So etwas wie ein Stammtisch war die Berghütte – nur weiter oben. Peter Hess, von 1979 bis 1999 Präsident des Skiclubs Solothurn-Althüsli, seither Vizepräsident und neuerdings auch Hüttenchef, hat seine halbe Jugend in dem Vereinslokal verbracht.

«Als ich 15, 20 Jahre alt war, ging ich oft alleine hoch und traf dort Freunde, die ebenfalls zur Hütte gekommen waren», erinnert er sich. Irgendjemand war am Wochenende immer in der Berghütte nahe dem Restaurant Althüsli anzutreffen. Im Winter gings dann mit den Ski bergab zum Tanz im «St. Josef» in Gänsbrunnen. Und mitten in der Nacht wieder rauf, zum Schlafen.

«Die Hütte ist mir ans Herz gewachsen», sagt Hess, dessen Vater vor ihm schon Präsident des Skiclubs gewesen war. «Es ist fast, als ob es meine eigene wäre.» Schade finde er nur, dass die Jungen das Haus heute nicht mehr so rege nutzen wie früher.

Die Berghütte des Skiclubs Solothurn-Althüsli liegt ideal für eine Skiabfahrt nach Gänsbrunnen.

Die Berghütte des Skiclubs Solothurn-Althüsli liegt ideal für eine Skiabfahrt nach Gänsbrunnen.

Der 64-jährige Hess selbst ist noch immer häufig auf dem Berg anzutreffen. «Heuer schon rund zehnmal», sagt er. Als Hüttenchef ist er für den Unterhalt zuständig, mobilisiert Arbeitskräfte, wenn etwas gemacht werden muss. Eigentlicher Hüttenwart und zuständig für die Vermietung ist aber die Familie Räuftlin vom Restaurant Althüsli.

Ein idealer Standort

«Die dienen als Schneeschutz», sagt Peter Hess und deutet auf eine Reihe junger Tannen am Hang oberhalb der Strasse. «Im Winter verhindern sie, dass sich der Schnee auf der Strasse sammelt», erklärt er.

Auf dem Weg zur Berghütte erzählt er vom Bau der Bergstrasse, die 1981 eröffnet wurde, von der alten Strasse und den zahlreichen Wanderwegen. Von den Stellen, wo die Strasse im Winter glatt werden kann. Den Berg kennt er wie seine Westentasche. Beim Restaurant Althüsli angelangt, begrüsst er die Hunde Luna und Lady und geht dann kurz rein, um Timna und Christoph Räuftlin und den Kindern Hallo zu sagen.

Dann geht es weiter zur Hütte, die Aussicht ist herrlich, der Morgen warm und sonnig. Als die Hütte vor 80 Jahren gebaut wurde, habe man sich wirklich das ideale Plätzchen für den Standort ausgesucht.

Damals Anfang 30er-Jahre hatten sich einige Mitglieder der Solothurner Zwingliana vom Bau der Casa Pestalozzi im Tessin inspirieren lassen, bei dem sie mitgewirkt hatten. 1931 wurde der Bergzirkel der Zwingliana gegründet. Kurz darauf wurde unweit der Hasenmatt der Grundstein des Hauses gesetzt, welches alle Zeitalter und Namen von der Ski-Riege über den Skiclub Althüsli bis zum Skiclub Solothurn-Althüsli erlebt hat.

Gucklöcher in der Wand

Peter Hess steht an der Holzfassade und betrachtet die dunkelbraune Farbe, die bereits wieder abblättert. «Man findet immer was zum Reparieren, wenn man hier oben ist», sagt er im Haus, während er die Küche, das gemütliche Esszimmer, die Fensterläden genau begutachtet. Im Obergeschoss befinden sich zwei Schlafräume, deren Wände vor rund 15 Jahren getäfert wurden.

«Vorher war nur eine Bretterwand zwischen den Schlafsälen», erzählt Hess. Aber mit jeder Schulklasse, die hier übernachtete – Mädchen und Jungs getrennt – bildeten sich mehr Schäden und Gucklöcher in der Trennwand. Hess lacht und klettert die Leiter wieder hinunter in den Speisesaal, dann geht er zur Toilette. «Das ganze Haus ist auf Selzacher Boden.»

Die Mauer, auf dem das Haus steht, musste vor 15 Jahren teilweise neu aufgebaut werden, weil sie aufgrund einer gebrochenen Wasserleitung im Boden nach aussen gedrückt wurde und zum Teil einstürzte. Die Trockenmauer neben dem Haus wurde vor drei Jahren erneuert.

Auf den Schultern der Erbauer

Eine Heidenarbeit, wie sich Hess erinnert. Der Hausbau war vor 80 Jahren auch sehr beschwerlich. Paul Hess, der Vater von Peter Hess, hat 1964 in einer Rede zum 30. Jubiläum der Hütte rhetorisch gefragt: «Kann man sich heute einen Begriff machen, was damals alles zu tun war?»

Fels musste «abgepickelt» werden, im hundert Höhenmeter tiefer gelegenen Kuhboden wurde Holz geschlagen und zu Brettern verarbeitet, die dann zur Hütte auf 1311 Metern über Meer gebracht wurde.

Peter Hess leert die Mausefalle – besonders im vergangenen Jahr habe man eine regelrechte Plage durch die Nagetiere erlebt. Vieles hat sich verändert, in den letzten 80 Jahren. Das Leben in der Hütte ist noch immer einfach, aber komfortabler als einst. Bevor die Zisterne in den Sechzigerjahren gebaut wurde, habe man das Wasser vom Restaurant Althüsli holen müssen, 30-Liter-weise, in der «Bränte», auf dem Buckel – so wie einst die Erbauer.