Gerlafingen

Kanton will Asylsuchende im Gerlafingerhof unterbringen

Der Kanton Solothurn will im Gerlafingerhof ein Asylzentrum mit 50 Asylbewerbern einrichten. Diese Idee kommt beim Gerlafinger Gemeinderat gar nicht gut an. Schon wird von zivilem Ungehorsam gesprochen.

Die schriftliche Mitteilung, dass der Kanton Solothurn vorhabe, im Gerlafingerhof Nähe Bahnhof und Stahlwerk ein Asylzentrum für 50 Asylbewerbende einzurichten, stiess am Donnerstagabend im Gerlafinger Gemeinderat auf Enttäuschung, Unverständnis, Frust und Wut. «Das ist das Letzte, was wir hier mitten in unserem Dorf brauchen können», hiess es in der emotionalen Aussprache im Rat. Gerlafingen habe seit Jahrzehnten eine grosse Leistung in der Integration von Ausländern erbracht, die gegenwärtig rund 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen. «Aber ein solche problematische Platzierung macht unsere fruchtbaren und erfolgreichen Bemühungen kaputt.»

Tiefer Ärger in allen Fraktionen machte sich breit: «Wir werden das nicht widerstandslos hinnehmen.» Gerade noch hat sich Gerlafingen, das mit einer Delegation beim Amt für Gemeinden vorsprach und etwas Unterstützung in seiner gegenwärtig schwierigen finanziellen Lage erhoffte, eine kräftige Abfuhr geholt. Die im Rat festgehaltene Aussage eines Mitarbeiters im Amt für soziale Sicherheit: «Dann muss Gerlafingen eben schauen, attraktiver zu werden, um mehr Steuersubstrat zu generieren», wurde jetzt im Licht der neuen Situation als blanker Zynismus bewertet.

Bei der geplanten Einrichtung des Zentrums habe man sich in der Solothurner Amtsstelle wohl gedacht, dass «eine solche Zuweisung für das Wasserämter Industriedorf wohl eh keine Rolle mehr spiele, weil wir ja immer die Zwei auf dem Rücken haben», hielt Gemeindepräsident Peter Jordi voller Verbitterung fest. Dagegen nütze kein noch so kreativ aufgezogenes Gerlafinger Standortmarketing.

Ziviler Ungehorsam angedroht

Der Rat bekräftigte nochmals, dass Gerlafingen unverschuldet in die gegenwärtig schlechte Finanzlage geraten sei, weil die Summe der Aufgaben - insbesondere der gebundenen- die Einnahmen übersteige. Das System des Finanzausgleichs und der Bildungssubventionen mit seinen Schwankungen bestrafe zudem Gemeinden mit zwischenzeitlich guten Jahresabschlüssen. «Wir müssen dringend für unsere zahlenmässig grosse Jugend ein Schulhaus bauen, aber der Kanton zeigt uns die kalte Schulter», zählten Sprecher ihr Unbehagen auf. «Wir sollten uns überlegen, dem Kanton gegenüber nicht mehr gehorsam zu sein. So kann es für uns nicht weitergehen», warf Beat Blaser (SVP) in die Diskussion ein.

Wieso das Amt für Gemeinden bei den bereits kommunizierten 60 Angeboten zur Unterbringung von Asylbewerbenden ausgerechnet auf Gerlafingen gekommen sei, blieb eine offene Frage.

Der Eigentümer des Gerlafingerhof, in dessen Gebäudeumfeld die Polizei immer wieder für Ordnung sorgen muss, hatte sich offentbar gemeldet, um seinen Hotelbereich durch einen privatrechtlichen Vertrag dauerhaft vermietet zu wissen. «Aber das wäre für uns Gerlafinger eine Katastrophe», waren sich alle Ratsmitglieder einig. Schon in den nächsten Tagen wird eine Arbeitsgruppe Protest und Widerstand überparteilich organisieren.

«Es wird einen Aufschrei geben»

Im ersten Schritt verurteilte der Rat den Standortentscheid auf's Schärfste. Ermutigt sei man indes durch die Beispiele im Aargau und auf Jurahöhen, wo die Bevölkerung ein Umdenken und den Verzicht auf die Ansiedlung von Asylzentren erzwang.

Aus der Ratsmitte kam die Idee, dass der Kanton doch in eigenen Liegenschaften derartige Betreuungszentren einrichten solle. Etwa in den jetzt leerstehenden Gebäuden im Borregard-Areal, lautete eine Empfehlung. Der Rat malte sich aus, wie die Gerlafinger Bevölkerung auf das geplante Zentrum im Dorf reagieren werde. «Es wird einen Aufschei geben. Von uns als Rat werden die Gerlafinger fordern, alle Mittel wahrzunehmen.»

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