Gänsbrunnen
Kanton hat den Thaler Landgasthof als Asylzentrum im Blick

Wird das idyllische 100-Seelen-Dorf im Bezirk Thal schon bald die Heimat zahlreicher Asylbewerber? Wenn es nach dem Willen von Martin Jaggi alias Ralph Martens geht – dann ja.

Elisabeth Seifert
Drucken
Teilen

Der in der Musikszene bekannte Moderator und Sänger Martin Jaggi alias Ralph Martens besitzt in Gänsbrunnen zwei Liegenschaften, das Hotel St. Josef und das Gruppenhaus «Zentrum zum Mühlehof». Beide Häuser hat er jetzt dem Departement des Inneren zwecks Einrichtung eines Asylzentrums zum Kauf angeboten.

Und die Räumlichkeiten entsprechen offenbar den Ansprüchen des Kantons, der zurzeit fieberhaft auf der Suche nach geeigneten Asylunterkünften ist. So hat sich jedenfalls, wie Gemeindepräsident Ernst Lanz gestern gegenüber dieser Zeitung sagte, für den 16.Oktober hoher Besuch angekündigt. Regierungrat Peter Gomm und verantwortliche Mitarbeitende im Departement des Inneren wollen dann den Gemeinderat über ihre Pläne informieren.

Widerstand angekündigt

«Das ist eine bodenlose Frechheit», lässt Gemeindepräsident Ernst Lanz seinem Ärger über ein geplantes Asylzentrum freien Lauf. «Die Stadt Solothurn kündigt einfach den Vertrag für die Nutzung der Zivilschutzanlage beim Bürgerspital und jetzt sollen wir die Leute nehmen». Gänsbrunnen sei schlicht zu klein für ein Asylzentrum: «Es kann doch nicht sein, dass wir in Gänsbrunnen bald mehr Asylsuchende haben als Einwohner.»

Damit dürfte klar sein: Die hochrangige Delegation des Kantons wird am 16.Oktober kein leichtes Spiel haben, den Gemeinderat zu überzeugen. Neben Peter Gomm stehen Marcel Chatelain, Chef im Amt für soziale Sicherheit und Claudia Hänzi, Leiterin der Abteilung für Sozialleistungen und Existenzsicherungen, der Gemeinde Red und Antwort. «Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln wehren», meint der Gemeindepräsident. Noch besser wäre es, so Lanz, wenn die Verantwortlichen beim Kanton «selbst zur Einsicht kommen», dass in Gänsbrunnen kein Asylzentrum eingerichtet werden kann.

Auf Seite des Departements war gestern niemand zu einer Stellungnahme bereit. Tatsache ist, dass die Suche nach einer grösseren Asylunterkunft – dem Kanton fehlen 100 Plätze – äusserst harzig verläuft. Die entsprechenden Bemühungen haben bis jetzt alle nicht gefruchtet. Das «Hellchöpfli» Laupersdorf ist gescheitert, beim «Gerlafingerhof» in Gerlafingen gehts auch nicht weiter und die Notunterkunft in der Stadtsolothurner Zivilschutzanlage Schöngrün fällt Ende Mai 2013 weg.

Ein Hotel aus dem 14. Jahrhundert

Das Gruppenhaus «Zentrum zum Mühlehof» bietet – verteilt auf mehrere Räume – Platz für gut 100 Personen. Und das Hotel St. Joseph, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, verfügt neben der Gaststube und einem Speisesäli über fünf Doppelzimmer. Beide Liegenschaften will Besitzer Martin Jaggi, der gestern nicht erreichbar war, bereits seit zwei Jahren verkaufen. Insbesondere in den Wintermonaten sei es schwer, die gewünschte Auslastung zu erreichen, wissen gut informierte Quellen. Und: Dass derzeit kein Bähnli auf den Weissenstein fährt, wirke sich auch nicht gerade positiv auf die Zahl der Gäste aus.

Aktuelle Nachrichten