Erhaben thront die Burgruine, die einzige Grottenburg im Kanton, über Balm. Grabungsarbeiten in den 30er-Jahren deuteten auf eine weitläufige, mittelalterliche Wehranlage hin. Heute ist davon wenig übrig. Trotzdem ist das 180-Einwohner-Dorf stolz auf seine Burgruine. Davon zeugen die örtliche Burgstrasse und die Gemeinde-Webseite, wo für die Ruine ein eigener Bereich eingerichtet wurde.

Wer zur Ruine hinaufsteigt, wird mit einem Rundumblick ins Mittelland belohnt. Drei Minuten dauert der Aufstieg, verspricht der Wegweiser am Waldrand. Doch der vermeintliche Sonntagsspaziergang hat es in sich: «In drei Minuten lässt sich der Weg kaum bewältigen», berichtet ein Familienvater, der ungenannt bleiben möchte. Mit seinen beiden Kindern wollte er vor kurzem zur Burgruine hochsteigen, was sich als echte Herausforderung entpuppte.

Gleich beim Einstieg hinter dem Parkplatz wartete ein erstes Hindernis. Der Weg ist von abgebröckelten Felsbrocken gesäumt. «Da mussten wir richtig rüberklettern», erinnert sich der Familienvater. Steinig, im besten Sinne des Wortes, ging es weiter. Die in den Felsen gemeisselten Treppenstufen sind verwittert, von feuchtem Laub übersät und rutschig.

An der Felswand ist ein Metallgeländer angebracht, das nur lose verankert ist. Gegen oben hin wird der Aufstieg immer steiler und die Felstritte unregelmässiger. Die Kinder quengeln, sie getrauen sich nicht weiter. Kurz vor dem Ziel bläst der Vater zur Umkehr. «Die Burgruine werden wir höchstens im Sommer nochmals besuchen», sagt er heute. «Woher sollte ich wissen, dass der Aufstieg steil und gefährlich ist?»

Auch im Internet hat die Burgruine schon für Schlagzeilen gesorgt - in der Form mahnender Einträge. «Für sich selbst überschätzende Senioren verboten!», schreibt ein Nutzer im Berggänger-Forum «Hikr» nicht ohne Ironie. Eine andere Userin spricht gar von einem «unwirtlichen Ort».

Mehr Selbstverantwortung?

Braucht es beim Aufstieg zur Burgruine ein Warnschild, das auf Gefahren hinweist? Der wandernde Familienvater hätte sich ein solches gewünscht. Oder reicht die einfache Marschzeit-Angabe auf dem Wegweiser? «Ja», findet Pascale von Roll. Die Gemeindepräsidentin von Balm hat die Burgruine erst letzte Woche besucht.

«Natürlich ist der Aufstieg anspruchsvoll», weiss sie. Aber gerade deshalb sei es sinnvoll, dass sich gleich der Einstieg zur Ruine als Hürde darstellt: «So wird jedem klar, dass auf dieser Route Vorsicht angebracht ist.» Von Roll appelliert an die Selbstverantwortung der Besucher.

Ähnliches ist von Michael Schmid zu hören. Er ist Präsident des Burgvereins, der den Grillplatz beim Eingang der Ruine betreibt und sich um den Zugangsweg kümmert. «Brauchen wir wirklich ein Schild oder können wir uns auf die Vernunft der Ruinenbesucher verlassen?», fragt Schmid. Ein Warnschild oder gar bauliche Massnahmen am Weg seien bisher noch nie zur Diskussion gestanden. «Man kann ja nicht immer alles zuteeren», schliesst der Präsident des Burgenvereins.

Tatsächlich könnten der Zugangsweg und die Burgruine nicht ohne Umschweife verändert werden, erklärt Kantonsarchäologe Pierre Harb: «Die Ruine steht unter Schutz, Bauarbeiten müssten vorsichtig angegangen werden.» Harb kommt ins Schwärmen, wenn er von «dieser imposanten Burg» erzählt. Immerhin: Der Archäologe regt an, einmal über ein Warnschild nachzudenken. Dafür sei jedoch die Gemeinde verantwortlich.