Beim Kanton liegen seit über zwei Jahren mehrere Konzepte und Planungen, die die Gemeinde Biberist betreffen. Dies, weil die Überarbeitung der Ortsplanung schon weit fortgeschritten ist.

Unabhängig davon wurde auch der Gestaltungsplan für das Areal «St. Urs» erarbeitet und dem Kanton zur Vorprüfung eingereicht. Nun kam die Reaktion der kantonalen Behörden: Viel Kritik an den Konzepten und als Konsequenz davon ein deutliches Nein zum Gestaltungsplan für den «St. Urs».

«Die Planung für das Areal des St. Urs stimmt unserer Meinung nach nicht mit der Planung für den Ortskern überein», erklärt Markus Schmid (Amt für Raumplanung, Kanton Solothurn).

Auch die Abstimmung mit dem räumlichen Leitbild sei ungenügend. «Ausserdem genügt die Bebauung, wie sie vorgeschlagen wird, städtebaulich und architektonisch an diesem exponierten Ort nicht.»

Laut Schmid sehe der Gestaltungsplan «ein Stück Stadt mit einer hohen Nutzung vor.» Das passe nicht in die Umgebung. Schmid schlägt vor, einen Wettbewerb zu lancieren, der eine bessere Lösung für das Areal «St. Urs» bringen könnte.

«Wir machen weiter»

Benno Probst (dipl. Architekt FH, Felber Architekten) hat den negativen Entscheid des Kantons zur Kenntnis genommen. Hanspeter Stern, einer der beiden Eigentümer des Areal «St. Urs», weilt zurzeit in Amerika.

«Aber wir haben per Mail miteinander kommuniziert», so Probst. Er werde als Erstes die Kritik des Kantons genau studieren und dann eine neue Auslegeordnung machen. «Die Eigentümer sind interessiert weiterzumachen.»

Der Gestaltungsplan für das Areal des «St. Urs» lehnt sich stark an die Rahmenbedingungen an, die von einem spezialisierten Büro (siehe Artikel rechts) im Auftrag der Gemeinde erarbeitet und vom Gemeinderat im Jahr 2010 genehmigt wurden.

Entlang der Hauptstrasse soll ein markanter viergeschossiger Bau erstellt werden, ein zweiter Baukörper würde dann an den Hauptbau angehängt und der Bleichemattstrasse entlang platziert. Da es sich erst um einen Gestaltungsplan und nicht ein Bauprojekt handelt, ist die genaue Nutzung und das exakte Aussehen der Baukörper noch nicht bis ins Detail festgelegt.

«Wir haben den Auftrag zur Planung vom Eigentümer», macht Propst deutlich. Dieser sei daran interessiert, möglichst bald einen Neubau zu realisieren. «Mit der Kritik des Kantons und der Aussage, dass wir die Umgebung zu wenig beachten, sind wir jetzt schon etwas eingeklemmt.»

«Das kommt etwas spät»

Gemeindepräsident Martin Blaser versteht die negative Rückmeldung der kantonalen Behörden auch nur teilweise. «Als uns das Projekt für das Areal St. Urs im Gemeinderat vorgestellt wurde, war uns bewusst, dass es sich von der Umgebung abhebt.»

Aber die Behörden möchten, dass die Lücke, die der abgebrannte «St. Urs» hinterlassen hat, gefüllt wird. «Als Biberister gewöhnt man sich nicht an das Loch im Ortsbild und eine Entwicklung im Ortsbild ist wahrscheinlich nicht ganz zu vermeiden», so Blaser.

Grundsätzlich sei es am Eigentümer, das Areal zu überbauen. Die Gemeinde habe aber Vorarbeiten geleistet und eine Studie erstellen lassen, die Varianten aufzeigt. Dabei wurde nicht nur die Parzelle des «St. Urs» eingebunden, sondern auch die angrenzenden Grundstücke und das Afeg-Areal, das bis heute als Parkplatz dient (siehe Artikel unten).

Ausserdem hat die Gemeinde aktiv - wenn auch erfolglos - nach Investoren gesucht. «Wir waren ständig mit den Eigentümern und dem Kanton im Gespräch. Die im letzten Frühling verlangten Änderungen am Gestaltungsplan wurden meines Wissens ausgeführt.»

Das Nein des Kantons komme darum etwas spät, findet Blaser. Problematisch ist für Blaser auch die Verknüpfung mit der laufenden Ortsplanung. Die Planung für das Areal «St. Urs» sei situationsbedingt bewusst parallel vorangetrieben worden.

Nachdem sich «der Rauch etwas verzogen habe», gelte es nun die neue Situation zu analysieren und das weitere Vorgehen festzulegen. Tatsache sei, dass die Gemeinde Planungsbehörde sei und es ein vom Gemeinderat verabschiedetes Planungsinstrument gebe, das aufzeige, wie sich Biberist die Gestaltung des Zentrums (vom RBS-Bahnhof bis zur Emmenbrücke) vorstellt.

Ein Termin mit den Eigentümern des Areals «St. Urs» sei bereits fixiert, um deren Möglichkeiten und Absichten in Erfahrung zu bringen. Immerhin habe der Kanton signalisiert, dass er die Gemeinde bei der weiteren Entwicklung unterstützen werde.