Geht es nach Urs Zuber, können die Fahrenden kommen. Der Platz hinter seinem Stall beim Schlösschen Vorder-Bleichenberg muss nur noch hergerichtet werden. Die Anhöhe muss eingeebnet, der Miststock aufgehoben, ein paar Büsche müssen gerodet und Strom- und Wasseranschlüsse installiert werden. Doch eine grosse Hürde sei dies nicht, sagt Zuber.

Dann könnten gleich neben der ehemaligen Strafanstalt schon bald 5 bis 10 Stellplätze für Fahrende eingerichtet werden. «Zwei Familien aus Rüttenen sind interessiert, die kenne ich bereits», sagt Zuber. «Ich sehe keine Probleme.» Anfang 2012 hat der Landwirt die Gebäude bei der ehemaligen Aussenstation Bleichenberg der Strafanstalt Schöngrün für 50 Jahre im Baurecht übernommen. Die Felder pachtet er vom Kanton. «Ich unterstütze das Vorhaben.»

Der Kanton bezahlt

Und eben dort, auf Biberister Boden, will der Kanton Solothurn einen Standplatz erstellen, und zwar für «die ethnische Minderheit der in der Schweiz wohnhaften aktiv Fahrenden». So steht es im Entwurf zum neuen kantonalen Richtplan. Druck macht in dieser Sache auch der Bund; er verpflichtet die Kantone, das Thema Fahrende in die Richtpläne aufzunehmen. «Im Kanton gibt es derzeit keinen eigentlichen Standplatz», sagt Rolf Glünkin, Leiter Grundlagen im kantonalen Amt für Raumplanung. Einzig in Grenchen gibts einen Durchgangsplatz (siehe Kontext). Nun sollen im Raum Solothurn bis Olten ein bis zwei Plätze entstehen. Mit den Organisationen der Fahrenden stehe man in intensivem Kontakt, eine kantonale Arbeitsgruppe sucht nach Lösungen.

«Ein Platz könne den Raumbedarf für die nächsten 10 bis 15 Jahren abdecken», sagt Glünkin. Angestrebt werden eher kleine Plätze, weil es dort weniger Belastungen gebe. Finanziert werden die Standplätze durch den Kanton, gerechnet wird in Biberist mit 100 000 bis 200 000 Franken. Für die Gemeinde sollte der Betrieb kostenneutral sein, für Bauer Zuber gäbe es wohl eine Entschädigung.

Nicht ausserhalb der Bauzone bauen

Also Bahn frei für die Jenischen auf dem Bleichenberg? So schnell geht es nicht. Denn für die Mehrheit der Baukommission Biberist, die das Geschäft vorberaten hat, kommt ein Standplatz auf dem Bleichenberg nicht infrage. «Die Kommissionsmehrheit sieht den Platz als nicht geeignet an», sagt Uriel Kramer, Präsident der Baukommission. Grund: Der Platz liege in der Landwirtschaftszone. «Ist es richtig, ausserhalb einer Bauzone Platz für Fahrende zu schaffen?», fragt Kramer rhetorisch. Stattdessen hat die Baukommission bereits einen anderen, «geeigneteren» Standort in der Region ins Auge gefasst, den sie dem Kanton vorschlagen will. Entscheiden wird der Gemeinderat nach den Sommerferien. Wo der Alternativstandort liegt, will man bis dahin nicht sagen.

Bevor die Standplätze realisiert werden, müsste das Gebiet auf dem Bleichenberg in eine gemischte Zone für gewerbliche und Wohnnutzung umgezont werden. Eine lärmige Industriezone käme nicht infrage. Weil es um eine einzelne Erweiterung und nicht um einen grundsätzlichen Entscheid zur räumlichen Entwicklung oder eine Erweiterung des Siedlungsgebiets gehe, braucht es dafür keine Ortsplanungsrevision. Werden die Standplätze aufgehoben, könne leicht wieder rückgezont werden, sagt Rolf Glünkin. Zudem bräuchte es einen Wasser- und Stromanschluss, aber keinen befestigten Platz. «Die Fahrenden stellen keine hohen Ansprüche.» Sie leben in Wohnwagen, stellen aber für die Ausübung ihres Gewerbes, etwa Schleifarbeiten, Geräteschuppen auf.

Kein Freund des Vorhabens ist FDP-Kantonsrat Markus Grütter, der in der Nähe des geplanten Platzes wohnt. «Es ist der falsche Ort», sagt Grütter. Nicht, weil er in der Nachbarschaft lebe, sondern in erster Linie, weil das Landschaftsbild beeinträchtigt werde. «Das Schlösschen Vorder-Bleichenberg ist ein Kulturgut, dort gehört kein Standplatz hin.» Er nennt Lärm und andere Emissionen als weitere Gründe gegen einen Standplatz. Der Gemeinderat solle sich starkmachen und dem Kanton eine Alternative vorschlagen.

«Menschlich kaum nachvollziehbar»

Daniel Huber hat kein Verständnis für den Widerstand aus Biberist. Er ist Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse und vertritt die Jenischen in der Schweiz. In seinen Augen ist es höchste Zeit, dass im Kanton Solothurn Platz für Fahrende geschaffen wird. «In den Nachbarkantonen Bern oder Aargau wurden längst solche Plätze realisiert.» Seit Jahren suche man den Durchbruch auch im Kanton Solothurn – bisher ohne Erfolg. Von den 35 000 Fahrenden in der Schweiz, von denen 5000 auf der Reise sind, lebten viele im Kanton Solothurn. «Wir gehören seit Jahrhunderten zum Landschaftsbild.»

Raumplanerische Bedenken sind für Huber «menschlich kaum nachvollziehbar». Die Vorurteile gegen Fahrende hingen vor allem mit schwierigen Einzelfällen zusammen, die Schlagzeilen generierten. Das sei bei von den Jenischen nicht zu erwarten. «Wir sind in den Gemeinden angemeldet, zahlen Miete für die Standplätze und unsere Kinder gehen zur Schule. Wir brauchen unseren Lebensraum.»