Schultheaterwoche

In der Schultheaterwoche entwickeln Kinder Mut und Teamgeist

Die Produktion der Heilpädagogischen Sonderschule Solothurn: 65 Kinder entwickeln 16 Szenen.

Die Produktion der Heilpädagogischen Sonderschule Solothurn: 65 Kinder entwickeln 16 Szenen.

15 Produktionen kommen anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums der Schultheaterwoche zur Aufführung. Dabei wird klar, dass diese Woche seit 20 Jahren bei Schülerinnen und Schülern wie auch Lehrpersonen nichts von ihrem Reiz verloren hat.

Seit zwei Jahrzehnten nun pilgern Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Erwachsene jeweils im Juni ins Zelt im Hof von Schloss Waldegg in Feldbrunnen. Und noch immer hat kantonale Schultheaterwoche nichts von ihrem Reiz verloren.

Teamgeist wie in einer Sportmannschaft

«Wir waren heute Morgen schon mit unserer «Supertalentshow» auf der Bühne», sprudelt es aus den Bellacher Sechstklässlern hervor. Und warum sind sie noch am Nachmittag im Schlosshof? «Weil wir auch andere Stücke sehen wollen.» Was ihnen denn beim Theaterspiel so gefalle? Es sei cool, man verhalte sich im Theater ganz anders als im Unterricht, und man wachse als Klasse richtig zusammen, meint die zwölfjährige Irem. Aus der gleichen Klasse ergänzen Danijel und seine acht Freunde, dass es einfach Spass mache, man lerne viel, überwinde die Aufregung, vor Zuschauern zu sprechen, entwickle Mut und den wichtigen Teamgeist wie in einer Sportmannschaft.

Jährliche Vorführung ist zu wenig

«Wir wünschen uns, dass darstellendes Spiel immer wieder – und nicht nur für eine jährliche Vorführung – in den Unterricht eingebaut wird», betonen Martina Mercatali und Schultheaterwoche-Gründer Werner Panzer. Theater sprenge den üblichen Rahmen und lasse Kinder und Jugendliche aus ihrem Erfahrungs- und Ideenschatz schöpfen. «Damit wächst das Selbstvertrauen, das Heranwachsende so dringend brauchen», bekräftigen die beiden Theaterpädagogen.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Rolf Christian Daum hat Mercatali mit den 65 Kindern und Jugendlichen, die von Vor- bis Oberstufe die HPS Solothurn besuchen, ein Bühnenspiel aus 16 Szenen entwickelt. Allerdings haben die Mitwirkenden, wie beide Lehrkräfte betonen, alles selber erarbeitet und sogar getextet. «Bei unseren Schülerinnen und Schülern mit ihrer Spezifität erhält das Rollenspiel eine besondere, gemütsbildende Bedeutung.» Alle lernten nämlich, aus ihrer Individualität herauszutreten, selber gestaltend zu wirken , sich an anderen Mitspielern zu orientieren und das «so tun, als ob» unmittelbar umzusetzen. Und ganz wichtig: «In einer Theatertruppe ist niemand da, der spottet.»

Schauplatz ist der Pausenplatz

Zum Thema Pausenplatz haben sich die Kinder und Jugendlichen der HPS Solothurn eine ganze Menge einfallen lassen. Nachts schleichen unterschiedlichste Tiere über den Pausenplatz, der morgens von den Hausmeistern gesäubert und von Schulkindern betreten wird. Zwischenzeitlich verwandelt er sich in einen Verkehrsgarten, durch den wilde Velofahrer düsen. Als Sportplatz genutzt zieht der Schulhof einen Typ aus der Mukibude und weitere geschickte Jugendliche an. Aber sehr schnell entstehen auch Aggressionen. Simsend treffen sich hier Mädchen, und die Kioskfrau muss sich gegen einen kleinen Dieb zur Wehr setzen.

Der Pausenplatz ist gross genug für ein Flugzeug, das schliesslich nach der Wartung aufsteigt und in Turbulenzen abstürzt. Die Rettungskräfte haben viel zu tun mit der Wiederbelebung der Insassen. Dann machen sich die älteren Mädchen über soziale Foren lustig und müssen für gestohlene Hausaufgaben schwer büssen. Zum Thema wird auch fieses Mobbing, der Abfall, das abendliche Rumhängen junger Leute, die rauchen, kiffen und gleichzeitig so tolle Spray-Künstler sind, dass sie an einem Wettbewerb teilnehmen können. Ein geplanter Banküberfall liegt allen schwer auf dem Magen. Und schliesslich erobern wieder die Nachtkatzen den Pausenplatz und veranstalten ein Tänzchen. Dem Publikum gefiel die Show. Mit viel Beifall ermutigte es die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen.

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