Sommerserie
Jenseits ist auch diesseits des Berges

Ihr Wirtschaftsraum ist Basel. Ab und zu – wenn auch leiser als auch schon – werden Drohungen laut, den Kanton wechseln zu wollen. Dann aber wieder betonen sie, auch Solothurner zu sein. In einer Serie werfen wir – vom Südfuss aus – einen Blick über den Jura.

Christian von Arx
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Die Ruine Gilgenberg auf Gemeindegebiet Zullwil.

Die Ruine Gilgenberg auf Gemeindegebiet Zullwil.

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Je nach dem steht der Jura höher oder weniger höher zwischen den Schwarzbuben und dem Rest des Kantons.

Doch warum gehören die Bezirke Dorneck und Thierstein überhaupt zum Kanton Solothurn? Am Ende des Mittelalters versuchte die Stadt Solothurn, sich ein Herrschaftsgebiet aufzubauen. Südlich des Juras geriet sie dem starken Bern ins Gehege. Darum richtete sie im 15. Jahrhundert ihre Blicke in den Jura, Richtung Basel. Solothurn kaufte Herrschaftsrechte von adligen Herren wie den Falkensteinern, Rotbergern, Thiersteinern oder vom Bischof von Basel, sicherte sich Erbschaften und setzte auch Waffen ein.

Das erste solothurnische Dorf jenseits des Juras war ab 1484 Seewen, es folgten Dornach und Gempen. Innert 50 Jahren kamen das Leimental, Thierstein und die Herrschaft Gilgenberg sowie am Schluss Kleinlützel, Bärschwil und Himmelried dazu. 1527 war Schluss. Das zusammengeraffte Territorium ergab kein abgerundetes Ganzes, blieb aber bis heute beisammen.

Die Exklaven Leimental (Mariastein) und Kleinlützel blieben abgeschnitten. Solothurn regierte das eroberte Gebiet in drei Vogteien: Dorneck, Thierstein und Gilgenberg. Letztere umfasste die Dörfer Meltingen, Zullwil und Nunningen und galt als so ärmlich, dass sie auch «Geissenvogtei» genannt wurde. Allzu beliebt dürften sich die Solothurner Vögte nicht gemacht haben. Jedenfalls brannten die Schwarzbuben beim Anrücken der Franzosen 1798 den Vogteisitz Gilgenberg nieder.

Der Kampf gegen die Obrigkeit

Am Volkstag von Balsthal 1830, als der Oltner Josef Munzinger die Souveränität des Volkes ausrief, spielten die über den Passwang geeilten Leute aus Thierstein und Dorneck eine wichtige Rolle. Sie galten als «harte Hunde», wild und kämpferisch, eine Kampftruppe der Liberalen gegen das konservative Regime. Doch typisch für die Schwarzbuben war offenbar weniger das Liberale als vielmehr das Oppositionelle und Aufmüpfige. Im 19. Jahrhundert stellten sie sich jedenfalls bald auch gegen das liberale Regime. Der erste «Schwarze» in der Kantonsregierung wurde 1887 Franz Josef Hänggi aus Nunningen, Oberamtmann von Dorneck-Thierstein.

Noch heute gebärden sich die Schwarzbuben in der kantonalen Politik gerne widerborstig oder gar stur. Das gilt zumindest für die Thiersteiner. Was sie über Parteigrenzen vereint, ist der Einsatz für die Interessen der eigenen Region – und das heisst oft «gegen» Solothurn. Der Kampf für den Erhalt ihres Bezirksspitals in Breitenbach ist unvergessen, auch wenn er verloren ging. Regelmässig liefert der Thierstein, zusammen mit dem Thal, Abstimmungsresultate, die auf die bewahrende Seite vom Kantonsdurchschnitt abweichen.

Dorneck ist nicht Thierstein

Im Kantonsrat sind die Schwarzbuben mit 13 von 100 Sitzen vertreten (aktuell 4 CVP, 4 FDP, 2 SP, 2 SVP und 1 Grüne). In diesem Jahr ist der höchste Solothurner (Kantonsratspräsident) ein Schwarzbube: der 30-jährige Christian Imark aus Fehren. Und im Regierungsrat sitzt einer aus dem Dorneck: Bildungs- und Kulturdirektor Klaus Fischer, vorher Gemeindepräsident von Hofstetten-Flüh.

Vor ihm vertraten Ruth Gisi (Hochwald), Peter Hänggi (Nunningen) oder Hans Erzer (Breitenbach) die Schwarzbuben in der Regierung. Und dann haben die Schwarzbuben noch einen alt Bundesrat: Den 85-jährigen Otto Stich, eidgenössischer Finanzminister von 1983 bis 1995, zuvor Solothurner SP-Nationalrat und «Amme» von Dornach.

Die Bevölkerung im Dorneck zeigt sich heterogener, weniger regionalistisch, moderner. Während die SP im Thierstein noch heute einen schweren Stand hat, schickt das Dorneck längst nicht nur Rote, sondern auch Grüne in den Kantonsrat. Das Tram aus Basel nach Dornach und ins Leimental transportiert auch Ideen. Seit Dorneck und Thierstein im gleichen Wahlkreis für die Kantonsratswahlen sind (ab 2005), müssen die gemeinsamen Amteiparteien den unterschiedlichen «Kulturen» im Schwarzbubenland gerecht werden.

Landschaftliche Perlen

Landschaftlich und kulturell ist das Schwarzbubenland voll Perlen. Die Ruinen Dorneck, Gilgenberg, Thierstein, Landskron, die Klöster Beinwil, Mariastein, Dornach, das Goetheanum in Dornach oder das Musikautomatenmuseum in Seewen zählen zu den bekanntesten Attraktionen. Dornach und das Leimental sind der «Weinberg» des Kantons Solothurn. Nebenbei hat Seewen den grössten ganz im Kanton liegenden See: Den Baslerweier, den der Kanton vor drei Jahren geschenkt erhielt.

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