Der Frühling kämpft gegen den Winter an: Diese Ausgangslage hatten wir in den vergangenen Wochen bereits öfters. Auch der Osterbrauch im bucheggbergischen Kyburg greift dieses Thema auf.

Die langjährige Tradition des «Eierleset» zieht seit jeher die Menschen aus dem Bucheggberg und Umgebung an. Gemeinsam feuert man den Frühling an, damit er endlich den Winter besiege und somit gutes Wetter für die nächsten Tage bringe. Doch wie feuert man denn eigentlich den Frühling an?

Rennen für gutes Wetter

Die Schützen aus Kyburg wissen's: Seit einigen Jahren organisieren sie diesen Anlass und setzen sich für die Weiterführung dieser Tradition ein. Jeweils zwei Jungschützen aus dem Nachwuchs stellen sich dem Wettbewerb, als Frühling, respektive Winter ihre Aufgabe möglichst schnell zu meistern. Doch was ist ihre Aufgabe?

Wir haben die beiden Kontrahenten gefragt: Silvan Stalder, 16 jährig und Lehrling als Elektroniker und sein Namensvetter Silvan Senn, ebenfalls 16 jährig und in der Ausbildung zum Zimmermann haben sich auf den Wettkampf der Jahreszeiten vorbereitet.

Beiden liegt die Erhaltung dieser Tradition am Herzen. Sie sind Mitglieder des Schützenvereins und spielen Fussball, was ein optimales Training für das «Eierleset» sei. «Ich muss im Burggraben 80 Eier auflesen, welche im Abstand von einem halben Meter in Nester gelegt sind.

Es muss immer dieses Ei auf aufgehoben werden, das im entferntesten Nest liegt und dann laufe ich zur Box zurück, in welche ich das Ei werfe. In derselben Zeit muss mein Kontrahent eine fünf Kilometer lange Strecke bis nach Mühledorf und zurück hinter sich bringen», erzählt Stalder und deutet dabei auf seinen Kollegen Silvan Senn.

So sah es an der «Eierleset» in Kyburg aus.

So sah es an der «Eierleset» in Kyburg aus.

Der Läufer Senn symbolisiert den Winter. Stalder, der die Eier aufliest, steht für den Frühling. Unmittelbar nach dem Start, unterstützen die Zuschauer den Frühling mit lautstarken Zurufen. Sie erhoffen sich dabei, der Winter möge verlieren und ihnen somit wärmeres Wetter bringen. Dies sage zumindest die Tradition.

Solidarität wie sonst nirgends

Im Falle, dass der Winter den Frühling doch bezwingen würde und in den Burggraben zurückkehre, bevor sein 'Frühlingskollege' seine Arbeit ebenfalls beendet hat, würde er ihm helfen, die restlichen Eier aufzulesen.

«Dieses Solidaritätsprinzip ist einzigartig und in keinem anderen Sport vorhanden», davon sind die einheimischen Zuschauer fest überzeugt. Dieses Jahr kam es, dass der Winter die Oberhand behielt und dem Eieraufleser beim «ufläse» helfen musste. Nun kann man nur hoffen, dass der Frühling sich bald besser gegen den Winter durchsetzt, als Eieraufleser Stalder gegen Läufer Senn.

Nach dem Rennen sitzen Bucheggberger und Ex-Bucheggberger gerne noch auf ein kühles Bier zusammen.