Recherswil
Jedes vierte Feuerwehrauto in der Schweiz ist von dieser Recherswiler Firma

Innert 25 Jahren hat sich die Feumotech AG in Recherswil zur Nummer zwei im Schweizer Markt für Feuerwehrfahrzeuge empor gearbeitet. Die Firmengründer haben das Risiko nicht gescheut und dank Qualität und Zuverlässigkeit reüssiert.

Franz Schaible
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Peter Jäggi (l.) und Stefan Cartier sind mit ihren Feuerwehrfahrzeugen auf Erfolgskurs.

Peter Jäggi (l.) und Stefan Cartier sind mit ihren Feuerwehrfahrzeugen auf Erfolgskurs.

Hans Ulrich Mülchi

Das ist in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt: Jedes vierte neue Feuerwehrfahrzeug in der Schweiz wird in der kleinen Wasserämter Gemeinde Recherswil gefertigt. Dahinter steckt eine echte Erfolgsgeschichte, geschrieben von Peter Jäggi und Stefan Cartier, die 1989 die Feumotech AG gründeten. Jäggi, der 59-jährige gelernte Automechaniker, und Cartier, der 53-jährige gelernte Kaufmann, arbeiteten zuvor beim selben Fahrzeugbauer, und beide waren nicht glücklich. «Wir waren überzeugt, dass man das besser machen kann», sagt Jäggi. Und sie hatten recht. Der damalige Arbeitgeber ist inzwischen vom Markt verschwunden, die Feumotech AG dagegen ist gewachsen. «Wir sind mit drei Angestellten gestartet. Inzwischen beschäftigen wir 42 Mitarbeitende», berichtet Stefan Cartier nicht ohne Stolz.

Nicht viele gaben den beiden Unternehmern mit viel Herzblut Kredit. «Der Markt für den Bau von Feuerwehrfahrzeugen sei übersättigt, bekamen wir zu hören», erinnert sich Jäggi. Das war auch so. Damals kämpften 16 Anbieter um Aufträge der öffentlichen Hand, heute sind noch deren 8 auf dem Schweizer Markt präsent. Den beiden Patrons war die Ausgangslage bewusst. «Wir haben keine Marktlücke gesucht, sondern wir wussten, dass wir unseren Platz gegen alteingesessene Anbieter erkämpfen müssen», erzählt Cartier. Sie haben also nicht aus dem Blauen heraus agiert. Aus ihren früheren Tätigkeiten kannten sie die Chancen und Risiken in der Branche. Und Peter Jäggi ist in Sachen Feuerwehr ein ausgewiesener Experte. «Ich war während 19 Jahren Kommandant der Feuerwehr Recherswil und ich arbeitete viele Jahre als Feuerwehr-Instruktor.» Feumotech führt eigene Kurse im Bereich Löschtechnik durch, an denen Jäggi heute noch als Instruktor tätig ist. Es sei enorm wichtig, aus eigener Erfahrung die Bedürfnisse der Kunden genau zu kennen. «Deshalb waren oder sind ein Grossteil unserer Belegschaft aktive Feuerwehrleute.»

In den Werkhallen in Recherswil herrscht Hochbetrieb. Im Bereich Neubau werden Schritt für Schritt die Aufbauten gefertigt und auf die Grundfahrzeuge – Fahrzeugkabine und Fahrgestell – montiert. Die Palette reicht von Kommando- und Zugfahrzeugen, über Atemschutzfahrzeuge, Schlauchverlegefahrzeuge bis hin zu Tanklöschfahrzeugen und Fahrzeugen mit Autodrehleitern bis zu 42 Meter Länge. Im Bereich Kundendienst werden bestehende Fahrzeuge umgebaut, Unterhalts-, Service und Reparaturarbeiten ausgeführt. Etwas kleiner ist der Bereich Handelsware für Motorspritzen, Notstromaggregate, Hochleistungslüfter oder Löschschaum.

«Wir bauen sämtliche Fahrzeuge auf Kundenwunsch. Das heisst, jedes Fahrzeug ist ein Unikat», erläutert Stefan Cartier. Feumotech agiere in den allermeisten Fällen als Generalunternehmer. Die Recherswiler offerieren die nach Gatt/WTO-Richtlinien ausgeschriebenen Fahrzeuge komplett. Das bedinge viele Vorgespräche, das Pflichtenheft mit Anforderungen und Sicherheitsbestimmungen sei jeweils sehr umfangreich. «Von der Offertstellung bis zur Auftragsvergabe kann es gut und gerne ein Jahr lang dauern.» Die Kunden der Feumotech AG sind Gemeinden, Betriebsfeuerwehren, Gebäudeversicherungen und auch die Armee im Bereich Feuerschutz. Hinter dem Bau der Fahrzeuge steckt viel Arbeit. Für ein Tanklöschfahrzeug beispielsweise sind es 800 bis 1300 Mannstunden, kosten tut es zwischen 300 000 und 600 000 Franken.

Der Markt für Feuerwehrfahrzeuge ist zwar überschaubar, aber nicht weniger hart, wie Finanzchef Cartier weiter ausführt. So sei Feumotech mit Standort Recherswil bei Standardfahrzeugen gegenüber der ausländischen Konkurrenz – nicht zuletzt wegen des Wechselkurses Euro/Franken – chancenlos. Anders sehe es bei individuell gefertigten Fahrzeugen aus. «Da hat ein Massenhersteller Mühe, für uns aber ist das normal.»

Neben vereinzelten Aufträgen aus Deutschland ist der Hauptmarkt die Schweiz. Zwar ist die Anzahl der Feuerwehren innert 20 Jahren von 4500 auf rund 1500 geschrumpft. Aber die Zahl der Fahrzeuge ist wegen der zunehmenden Motorisierung und der Zusammenlegung der Feuerwehren mindestens gleich hoch geblieben. Aber ist nicht jede Feuerwehr mit genügend Fahrzeugen ausgerüstet? «Das trifft zu. Deshalb handelt es sich bei 99 Prozent aller Aufträge nicht um Neu-, sondern um Ersatzbeschaffungen.» Die Fahrzeuge hätten eine durchschnittliche Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren.

Für die Zukunft ist Jäggi optimistisch. Es sei gelungen, sich innert 25 Jahren auf dem Markt zu etablieren und stetig zu wachsen. Der Arbeitsvorrat betrage aktuell rund zwölf Monate. Landesweit würden jährlich 200 bis 230 Feuerwehrfahrzeuge abgesetzt. «Die Feumotech fertigt im Durchschnitt jährlich 55 Fahrzeuge», zeigt er die starke Marktstellung auf.

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