir waren dabei, durften aber nichts sagen. 5 zu 5 ging die Abstimmung aus. Der Gemeindepräsident gab den Stichentscheid.»

Wiedererwägungsgesuch

Er wolle nun ein Wiedererwägungsgesuch einreichen, versehen mit einer Empfehlung nach einer medizinischen Untersuchung. Dieses ermögliche wiederum eine Beschwerde. Er hoffe auf den gesunden Menschenverstand. «Man hat ja gesehen, wie knapp es ausging», so Kaufmann. Weiter wolle er zum Wohle des Kindes nicht gehen. «Beim Kanton haben wir keine Chance, weil dort nur formal geprüft wird, ob die Einteilung nach den aufgestellten Kriterien erfolgte.» Bleibt es bei dieser Schuleinteilung, werde seine Frau die beiden schulpflichtigen Kinder jeweils am Mittag mit dem Auto von der Schule abholen müssen, um den Bedürfnissen der drei Kinder möglichst gerecht zu werden.

Ebenfalls im Oberdorf wohnen die Familien Terranova und Legittimo. Die Eltern von Kindergartenkindern sind masslos enttäuscht. Maria Terranova hat seit 13 Jahren im Oberdorf ihr Geschäft und das Leben auch darauf ausgerichtet, dass der Kindergarten in der Nähe ist. «Dieser Entscheid hat direkte Auswirkung auf mein Berufsleben.» Ihr Mann Salvatore sagt: «Unser Haus haben wir vor 18 Monaten erworben, auch weil die Schule Oberdorf gleich nebenan liegt.»

Sie haben im Januar in einer Mail die Schulleitung gebeten, ihr Kind Sofia in den nahen Kindergarten Oberdorf einzuteilen. «Nun wird unser Kind Beziehungen mit Kindern haben, die sie nach der Schule sicher nicht weiterpflegen kann, denn sie sind Kilometer voneinander entfernt.» Zudem wäre der künftige Schulweg nicht ungefährlich, sind die Eltern überzeugt. Teilweise fehle das Trottoir, und einige Quartierstrassen seien beliebte Abkürzungen und stark befahren. «Ich kann mein Kind nicht auf diesen Schulweg schicken. Ich muss es fahren.»

Mit dem Auto fahren

Vor drei Jahren aus Basel zugezogen sind Claudia und Renzo Legittimo. Auch sie wählten ihren Wohnsitz, weil das Schulhaus Oberdorf gleich nebenan liegt. Noch eine Woche vor dem Einteilungsbescheid fand das Gespräch mit der Kindergärtnerin statt. Serena braucht Förderung. «Und jetzt soll sie plötzlich in eine ganz neue Umgebung mit neuen Kindern und neuen Lehrkräften», ist Renzo Legittimo entrüstet. Ihnen sei als Begründung erklärt worden, dass Serena den neuen Kindergarten Steinmatt wegen Sofia besuchen müsse.

Dann könnten die beiden Kinder jeweils gemeinsam den langen Weg gehen. «Unsere Tochter müsste über Mittag eine Stunde laufen, damit sie eine halbe Stunde zu Hause sein kann. Ein Erwachsener würde das nicht machen, aber ihr mutet man dies zu», sagt Claudia Legittimo. Das Fazit ist klar: «Wenn mein Kind dorthin gehen muss, werde ich sie jeden Tag mit dem Auto bringen müssen.»

Beide Familien wollen den Beschwerdeweg weitergehen.