Hofstetten-Flüh
Ja zu Sterbehausprojekt «beweist Ungleichgewicht»

In Hofstetten-Flüh hängt der Haussegen schief. Bewohner des Ortsteils Flüh spielen mit Abspaltungsgedanken.

Bea Asper
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Die Bau- und Planungskommission hat einem Nutzungsgesuch für ein Sterbehaus in der Flüh zugestimmt. (Symbolbild)

Die Bau- und Planungskommission hat einem Nutzungsgesuch für ein Sterbehaus in der Flüh zugestimmt. (Symbolbild)

Mit der Zustimmung zum Nutzungsgesuch für ein Sterbehaus in Flüh hat die Bau- und Planungskommission der Gemeinde Hofstetten-Flüh das Misstrauen bei den Mitgliedern der IG Flüh geschürt. «Dasselbe Gesuch hätte im Ortsteil Hofstetten keine Chance gehabt», zeigt sich IG-Präsidentin Eveline Heim überzeugt und verweist auf die damals gemachte Aussage von Behördenmitgliedern, dass ein Sterbehospiz in einer reinen Wohnzone undenkbar sei.

«In Flüh handelte es sich auch um ein Wohnhaus, dieses befand sich lediglich umgeben von Gewerbezone. Bei der Bau- und Planungskommission kommen die Machtverhältnisse zwischen den Ortsteilen am deutlichsten zum Ausdruck: Alle Mitglieder sind Einwohner von Hofstetten», gibt Heim zu bedenken. Auch in den anderen Kommissionen sowie im Gemeinderat seien die Einwohner von Flüh deutlich untervertreten.

«Die Folgen bekommen wir nun deutlich zu spüren: Alle lärmintensiven Projekte versuchen die Behörden in Flüh unterzubekommen», ärgert sich Heim. Dabei verweist sie nicht nur auf den geplanten Werkhof und die Sammelstelle. Für Aufruhr sorgen derzeit auch Baugesuche, die vorbelastet sind. «Aus sicherer Quelle weiss ich, dass einzelne Behördenmitglieder von Hofstetten den Bauherrn beim Kauf des Landes versprachen, sie könnten bei der Realisierung ihrer Pläne auf Unterstützung zählen. Dies wird nun sichtbar mit der Idee von Ausnahme­regelungen.» Für Heim ist deswegen klar: «Die Flühener sollten nun ein deutliches Zeichen setzen – zum Beispiel mit Einsprachen.»

Da sich die IG Flüh erst am 21. Oktober zu einer Vollversammlung treffen kann, findet der Meinungsaustausch derzeit auf dem elektronischen Weg sowie auf den sozialen Medien statt. Dort kam es zu emotionalen Entgleisungen und einem hart geführten Schlagabtausch zwischen Einwohnern der unterschiedlichen Ortsteile.

«Das Problem ist, dass in der laufenden Ortsplanrevision die Behördenmitglieder von Hofstetten im Begriff sind, die Grenzwerte für Immissionen in der Gewerbezone auch noch zu erhöhen. Und natürlich hat man beibehalten, dass Hofstetten keine Gewerbezone hat. Das Fass ist am Überlaufen», sagt Heim. Sie will zusammen mit den anderen Mitgliedern der IG Flüh nun nach Möglichkeiten und Wegen suchen, das Kräfteverhältnis zu ändern — bei den Wahlen vom nächsten Jahr.

Beim Amt für Gemeinden in Solothurn hat sie zudem um Unterstützung gebeten, auf dem Weg des Dialogs das Ungleichgewicht korrigieren: «Wir wollen ernsthafte Zugeständnisse und Lösungsvorschläge.» Sollte alles nichts nützen, könnten andere Massnahmen nicht mehr ausgeschlossen werden. Man werde alle Mittel der Demokratie und des Rechtsstaates ausschöpfen. Die entsprechenden Abklärungen sind am Laufen, bestätigt Heim.

«Seit Jahrzehnten Gewerbezone»

In Flüh sind derzeit gleich mehrere Bauvorhaben am Laufen. Für böse Kommentare im Netz sorgten die frisch aufgestellten Profile auf der grünen Wiese an der Strasse nach Hofstetten. Domenik Schuppli, Ressortleiter Bau im Gemeinderat Hofstetten-Flüh, verweist darauf, dass es sich nicht um Landwirtschaftsland handle, sondern um Gewerbezone.

Dieses Land sei seit Jahrzehnten für gewerbliche Nutzung vorgesehen und darf überbaut werden. Bauherrin ist die Stella Montana AG, mit Verwaltungsratspräsident Oskar Rupp. Dass die Familienunternehmung Rupp Getränke AG zur Leidtragenden wird im Streit zwischen Flüh und Hofstetten, «ist eine Entwicklung, die dem Gewerbeverein Hinteres Leimental (GHL) Sorgen bereitet», erklärt Präsident Paul Schönenberger.

Damit seien letztlich auch Arbeitsplätze in Gefahr. Die Rupp Getränke AG sucht seit Jahren nach einem neuen Standort, weil sie in Metzerlen keine Entfaltungsmöglichkeiten hat. Beim GHL freut man sich, dass die Tradi­tionsfirma mit dem Standort Flüh dem Hinteren Leimental treu bleibt und nicht abwandert.