Es ist fünf Uhr früh. Auf dem Pausenplatz des Schulhauses Mühledorf finden sich müde, aber gespannte Kindergesichter. Nein, die Schule beginnt im neuen Schuljahr nicht schon zu dieser frühen Stunde. Ausserdem sind die Sommerferien erst zur Hälfte um. Die noch etwas verschlafenen Gesichter gehören zu 14 Ferienpass-Teilnehmern.

Sie brechen auf zu einem «Sommermorgen mit den Jägern im Wald». Einzeln oder zu zweit machen sich die Kinder mit je einem Jäger in die Jagdreviere Aetingen und Lüterswil auf, um Tiere zu beobachten. «Der Buechibärg ist in sieben Reviere aufgeteilt, zum gleichen Hegering gehört auch das Revier Biberist», erklärt Jäger Kurt Altermatt.

Nach zwei Stunden klettern die Kinder wieder vom Hochsitz herunter und besammeln sich nach einem «Pirschgang» durch den Wald beim «Hüsli Eichiberg». «Welche Tiere habt ihr gesehen?», wollen Jäger und Kinder voneinander wissen. «Ich habe vier Rehe, einen Fuchs und eine Unmenge Vögel gesehen», berichtet Lars. «Und drei Katzen», ergänzt Anna. «Ich habe einen Mäusebussard gesehen und gehört», erzählt Pascal. Auch Hasen, Eichhörnchen, Rehböcke und ein schwarzer, sogenannter Kohlfuchs seien gesehen worden.

Geheime Jägersprache

Nach einer Spielpause für die Kinder und Kaffee-Pause für die Jäger zeigt Jägerin Catherine Müller den Kindern, was in den Jägerrucksack gehört. Sie verrät den Kindern, wie die Utensilien in der Jägersprache heissen. Den ‹Filz› trage man auf dem Kopf – der Hut des Jägers. «Den Feldstecher nennen wir Glas oder Spiegel, das Gewehr heisst Büchse.» Und ‹Schweiss› heisse Blut. Ein ‹Schweisshund› sei demnach ein Hund, der die Fährte eines verletzten Tieres aufspüren kann.

Mit Jagdleiter Ueli Haas dürfen die Kinder ‹spiegeln›. Mit verschiedenen Fernrohren suchen sie Tierattrappen, die zwischen den Bäumen versteckt sind. Anschliessend lernen die Kinder vier Jagdhunde kennen, Glatthaarfoxterrier Diana, Kurzhaardackel Uschka, und die Rauhaardackel «Hexe von der Mardereiche» sowie Ella. Jäger Hans-Jörg Blankenhorn zeigt den Ferienpass-Kindern die ‹Reizangel›, mit der die Welpen lernen, eine Fährte aufzunehmen. Mit Jäger Ueli Andres und Hündin Ella begeben sich die Kinder auf eine Fährtensuche. Zum Abschluss bräteln Kinder und Jäger eine – nicht selbst erlegte – Wurst.

Altermatt freut sich, dass der Jägermorgen auch dieses Jahr ausgebucht war. «Es macht uns Freude, den Kindern unsere Tätigkeit zu zeigen.» Dies sei eine Möglichkeit, etwas zurück zu geben, als Dank dafür, im Revier jagen zu dürfen. «Ausserdem können wir das Verständnis der Eltern und Kinder für die Jagd fördern und einen Bezug zur Natur schaffen.» Vielleicht begeistere sich der eine oder andere Ferienpass-Teilnehmer dafür, selber Jäger zu werden. Gut tun würde es dem Jägernachwuchs, so Müller. «Im Kanton Solothurn schliessen pro Jahr nur etwa 20 Personen die Jagdprüfung ab.»