Dorfkern
In Gerlafingen ist ein spannendes Stück in Sachen Siedlungsbau zu beobachten

Eine Gruppe von Architekten und Raumplanern will im Mühlacker einen Block mit 36 Wohnungen und 21 Reiheneinfamilienhäuser bauen. Ein Vorhaben, welches fortsetzt, was Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen wurde.

Urs Byland
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Eines der um 1920 realisierten Angestelltenhäuser der Firma Von Roll und ein Teil der Pflanzgärten, die einer Siedlung weichen sollen. bar

Eines der um 1920 realisierten Angestelltenhäuser der Firma Von Roll und ein Teil der Pflanzgärten, die einer Siedlung weichen sollen. bar

Ein spannendes Stück in Sachen Siedlungsbau ist momentan in Gerlafingen zu beobachten. Im Dorf, das durch die ehemalige Firma Von Roll (heute Stahl Gerlafingen) geprägt worden ist, soll fortgesetzt werden, was Anfang des 20. Jahrhunderts begann.

Damals um 1910 herum entstanden grosse Siedlungen für die Arbeiterfamilien der Firma Von Roll. Erstmals war von einem Ring von Strassen die Rede, welcher das Dorf begrenzt. 1923 entsteht im Gebiet Mühlacker eine weitere grössere Siedlung. Der vormals erwähnte Ring findet einen Abschluss. Strassen bilden den Ring, der heute als Zentrum von Gerlafingen definiert wird.

Im Mühlacker soll nun ein grösseres Stück Land überbaut werden. Ursprünglich wollte man Einfamilienhäuser erstellen. Doch die Sache verlief sich. Nun meldet sich eine Gruppe von Architekten und Raumplanern, die auf dem Land eine Siedlung mit vier grösseren Baukörpern plant.

Geplant ist entlang der Obergerlafingenstrasse ein viergeschossiges Gebäude mit gewerblichen Nutzungen im Erdgeschoss und Wohnungen in den Obergeschossen. Insgesamt sind 36 Wohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern sowie sieben Ateliers vorgesehen.

Dahinterliegend sind quer zum Hauptbau in drei Reihen 21 dreigeschossige Reiheneinfamilienhäuser mit zwei verschieden grossen Wohnungstypen gezeichnet. Zwischen dem Hauptgebäude und den drei Linien mit Reiheneinfamilienhäusern soll als «Herz der Siedlung» eine Art halböffentlicher Raum, eine Spielstrasse als Begegnungszone entstehen.

Das lang gezogene Hauptgebäude entlang der Obergerlafingenstrasse verstärkt quasi den eingangs erwähnten Eindruck eines (Strassen-)Rings auch baulich, dies die Absicht der Planer.

Pflanzgärten müssen weichen

Leer stehendes Bauland ist die Parzelle nicht. Das bestehende Hauptgebäude auf der Parzelle wird im Zonenplan zwar als erhaltenswert eingestuft, sei aber laut Raumplanungsbericht in einem schlechten baulichen Zustand.

Zudem habe es nicht dieselbe gestalterische Qualität wie die bestehenden lang gezogenen Angestelltenhäuser der Von Roll’schen Eisenwerke aus den Jahren 1919 bis 1927. Laut Bericht soll das Gebäude abgerissen werden, ebenso wie einige Nebenbauten.

Das zu bebauende Areal (östlich anschliessend an die bestehenden Angestelltenhäuser) wird im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz als «ein grosser mit Pflanzgärten belegter Grünraum» erwähnt.

Was es heute noch ist. Der Erhalt der freien Fläche wird aber nicht hervorgehoben, wie dies andernorts im Inventar schon mal der Fall sei. «Unter Berücksichtigung von strengen Qualitätsanforderungen bezüglich der Integration von neuen Bauten in die bestehende Struktur scheint eine Überbauung der Parzelle 967 möglich», schreiben die Verfasser des Raumplanungsberichtes.

Bevölkerung soll mitwirken

«Es wird eine prägende Siedlungsanlage mitten im Dorf, deshalb ist die Mitwirkung breiter Kreise angezeigt», erklärt Gemeindepräsident Peter Jordi, der das Projekt zusammen mit den Dorfbehörden im Interesse der Dorfentwicklung unterstützt.

Das Bundesgesetz schreibt eine verhältnismässige Mitwirkung abhängig von der Grösse des Projektes bei Zonenplanänderungen oder Gestaltungsplänen vor. Diese soll vor der öffentlichen Auflage erfolgen. Jordi begrüsst die Mitwirkung, damit allfällige Skepsis bereits vor der Auflage aufgefangen werden kann.

Das Mitwirkungsverfahren ist nicht nur Anstössern vorbehalten. Die gesamte Dorfbevölkerung ist aufgefordert, das Projekt zu diskutieren. Die Gemeindebehörden, Architekten und Planer organisieren dazu zwei Informationsveranstaltungen gestern Montagabend und am nächsten Montagabend.

Bis 16. Mai können Mitwirkungseingaben gemacht werden. Gleichzeitig läuft die Vorprüfung beim Kanton. Der Gemeinderat hat die Absicht, das Projekt noch vor den Sommerferien öffentlich aufzulegen.

Weitere Infos finden Sie auf der Internetseite von Gerlafingen.