Luterbach

Jungunternehmer berichteten von ihrem Gang durch das «Tal des Todes»

Von links: Samuel Emch, Michael Siragusa, Noah Heynen und Adrian Neuenschwander.

Von links: Samuel Emch, Michael Siragusa, Noah Heynen und Adrian Neuenschwander.

Im Gespräch mit Wirtschaftsredaktor Samuel Emch erzählten Jungunternehmer von der Verwirklichung ihrer Ideen und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Auch Michael Siragusa, der eine Shrimps-Zucht aufbauen möchte, gab einen Einblick.

Knochenarbeit, Geduld und Glück sind nur drei von vielen Puzzleteilen für den Erfolg eines Unternehmens. Der Aufbau einer Firma führe oft auch zu schlaflosen Nächten. Dies war aus dem Munde dreier Jungunternehmer zu hören. Sie wurden von Samuel Emch befragt. Das Gespräch des Wirtschaftsredaktors beim Schweizer Radio mit den drei Jungunternehmern verfolgten rund 60 Interessierte in den AEK-Räumlichkeiten an der Jurastrasse in Luterbach.

«Wann produziert Ihr endlich die ersten Shrimps?», fragte Samuel Emch den Solothurner Chemiker und Gemüsehändler Michael Siragusa. Dieser verdreht die Augen, denn genau diese Frage werde ihm immer wieder gestellt. Er kann sie schon nicht mehr hören. «Niemals hätte ich gedacht, was alles nötig ist, eine bisher unbekannte Technologie in die Schweiz zu bringen.»

Inzwischen ist das Team um Siragusa auf acht Personen, vom Chemiker bis zum Landwirt, angewachsen. Ziel ist es, Shrimps in einer Salzwasser-Kreislaufanlage zu produzieren und erster Anbieter von frischen Shrimps aus der Schweiz zu werden. Die Arbeit der acht Teammitglieder zu koordinieren, sei das Schwierigste, zumal alle einer geregelten Arbeit nachgehen müssen. Er hoffe, vor Weihnachten 2015 die ersten Shrimps anbieten zu können, lässt sich Siragusa noch entlocken. Er war wahrscheinlich selber am meisten überrascht von seiner Aussage.

Schlaflose Nächte

Vom Tal des Todes, das durchschritten werden muss, sprach Emch in markigen Worten, angesichts der Mühen der Jungunternehmer, die eigene Vision umzusetzen. Das Tal durchschritten hat der Solothurner Noah Heynen, Mitbegründer und Geschäftsführer von Helion Solar. Beinahe täglich stellt das Unternehmen neue Mitarbeiter ein. Inzwischen sind es schon 70 und neun weitere werden gesucht. Damals in den Anfängen hatte er seine erste schlaflose Nacht, beantwortet er die entsprechende Frage von Emch, als er und sein Partner den ersten Mitarbeiter einstellten.

«Plötzlich mussten wir mit unseren Entscheidungen dafür sorgen, dass jeden Monat 5000 Franken auf sein Konto fliessen, und dass er glücklich ist mit seiner Arbeit», so Heynen. Als Macher mit Bauchgefühl begann er seine Vision umzusetzen. «Heute kann ich keinen Mitarbeiter neu einstellen ohne Businessplan», versuche er seiner Verantwortung gerecht zu werden. Schlaflose Nächte bereite dem Anbieter von Solaranlagen aktuell eher die Politik. Diese entscheidet mit Förderprogrammen sowie kostendeckender Einspeisevergütung mit, ob Industrie, Gewerbe und Private ein eigenes Solarkraftwerk installieren wollen oder nicht.

Der Kunde wird zum König

Mitten im Tal des Todes läuft der Einzelkämpfer Adrian Neuenschwander mit seiner Energiewirt GmbH. In Bellach arbeitet die Energiewirt GmbH im Bereich der erneuerbaren Energien. Mit verschiedenen Dienstleistungen optimiert der frühere Bauer und Landmaschinenmechaniker seit 2012 die Energiebilanz seiner Kunden. Neuenschwander ist grösstenteils mit dem Aufbau seiner Geschäftes beschäftigt, akquiriert laufend Kunden, unterrichtet in einem Teilpensum an der Fachhochschule und ist auch Hausmann.

Natürlich wünsche er sich einen Partner. «Es gibt Situationen, in denen ich mich sehr alleine fühle.» Aber er könne auf ein grosses Netzwerk an Freunden und Kollegen zählen und bei Schwierigkeiten wisse er schon, wer ihm helfen könne. Der Vorteil bei seiner One-Man-Show sei der, dass er schnell entscheiden könne. Er brauche keine Verwaltungsratssitzung abzuwarten. Unterstützung erfahre er vor allem von seiner Frau. Aber der Druck, auch einen finanziellen Beitrag für die Familie zu erwirtschaften, der sei schon vorhanden. Da werde der Kunde zum König und die eigenen Visionen rücken etwas in den Hintergrund.

Der Anlass wurde von «Cleantech start-up», eine Organisation von Christoph Dobler und Max Wittwer, organisiert. Der Verbund von Wirtschaftsfördererin Innostep, AEK und Fachhochschule Nordwestschweiz unterstützt Jungunternehmer in verschiedenster Form.

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