Vor acht Monaten reichte das Architekturbüro Bieri (Langenthal) einen Entwurf für die 14 000 Quadratmeter grosse Doppelparzelle ein, der damals in der Ratsbeurteilung durchfiel. Inzwischen wurde die gesamte Planung für acht Mehrfamilienhäuser deutlich modifiziert und mit 7 zu 3 zur Vorprüfung empfohlen.

Diesem Entscheid ging ein hartes Ringen im Rat voraus, da sich die SVP vor allem an der Höhe der Bauten störte. Obwohl Fachgutachten die drei Geschosse plus Attikageschoss als passend zum umgebenden Quartier empfahlen, war dies und die angeblich zu geringe Reduzierung der Wohnungszahl von 88 auf 82 Einheiten der Partei um Sprecher Roger Käsermann ein Dorn im Auge.

Neben der Vorstellung des Projektes durch Martin Hasenfratz und Martina Heuscher namens der Bieri Architekten, Würdigungen durch den unabhängigen Planer Martin Eggenberger und aus Gemeindesicht durch Bauverwalter Ewald Kaiser, beharrte die Partei auf einer Zweigeschossigkeit nebst Attika.

Dabei entflammte fast eine Grundsatzdiskussion zu «Bauboom im Wasseramt», dem Wachstum in Gerlafingen, dem Leitbild für dieses Quartier, einem möglichen Preiszerfall wegen Überangebot auf dem Wohnungsmarkt und der Sorge, «dies alles nicht als Dorf stemmen zu können». Denn neben dem Sackzelgli bestehen in Gerlafingen noch weitere bedeutende Vorhaben in der Wohnüberbauung «Mühlacker», der letzten Bauphase Verenapark und dem Neubau Fluryhof.

Gegenüber «Top 5» positionieren

Dass sich, wie von der SVP beanstandet, am Entwurf gegenüber der Ursprungsversion nichts geändert habe, widersprach Werner Rutsch (FDP) nachdrücklich. Fassadengestaltung, Wohnungsgrundrisse, Anordnung der Baukörper sowie Einpassung in die Baufelder und gestalteten Freiräume ringsum zeigten markante Verbesserungen. «Der Markt wird es regeln», und schliesslich müsse sich Gerlafingen gegenüber dem Wachstumspol «Top 5» klar und vor allem bald positionieren, unterstrich er.

Eggenberger wies darauf hin, dass die Qualität der Bauausführung «schon die richtigen Bewohner ins Dorf» bringen werde. Zudem sorge das neue Raumplanungsgesetz für Verknappung von Bauland und künftigem Wohnraum. Den Vorschlag «Zweigeschossigkeit» lehnte der Rat mit 7 zu 3 ab und empfahl, das in der Zusammenarbeit von Behörde und Fachgremien entstandene Projekt mit allen Dokumenten dem Amt für Raumplanung einzureichen.

Mitwirkungsverfahren beschlossen

Beschlossen wurde ebenfalls eine Mitwirkungsmöglichkeit für die Bevölkerung. Gemeindepräsident Peter Jordi, der sich als Eigentümer einer Nachbarparzelle durch Vizepräsident Christian Holderegger vertreten liess, zeigte sich zufrieden. Anschliessend wurde der Gestaltungsplan Mühlacker samt inhaltlicher Genehmigung des Grossprojektes im Zentrum von Gerlafingen zur öffentlichen Auflage mit zehn Stimmen bei einer Enthaltung verabschiedet. «Mögliche weitere Nägel», so Jordi, könne man hierzu im Baubewilligungsverfahren einschlagen.

Zustimmung fand ebenso die 555 Quadratmeter grosse südliche Arrondierung des Bauareals mit heutigem Trottoir, Parkplätzen und Grünstreifen. Für 255 Franken pro Quadratmeter und einer Pauschale von 7500 Franken für die bisherige Bewirtschaftung wegfallender Parkplätze stimmte der Rat dem Verkauf an die bauführende Arbeitsgemeinschaft zu.

Einstimmig verdankt wurden der Jahresbericht der örtlichen «Kinderoase» und ein weiterer Parzellenverkauf von öffentlichem Land zwecks Arrondierung im Lerchenfeld. Mit vorsichtigem Optimismus hofft der Rat auf einen baldigen Weiterzug der S-Bahn bis Gerlafingen. Die Inserate zur Neubesetzung der Stelle in der Sozialregion Wasseramt Süd haben bereits jetzt fünf Bewerbungen erbracht.