Textilreinigung
Jungunternehmer Patrick Meier rollt den Markt für Textilreinigung auf

Vor vier Jahren hat Patrick Meier die Textilreinigung Grogg in Langenthal übernommen. Der smarte Jungunternehmer reitet auf einer Erfolgswelle. Inzwischen hat er schon sechs Filialen und reinigt 15 000 Hemden im Monat.

Andreas Toggweiler
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Die Wäsche wird entgegengenommen
7 Bilder
In der Wäscherei
Mitarbeiterin Mire Kurtay bestückt den Hemdenroboter
Das Bügeln ist Handarbeit
Textilien werden in Form gebracht
Blick hinter die Kulissen des Textilservice
Arbeit für das Nähatelier

Die Wäsche wird entgegengenommen

«Ich möchte immer wieder neue Marktnischen erschliessen. Das sichert die Auslastung, wenn es einmal in einem Bereich nicht so gut läuft.» Patrick Meier (32) spricht wie ein Unternehmer. Und er ist inzwischen auch einer. Als Meier vor fünf Jahren - er arbeitete damals als stv. Verkaufsleiter einer Schweizer Boutiquenkette - ein Chiffre-Inserat aufgab, um einen Textilpflegebetrieb zu übernehmen, meldeten sich gleich 12 Geschäfte. «Da ist ein Generationenwechsel im Gang, der Wachstumsmöglichkeiten bietet», sagte er sich. Mit einem Bankkredit kaufte er damals Katharina Süess die Textilpflege Grogg in Langenthal ab. Das Handwerk kannte er vom elterlichen Geschäft in Willisau und der entsprechenden Lehre in der Branche in Luzern.

Chef von 35 Angestellten

Seinen Lehrbetrieb in Luzern hat er übrigens per 1. Januar 2012 übernommen. «Das war schon ein spezielles Gefühl. Ich kannte die Mitarbeitenden noch als Lehrling. Jetzt bin ich der Inhaber.» Denn in der Zwischenzeit hatte Meier hart gearbeitet, selber gewaschen und gebügelt, Kunden akquiriert und weitere Textilpflegegeschäfte übernommen: in Emmenbrücke, Lenzburg und Luzern (2 Standorte). Heute führt er von Langenthal aus ein Unternehmen mit 35 Angestellten, darunter auch Lehrlinge. Ausser ihm sind alles Frauen. Rund 100 Annahmestellen im Mittelland und in der Zentralschweiz nehmen Wäsche zur Reinigung entgegen.

Roboter bügelt Hemden

Kerngeschäft ist und bleibt die Vollreinigung von Kleidungsstücken, insbesondere die Hemdenreinigung. 15 000 seien es inzwischen pro Monat, welche zum branchenüblichen Preis von Fr. 3.90 gewaschen und gebügelt werden. Dafür kommt ein spezieller «Hemdenroboter» zum Einsatz, der die Kleidungsstücke knitterfrei bügelt. Ansonsten wird traditionell vorgegangen, mit Industriewaschmaschinen und einer Trockenreinigungsanlage mit Perchloräthylen. Der nicht unproblematische Stoff wird in einem geschlossenen Kreislauf eingesetzt. Aktivkohlefilter sorgen dafür, dass weder das Personal noch die Nachbarschaft Immissionen ausgesetzt sind. Die Filialen würden vom Verband regelmässig auf Umweltaspekte geprüft, versichert Meier. Um Energie zu sparen, wurde eine Wärmerückgewinnung installiert. Das so erzeugte Warmwasser speist die beiden Waschautomaten im Keller.

Auch die Kirche gehört zu den Kunden

Nach seinem Erfolgsgeheimnis gefragt, nennt der Jungunternehmer zwei Gründe. «Bei vielen Betrieben der Branche herrschte eine gewisse Lethargie. Die Inhaber sassen da, und haben auf Kunden gewartet, die nicht kamen.» Er habe aktiv akquiriert, z. B. Aufträge des Bundes hereingeholt, kundenspezifische Textillogistik-Dienstleistungen für KMU und Grossfirmen sowie Schadenfälle von Versicherungen. Immer wieder gelingt es ihm, neue Kundenkreise zu erschliessen. Sogar die Kirche bringt ihm inzwischen die Gewänder der Messdiener oder Kommunionskleider.

Für die Hemden wurde sogar ein Kurierdienst eingerichtet. Zudem wird ein Nähservice angeboten sowie Leder- und Teppichreinigung in Zusammenarbeit mit Fachbetrieben. Alle Geschäfte, neu auch das Stammhaus in Langenthal, firmieren jetzt unter dem Namen «Texpress Textilpflege». Die Integration ist abgeschlossen. Vorerst? - «In den letzten vier Jahren habe ich jedes Mal auf Jahresanfang ein Geschäft übernommen. Heuer ist es erstmals etwas ruhiger. Ich bin froh darüber.»