Kreative Köpfe arbeiten in einem kleinen, unscheinbaren Hausanbau in Biberist. Sie entwerfen Formen für Investitions- wie Konsumgüter und geben ihnen ein modernes, ansprechendes Aussehen. Seit 30 Jahren kann sich die I-Design AG als Industriedesignerteam behaupten. Und zwar ziemlich erfolgreich, wie die bislang erzielten 37 internationalen Auszeichnungen belegen (siehe Kasten). Für den Firmengründer und -eigentümer Michael Koch jedenfalls ist klar: «Die Auszeichnungen zeigen, dass wir gute Arbeit abliefern.»

Die Palette der vom Designatelier gestalteten Produkte ist breit, sehr breit – und Koch zählt auf: I-Design verpasste beispielsweise einem Kabelisolierautomaten, einem Positionierungssystem für die Bestückung elektronischer Leiterplatten, Türbeschlägen, Rotationsdruckmaschinen, Lötautomaten, Kabelverteiler, Monoschienen-Transportsystemen, Staubsaugern, Waschmaschinen und Tumblern, Duschkabinen oder Beleuchtungskörpern sozusagen eine neue Identität. «Rund 60 Prozent unserer Aufträge stammen von der Investitionsgüterindustrie, 30 Prozent entfallen auf die Medizinaltechnik und etwa 10 Prozent auf die Konsumgüterindustrie», erklärt Firmenchef Koch. Die grosse Mehrheit der Kunden sind in der Schweiz ansässig, einzelne Projekte habe man auch in den USA, Holland, Deutschland und in Österreich abgewickelt.

Warum aber muss eine Industriemaschine schön aussehen? Genügt es nicht, wenn diese einfach zuverlässig funktioniert und die eingesetzte Technik die geforderte Leistung erzielt? «Eine Maschine muss nicht schön sein», gesteht Koch ein. Aber das Produkt müsse glaubhaft sein und beim potenziellen Käufer Vertrauen in die Leistungsfähigkeit wecken. «Nicht nur der Kauf eines Konsumgutes ist ein emotionaler Entscheid, sondern auch jener eines Investitionsgutes.» Koch illustriert das mit Vorher- und Nachherbildern am Beispiel eines Lötautomaten. Der Hersteller stellte das Gerät an einer Fachmesse aus. Nur gerade 3 Stück statt der angepeilten 50 konnten verkauft werden. Zwei Jahre später habe der Hersteller den von I-Design überarbeiteten Lötautomaten an derselben Industriemesse 250-mal verkauft. «Wir haben dem Gerät ein neues Gesicht gegeben, ohne Abstriche bei der Technik, der Leistungsfähigkeit und der Funktionalität.» Aber das äussere Erscheinungsbild der Maschine habe den Interessenten glaubhaft vermittelt, was das Gerät effektiv leisten könne.

Ein anderes Beispiel sei ein Tablettenprüfgerät, welches im Bereich von Milligramm arbeite. «Hier musste mithilfe eines modernen und ansprechenden Designs die Assoziation zur Hochpräzisionswaage hergestellt werden», erläutert Koch weiter. Zudem sei eine Hauptaufgabe des Industrie-Designers, die Bedienungsfreundlichkeit und die Sicherheit für das Personal zu erhöhen. Nicht selten gelinge es auch, technische Fortschritte – beispielsweise geringere Vibration oder weniger Lärmemissionen – zu erzielen.

Gerade für die Schweizer Wirtschaft sei das Industriedesign wichtig. Vielfach seien die hiesigen Hersteller teurer als die ausländische Konkurrenz, weil die Qualität eben auch am höchsten sei. In diesen Fällen müsse das Produkt anders daherkommen. «Wenn es schon das Teuerste ist, muss es visuell auch so aussehen», ist Koch überzeugt. Nicht selten gelinge es auch, Mehrwert zu schaffen und gleichzeitig die Herstellkosten zu senken. Als Beispiel nennt er den von I-Design entwickelten Wasserhydranten.

Jetzt kommt Michael Koch ins Schwärmen. Denn für den 61-jährigen Unternehmer ist eben der Hydrant – er hat ihm den Namen «Die Welle» gegeben – ein Highlight in der Firmengeschichte. Für das Design haben die Biberister 1997 eine Auszeichnung erhalten. «‹Die Welle› ist immer noch der meistverkaufte Hydrant in der Schweiz», sagt er stolz.

Der gelernte Hochbauzeichner und Absolvent eines vierjährigen Studiums als Industriedesigner an der Hochschule für Gestaltung in Zürich wagte vor 30 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit, eigentlich notgedrungen. Das Berufsbild des Industriedesigners sei damals kaum bekannt und gefragt gewesen. Nach mehreren Jahren in einer Industriefirma und in einem Designbüro habe er eine neue Stelle gesucht. «Nach einem Ordner voller Absagen gründete ich zusammen mit einem Kollegen die I-Design AG», erinnert er sich. Heute beschäftigt das Unternehmen zwei Angestellte, in früheren Jahren waren es vier. Trotz der Kleinheit bewege sich die I-Design AG in der Schweiz in der Spitzengruppe. Die Konkurrenz sei zwar anzahlmässig riesig, aber 90 Prozent der Anbieter seien Einmannbetriebe. Firmen mit einer gewissen Geschichte, Konstanz und ausgewiesenen Erfolgen gebe es relativ wenige.

Von Beginn an war Koch klar, dass nicht alle Produktehersteller einen Industriedesigner benötigen. Für einen Fertiger eines individuell hergestellten Einzelproduktes sei das Aussehen nicht matchentscheidend. «Dagegen steht ein Serienprodukt immer in Konkurrenz zu anderen. Hier kann das Industriedesign den Verkauf stark beeinflussen.»